Was tun beim Paukenerguss

Paukenröhrchen fürs Kind – ja oder nein?

Wenn ein Kind schlecht hört, kann die Ursache ein Paukenerguss sein, bei dem sich Flüssigkeit im Ohr sammelt. Das kommt häufig bei Infekten vor. Hält der Paukenerguss länger an, empfiehlt der Arzt meist, ein Paukenröhrchen einzusetzen. Was ist das – und darf mein Kind damit noch schwimmen gehen?

Autor: Kathrin Wittwer
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Paukenerguss? Paukenröhrchen?

Paukenröhrchen
Foto: © Colourbox

Das Wort „Paukenröhrchen" hören Eltern oft erstmals im gleichen Zug mit dem Wort „Paukenerguss". Nämlich dann, wenn sie mit ihrem Kind beim Kinder- oder HNO-Arzt sind, weil es ständige Infekte plagen oder die Eltern das Gefühl haben, ihr Kind hört schlecht. In der Tat geht es bei beiden Begriffen um das Ohr, konkret darum, wie es um seine Belüftung steht: ein Paukenerguss schränkt diese ein, ein Paukenröhrchen soll das wieder in Ordnung bringen. Aber der Reihe nach:

Was ist ein Paukenerguss?

Normalerweise wird das Ohr über den Rachen belüftet. Dafür sorgt die Ohrtrompete, ein Schleimhautschlauch, der vom Rachen Luft ins Mittelohr leitet und den Ohrdruck ausgleicht. Wenn das nicht funktioniert, zum Beispiel weil durch Infekte oder eine vergrößerte Rachenmandel alles angeschwollen und damit der Schlauch praktisch dicht ist, entsteht ordentlich Druck im Ohr. Dann produziert die Schleimhaut hier mehr Sekret, das sammelt sich in der Paukenhöhle des Mittelohrs an – und da ist er, der Paukenerguss.

Bei wem kommt ein Paukenerguss vor?

Ein Paukenerguss kann bei Infekten, den häufigsten Auslösern, jeden mal treffen. Kinder bis zum Schulalter sind besonders anfällig, weil sich bei ihnen die Ohrtrompete erst noch voll ausbilden muss. „Es kann aber auch sein, dass ein Kind durch eine besonders kurze oder enge Ohrtrompete betroffen ist", erklärt der HNO-Arzt Dr. Wolfgang Hornberger aus Sulzbach an der Saar. Außerdem weiß man, dass Kinder, deren Eltern rauchen, häufiger Paukenergüsse haben als Kinder von Nichtrauchern.

Warum ist ein Paukenerguss ein Problem?

Ein Paukenerguss ist zunächst mal vor allem unangenehm, kann auch mit Knacken und Schmerzen im Ohr einhergehen. Geht er aber wieder weg, wenn ein Infekt abklingt, gibt es kaum Grund zur Sorge. Ein echtes Problem wird ein Paukenerguss, wenn er über längere Zeit anhält, also chronisch wird, zum Beispiel weil ein Infekt auf den anderen folgt. Das Sekret, das sich im Mittelohr ansammelt, wird immer zäher, verklebt quasi das Ohr, Mittelohrentzündungen kommen öfter vor, Trommelfell und Gehörknöchelchen werden unbeweglicher, Schallwellen werden nicht mehr gut weitergeleitet, das Gehör wird schlecht(er). Bei kleinen Kindern fällt dann recht häufig auch auf, dass sie später und weniger sprechen als Altersgenossen, weil Schwerhörigkeit die Sprachentwicklung hemmt. Möglicherweise haben die Kinder dadurch auch Probleme, mit anderen gut auszukommen.

Braucht es bei einem Paukenerguss gleich ein Paukenröhrchen?

Per Ohrmikroskopie und Hörtest kann der HNO-Arzt feststellen, wie schlimm es um den Paukenerguss und seine Folgen steht. Nur bei bakteriellen Entzündungen gibt es ein Antibiotikum. Sind Infekte die Ursache und halten die Symptome sich in Grenzen, kann man gut drei bis sechs Monate schauen, ob der Paukenerguss von allein verschwindet – bei den meisten Kindern ist das so.

„Es ist dabei immer sinnvoll zu versuchen, die Schleimhäute zum Abschwellen zu bringen und grundsätzlich die Immunkompetenz des Kindes zu stärken, seine Selbstheilungskräfte zu unterstützen", empfiehlt die Heilpraktikerin Sonja Kohn aus dem niedersächsischen Sehnde. „Regelmäßiges Inhalieren, drei- bis fünfmal täglich für je 15 Minuten, ist eine einfach, aber sehr wirkungsvolle Maßnahme. Ebenso, das Kind in einen Nasenballon 'pusten' zu lassen. Globuli wie Phytolacca oder Belladonna können helfen, Schüßler Salze wie die Heiße 7, Mittel wie Meditonsin und Soledum Junior, Zwiebelsäckchen aufs Ohr bei Schmerzen – und eine Darmkur, um diesen wesentlichen Teil unseres Immunsystems neu aufzubauen. Auch ausreichend trinken und eine gesunde Ernährung gehören dazu." Bei kleinen Patienten und als Mutter hat Sonja Kohn mit all dem sehr gute Erfahrungen gemacht: „Meine Tochter ist so schon mehrfach um eine Operation herumgekommen, Gehör und Sprache sind super. Es braucht natürlich viel Aufmerksamkeit, Zeit, Geduld, Ruhe und Konsequenz, und ich weiß, für viele Eltern ist das im Alltag schwer. Aber es kann sich lohnen."

