Knick-Senkfuß & Co. vermeiden und behandeln

Tipps für starke und gesunde Kinderfüße

Sie tragen uns durchs Leben, geben uns Halt und Haltung: unsere Füße. Fußfehlstellungen wie Knick-Senkfuß oder Plattfuß können gravierende Auswirkungen auf den gesamten Körper haben – und oft werden sie in der Kindheit erworben. Unser Artikel gibt Tipps, wie Eltern für gesunde Kinderfüße (vor)sorgen können.

von Kathrin Wittwer
  • Druck
  • Kommentare
  • Email
Gesunde Kinderfuesse
Foto: © panthermedia.net/ Miroslav Beneda

Die Füße – das Fundament unseres Körpers

Der erste Versuch eines kleinen Menschen, sich ganz allein auf die eigenen Füße zu stellen, ist ein ergreifender Moment im Leben von Eltern: Ihr kleines Baby wird nun „groß“, immer selbstständiger und mobiler – die Welt liegt ihm zu Füßen. Doch nicht nur sprichwörtlich, auch physiologisch betrachtet spielen diese beiden Körperteile eine äußerst bedeutende Rolle, vor allem für unsere Gesundheit: „Wir richten uns von den Füßen her auf, die Landkarte unseres Körpers wird also von unten nach oben beschrieben“, sagt Physiotherapeutin Jutta Hofer, deren Praxis im baden-württembergischen Rottenburg am Neckar auf Kinder spezialisiert ist. „Wenn an den Füßen etwas nicht in Ordnung ist, kann sich dies nach und nach über Knie, Hüfte und Wirbelsäule bis zum Hals auf den gesamten Körper auswirken.“ Ungünstige Körperhaltungen, Gleichgewichtsstörungen, sogar Kopfschmerzen sind einige der vielen möglichen Konsequenzen. Und Fußprobleme bilden keine Ausnahme: Gut 60 Prozent aller Erwachsenen weisen mehr oder weniger große Beeinträchtigungen auf. Viele davon entstehen in der Kindheit – obwohl fast alle Babys mit gesunden Füßen zur Welt kommen. Nur etwa zwei bis drei Prozent zeigen bereits zur Geburt Fehlbildungen.

Angeboren: Hackenfuß, Sichelfuß, Klumpfuß

„Angeborene Fehlstellungen sind Sichelfuß, Klumpfuß und, die häufigste Variante, Hackenfuß“, zählt Jutta Hofer auf. Letzterer rührt von einer schwierigen Haltung des Fötus im beengten Uterus, bei der der Fuß übermäßig nach oben gezogen wird, als würde man nur auf den Hacken laufen. „In der Regel heilen leichtere Fehlbildungen nach der Geburt, wenn der Fuß genügend Platz hat, spontan ab“, weiß die Expertin. Ansonsten wird der Säugling so früh wie möglich mit Physiotherapie behandelt. Gleiches gilt für den vermutlich auf ähnliche Weise entstehenden Sichelfuß. „Hierbei ist die Innenseite des Fußes verkürzt, die Außenseite dagegen verlängert, es sieht in etwa so aus, als wäre der Fuß ein umgekehrtes C“, beschreibt Hofer. Mit Physiotherapie lässt sich dies meist gut beheben. Auch der Klumpfuß gehört direkt nach der Geburt des Babys in Behandlung. Trotz des Namens ist der Fuß nicht „klotzig“, sondern so stark verdreht, dass die Fußflächen nach innen zeigen. „Eine pauschale Behandlungsempfehlung kann man für diese komplexe Deformation nicht geben, hier arbeiten mehrere Spezialisten zusammen“, sagt Hofer – unter anderem Kinderorthopäde, Chirurg und Physiotherapeut.

Nicht ungewöhnlich: Platt- sowie Knick-Senkfüße bei Babys und Kleinkindern

Relativ normal sind zumindest bei bis zu Dreijährigen hingegen Plattfüße: Ein Fettpolster schützt die Fußsohle, bis sich die Struktur der Knochen ausgeformt hat. So fehlt es unter dem kleinen Fuß an der typischen Wölbung. Sehr häufig kommen, entwicklungsphysiologisch bedingt, auch Knick-Senkfüße im Kleinkindalter vor. Die Kombination aus einem Einknicken der Ferse (meist nach innen) und einem flachen Fußgewölbe entsteht, weil die Kleinen noch Schwierigkeiten haben, ihr Gewicht richtig zu verlagern – auch, weil sich in verschiedenen Wachstumsphasen leichte O- und X-Beine abwechseln, die Knick-Senkfüße begünstigen. „Eigentlich gibt sich dies mit der Zeit von selbst, spätestens mit der Einschulung sollte es verschwunden sein“, so Jutta Hofer. „Allerdings, auch wenn es schwer zu sagen ist, ab welchem Grad eine Unregelmäßigkeit nicht mehr normal ist, können auch in diesem Alter durchaus schon extremere Ausprägungen vorkommen.“ Zum Beispiel, wenn die Fehlbildung eine andere Ursache hat, wie Adipositas (Übergewicht), muskuläre Hypotonie (mangelnde Muskelspannung) oder eine neurologische Erkrankung. „Im Zweifel sollte man das Kind einem Arzt vorstellen“, rät die Expertin.

Was läuft schief?

Dass sich die kindlichen Fehlstellungen bei vielen nicht verwachsen, sondern dauerhaft bestehen bleiben und noch andere Probleme nach sich ziehen, liegt oft an zu wenig Bewegung und einseitigen Belastungen. Und vor allem: „Der größte Fehler, den wir unseren Füßen antun, sind falsche Schuhe“, so Jutta Hofer. Das beginnt bereits damit, dass schon Babys zu früh (feste) Schuhe tragen. Bei Kindern wird immer wieder unpassendes Schuhwerk festgestellt: Oft ist es zu kurz oder zu eng, kann dadurch unter anderem bleibende Zehenverformungen oder verkürzte Muskeln verursachen, ebenso wie Hornhaut bis hin zu Hühneraugen. „Aber auch Riemchensandalen und weite Pantoletten, die dem Fuß keinen Halt bieten, oder Schuhe mit Absätzen sind nicht für Kleinkinder geeignet“, betont Hofer. Wie bei zu kurzen können auch bei zu weiten Schuhen dauerhafte Platt-Senkfüße oder Sichelfüße entstehen.

  • 1
  • 2
  • 3