Die schwere Frage, wo und wie es weh tut
Schmerzen bei Kindern
Lange Zeit war umstritten, was heute als bewiesen gilt. Neugeborene nehmen Schmerzen wahr und können sich an sie erinnern. Doch das kindliche Schmerzempfinden unterscheidet sich von dem Erwachsener.
Der Streit um das Schmerzempfinden von Säuglingen
Im Mittelalter wurde es als heroisch angesehen, wenn ein Mensch Schmerzen stillschweigend durchlitt. Heute klären wir unseren Hausarzt detailliert darüber auf, wann und wo es uns in welcher Art und Weise schmerzt.
Doch was ist eigentlich Schmerz, und wie erleben ihn Säuglinge und Kleinkinder?
Schmerz ist ein unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das aufgrund einer Schädigung oder Verletzung auftritt, so lauten die gängigen Definitionen. Doch Schmerz ist mehr als ein unangenehmes Gefühl. Er bedeutet vor allem auch Schutz und Warnfunktion. Denn durch ihn wird der Mensch darauf aufmerksam, dass etwas nicht in Ordnung, dass zum Beispiel die Gesundheit angegriffen ist. Ein Kind registriert jede kleine Missempfindung als einen Schmerz und verlangt nach Aufmerksamkeit, sagt Dr. Rudolf Weitz, Kinder- und Jugendarzt der Kinderpraxis Jülich.
Schmerzempfinden und -erinnerung Neugeborener
Geht man als Eltern, Geschwister oder Verwandte berechtigter Weise davon aus, dass dieses kleine, zerbrechliche Wesen einen versehentlichen Stoß schmerzhafter empfindet als ein ausgewachsener Mensch, der etwa dreimal so groß und zwanzigmal so schwer ist, meinten einige Mediziner noch vor gar nicht allzu langer Zeit das genaue Gegenteil.
Eltern werden kopfschüttelnd zurückschrecken, klärt man sie darüber auf, dass noch bis zum Ende der 80er Jahre Neugeborene Operationen ohne Betäubung durchleben mussten. Dr. Boris Zernikow, Kinderarzt an der Vestischen Kinderklinik Datteln, sagte gegenüber Radio Bremen Zwei: "Es bestand einfach die Meinung, vor allen Dingen in den angloamerikanischen Ländern, weniger in Deutschland, dass das Nervensystem der Kinder noch nicht ausgereift genug ist, um Schmerzen zu erleben und es besteht immer noch bei vielen die Meinung, dass sich die Kinder nicht an die Schmerzen erinnern können. Beides ist sicherlich falsch." Forschungsergebnisse aus der Embryologie, aus klinischen Tierversuchen und Studien zeigen, dass bereits ab der 22. Woche Schmerz wahrgenommen und verarbeitet werden kann. Säuglinge, die in den ersten Lebensstunden Schmerzen erleiden, vergessen diese nicht und sind im späteren Leben meist schmerzempfindlicher als ihre Altersgenossen. Es gibt genügend Befunde dafür, dass auch die Jüngsten ein Schmerzgedächtnis besitzen. Amerikanische Untersuchungen ergaben, dass vor allem kleine Jungen, die ohne Betäubung beschnitten wurden, selbst bei Impfungen starke Stressreaktionen aufweisen. Daher sind örtliche Betäubungen auch im Säuglingsalter angezeigt.
"Aber auch viele alltägliche ärztliche Eingriffe, angefangen von der venösen Blutentnahme, sind für ängstliche Kinder hoch traumatisierend. Der Kinderarzt sollte in der Lage sein, notfalls auch schmerzhafte Eingriffe schonend vorzunehmen," sagt Dr. Weitz. "Dazu muss er sich dem Kind mit betonter Geduld und Zärtlichkeit annähern, aber auch entschlossen genug vorgehen." Der Kinderarzt betont, dass Kinder sehr tapfer sein können, wenn sie die Liebe ihrer Eltern und auch die Zuneigung des Arztes spüren können.

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