Paukenröhrchen-Größe

Paukenröhrchen im Vergeich zur 1-Cent-Münze

Foto: © fotolia.com/ Jakob Sons

Nur Trommelfellschnitt oder auch Paukenröhrchen?

Bessern sich die Beschwerden allerdings nicht, ist eine OP die Standardtherapie zwecks Paukendrainage und Druckentlastung. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten, erklärt Dr. Hornberger: „Entweder wird nur ein einfach Schnitt gemacht, eine Trommelfellparazentese. Das reicht, wenn die Flüssigkeit noch recht dünn ist und gut ablaufen kann. Der Schnitt schließt sich aber nach wenigen Tagen wieder. Ist das Sekret schon zäh und will man die Belüftung längerfristig sicherstellen, damit alles abheilen kann, wird als künstlicher Belüftungskanal noch ein Paukenröhrchen ins Trommelfell eingesetzt."

Was wird bei der OP gemacht?

Paukenröhrchen sind nur wenige Millimeter groß. Es gibt sie in verschiedenen Formen und Materialien wie Silikon, Biokeramik, Titan und Gold. Sie werden über den Gehörgang eingesetzt. Diese Operation erfolgt bei Kindern (ab zwei Jahren) ambulant in Vollnarkose und dauert bis zu 20 Minuten. Häufig geht der Eingriff mit der Entfernung der vergrößerten Rachenmandel („Polypen") einher, wenn diese die Ursache für die Belüftungsstörung ist.

Ist die OP gefährlich?

Wenn auch inzwischen ein Routineeingriff, birgt die OP neben den üblichen Infektionsgefahren einige spezielle Risiken: „Es ist möglich, dass das Trommelfell durch den Schnitt geschwächt wird oder sich Narben bilden oder dass ein Kind den Fremdkörper aufgrund einer allergischen Reaktion auf das Material abstößt. Das kommt aber selten vor", so Dr. Hornberger.

Was muss mit dem Paukenröhrchen beachtet werden?

Da über das Röhrchen nun ein stets offener Gang ins Ohr führt, besteht prinzipiell das Risiko, dass hier von außen Keime ins Ohr gelangen und Infektionen entstehen, vor allem durch verschmutztes Wasser. „Ich persönlich empfehle deshalb, solange das Röhrchen liegt, dass Ohr abzudichten, wenn unsauberes Wasser eindringen könnte, vor allem Seifenwasser beim Haarewaschen oder in Hotelschwimmbädern. Im Meer ist es weniger problematisch", erklärt Dr. Hornberger. „Zum Abdichten gibt es in Apotheken verschiedene Stopfen und salbengetränkte Watte oder speziell angefertigte Stöpsel vom Hörakustiker. Die etwa 40 Euro dafür zahlen allerdings die meisten gesetzlichen Kassen nicht." Schwimmen ist damit kein Problem. Tauchen sollte aber besser vermieden werden, auch, weil eintretendes Wasser Schwindel auslösen kann. Abgesehen von diesen Einschränkungen macht sich das winzige Röhrchen nicht bemerkbar.

Bringt ein Paukenröhrchen den gewünschten Erfolg?

Bekommt das Ohr durch das Paukenröhrchen wieder ausreichend Luft, wir das Gehör bald wieder normal funktionieren. Die Eltern sind meist erstaunt, wie gut ihr Kind plötzlich reagiert, wenn sie es ansprechen, wie rasant es beim Sprechen zulegt und wie viel leiser man das Radio stellen kann.

Wie lange muss ein Paukenröhrchen drin bleiben?

Nach und nach bildet sich im Mittelohr die verdickte Schleimhaut zurück. „Dadurch heilt das Trommelfell hinter dem Röhrchen wieder zusammen, so dass die allermeisten Röhrchen irgendwann, mal nach drei Monaten, mal auch erst nach drei Jahren, von allein in den Gehörgang fallen und einfach rausgenommen werden können. Das Trommelfell ist dann wieder geschlossen", erläutert Dr. Hornberger. Nur wenn dies nicht passiert, obwohl alles wieder in Ordnung ist, oder wenn („nach erfolgloser mehrfacher normaler Paukendrainage") ein besonders geformtes Röhrchen in T-Form liegt, das der Körper nicht von allein wieder los wird, muss es vom Arzt herausgenommen werden.

Nicht ausgeschlossen ist allerdings, dass ein Kind im Laufe der Zeit, zum Beispiel durch weitere, anhaltende Infekte, nochmals ein Paukenröhrchen braucht.

 

Service

Literatur

  • „Gesundheit für Kinder. Kinderkrankheiten verhüten, erkennen, behandeln" von Herbert Renz-Polster u.a. (2013)
  • „Kinderkrankheiten natürlich behandeln" von Georg Soldner u.a. (2014)

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