Probleme beim 'großen Geschäft'

Was Kindern bei Verstopfung hilft

Verstopfung tritt häufig schon im Babyalter auf, zum Beispiel bei der Einführung von Beikost. In diesem Artikel erfahren Sie, wann man überhaupt von Verstopfung spricht, was Eltern dagegen tun können und wann ein Arztbesuch nötig ist.

von Dr.med. Andrea Schmelz
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Mutter Kleinkind Toepfchen

Ab einem Jahr ist einmal täglich normal

Etwa fünf bis zehn Prozent aller Kinder leiden zumindest vorübergehend unter Verstopfung. Doch mit einer Ernährungsumstellung, mehr Bewegung und einer höheren Trinkmenge ist sie oft in den Griff zu bekommen. In hartnäckigen Fällen braucht Ihr Kind Unterstützung durch sanfte Medikamente. Bei Ernährungsumstellungen oder auch auf Reisen sind Kinder schnell mal verstopft. Doch manche Kinder quälen sich ständig mit zu seltenem und zu hartem Stuhlgang und haben schon regelrecht Angst, wenn sie zur Toilette bzw. aufs Töpfchen müssen.

Wie oft ein Kind Stuhlgang hat, ist abhängig von seinem Alter, seiner Ernährung und auch seiner individuellen Veranlagung. Hier finden Sie Richtwerte, wie oft und wie viel in welchem Alter normal ist:

Alter des Kindes Stühle pro Tag Menge pro Tag (in Millilitern)
1 bis 7 Tage 3 bis 5 10 bis 15
bis 12 Monate 1 bis 4 17 bis 23
1 bis 3 Jahre 0,7 bis 3 40 bis 45
3 bis 6 Jahre 0,5 bis 2 über 50

(Durchschnittswerte; 0,5 bedeutet z. B. Stuhlgang jeden zweiten Tag)

Die häufigsten Ursachen

Von chronischer Verstopfung spricht man, wenn die zu seltene und/oder zu harte Stuhlentleerung länger als drei Monate besteht. Kinder über einem Jahr sollten mindestens dreimal wöchentlich Stuhlgang haben.

Achtung: Gestillte Kinder können anfangs bis zu zehnmal täglich Stuhlgang haben. Aber auch nur eine Stuhlentleerung alle acht bis 14 Tage gilt bei Muttermilchernährung noch als normal!

Meist ist die Verstopfung nicht organisch bedingt

Die häufigsten drei Ursachen für eine Verstopfung sind:

  • zu wenig Bewegung
  • zu wenig Ballaststoffe in der Ernährung
  • zu geringe Trinkmenge

Manche Säuglinge sind sehr empfindlich, was ihre Verdauung angeht. Die Einführung von Beikost oder die Fütterung von Karotte oder Banane kann bei ihnen schon zu leichter Verstopfung führen. Häufig klappt es auch im Rahmen der Sauberkeitserziehung vorübergehend nicht mehr so recht mit dem Stuhlgang. Bei Kindergarten- und Schulkindern stecken manchmal auch psychische Gründe hinter einer Verstopfung. Organische Ursachen, also z. B. Veränderungen am Darm, sind eher selten. Handelt es sich um angeborene Erkrankungen, tritt die Verstopfung bereits kurz nach der Geburt auf.

Wann müssen Sie zum Arzt?

Tritt die Verstopfung neu auf (insbesondere, wenn Ihr Kind noch ein Baby ist!) oder hält sie trotz der hier genannten Selbsthilfemaßnahmen länger als 14 Tage an, sollten Sie mit Ihrem Kind zum Arzt gehen. Leidet Ihr Kind zusätzlich unter starken Bauchschmerzen, rufen Sie bitte sofort den Arzt. Weitere Warnzeichen für eine ernsthaft Erkrankung, z. B. einen Darmverschluss, sind ein hart gespannte Bauch, heftige Bauchkrämpfe, gleichzeitiges Erbrechen oder die Tatsache, dass auch keine Winde mehr abgehen.

Mehr Ballaststoffe und mehr Flüssigkeit machen den Stuhlgang weicher

Die erste Maßnahme sollte immer eine Ernährungsumstellung sein:

  • Geben Sie Ihrem Kind keine stopfenden Nahrungsmittel wie Kakao, Schokolade und andere Süßigkeiten, Weißmehlprodukte oder Fastfood sowie Bananen. Babys bei Neigung zu Verstopfung nicht zu viel Karotten(saft) geben und auf Zugabe von Reis- oder Haferflocken zur Flasche verzichten!Tipp: Haben Sie sehr kalkhaltiges Wasser, ist es zur Zubereitung der Flaschennahrung sinnvoll, spezielles Babywasser (z. B. von Humana oder Milupa) zu verwenden. Kalk aus dem Wasser kann sich nämlich im Darm mit Fettsäuren aus der Milch zu Kalkseifenstühlen verbinden. Diese sind sehr trocken, fest und bröckelig.
  • Geben Sie Ihrem Kind mehr ballaststoffhaltige Lebensmittel, also viel Gemüse und Obst, ab dem zweiten Lebensjahr auch Vollkornprodukte, jedoch anfangs nicht in großen Mengen. In den ersten beiden Lebensjahren auf Vollkornprodukte mit ganzen Körnern oder Frischkornbreie besser verzichten, da die Verdauung von Kleinkindern damit oft noch nicht fertig wird und Blähungen auftreten.Tipp: Das Buch "Bert, der Gemüsekobold" von J. Volmert und S. Szesny (mit Plüsch-Brokkoli, Albarello 2003; 32 Seiten; 13,70 EUR) ist eine gute Möglichkeit, kleinen Gemüsemuffeln ab drei Jahren gesunde Ernährung spielerisch näher zu bringen.
  • Probiotische Joghurts können die Verdauung unterstützen. Dazu muss Ihr Kind allerdings täglich einen Becher davon essen. Für nicht gestillte Babys sind Milchnahrungen mit prebiotischen Ballaststoffen zu empfehlen, z. B. Milumil® prebiotisch. Nach etwa ein bis zwei Wochen wird Ihr Baby damit weichere Stühle haben.
  • Trockenobst, etwa Pflaumen, Feigen oder Früchtebrot, wirkt ebenfalls verdauungsfördernd.

    Tipp: Feigenmus (ab zweitem Lebensjahr)Ein paar frische, reife Feigen klein schneiden und in einen Topf mit etwas Wasser geben. Die Feigen kurz dünsten, bis sie weich sind, dann pürieren. Mit etwas frisch gepresstem Zitronensaft und Honig abschmecken. Ersatzweise Trockenfeigen etwas einweichen und mit dem Einweichwasser weich kochen. Die Zugabe von Honig ist dann nicht erforderlich.

  • Ihr Kind sollte viel trinken! Bieten Sie Ihrem Baby zusätzlich ungesüßten Tee an. Bei Flaschenkindern halten Sie sich bitte unbedingt an die angegebene Wassermenge zur Zubereitung der Milchnahrung, eventuell lieber 20 bis 30 Milliliter Wasser mehr nehmen, keinesfalls aber weniger! Kleinkinder sollten bis zu einem Liter täglich trinken, Kindergartenkinder sogar bis 1,5 Liter.

Weitere sanfte Maßnahmen gegen Verstopfung

  • Leinsamen und Weizenkleie machen den Stuhl weicher und regen die Verdauung an. Kinder ab dem zweiten Lebensjahr erhalten über den Tag verteilt drei Teelöffel Leinsamen oder zwei Esslöffel Weizenkleie (Kinder ab vier Jahren bis vier Esslöffel Kleie bzw. sechs Teelöffel Leinsamen täglich). Ganz wichtig: Pro Esslöffel Kleie bzw. pro zwei Teelöffel Leinsamen benötigt Ihr Kind eine zusätzliche Flüssigkeitszufuhr von 150 Millilitern, da Kleie bzw. Leinsamen im Darm aufquellen. Bei zu wenig Flüssigkeit können sie hingegen den Stuhl verfestigen und wirken eher stopfend! Bei regelmäßiger Einnahme setzt die Wirkung von Kleie und Leinsamen etwa nach vier Wochen ein – haben Sie also bitte etwas Geduld!
  • Auch Milchzucker regt die Darmtätigkeit an und fördert gleichzeitig das Wachstum der guten Darmbakterien. Er kann schon ab dem Säuglingsalter gegeben werden. Da jedoch sowohl Muttermilch als auch Säuglingsanfangsnahrungen (Pre- und 1-Milch) bereits viel Milchzucker enthalten, ist eine Dauergabe in den ersten sechs Monaten nicht zu empfehlen. Ab dem zweiten Lebenshalbjahr beginnen Sie mit einem Teelöffel Milchzucker pro Tag und erhöhen täglich um jeweils einen Teelöffel, bis sich ein Erfolg einstellt. Bekommt Ihr Kind Bauchschmerzen, Blähungen oder Durchfall, war die Dosierung zu hoch!

Der Darm ist ein 'Gewohnheitstier'

Durch einen regelmäßigen Tagesablauf lässt sich der Darm sehr gut erziehen. Wichtig sind dazu festgelegte Essenszeiten, damit sich die Verdauung Ihres Kindes darauf einstellen kann. Auch der Gang zur Toilette oder die "Sitzung" auf dem Töpfchen sollten möglichst immer zur selben Tageszeit erfolgen.
Der beste Zeitpunkt hierfür ist meist nach dem Frühstück oder generell etwa 15 bis 30 Minuten nach den Mahlzeiten. Wenn der Magen durch das Essen gedehnt wird, führt dies zu einer Reflexbewegung des Dickdarmes (so genannter gastrokolischer Reflex), die den Stuhlgang weiterschiebt und oft auch für Stuhldrang sorgt.
Wichtig ist, dass Sie Ihrem Kind genügend Zeit (etwa 10 Minuten) lassen. Ein passender Aufsatz für die Toilette plus ein Hocker zum Abstellen der Beine oder spezieller Toilettenstuhl, der ein entspanntes Sitzen ermöglicht, erleichtert ihm den Stuhlgang.

Bewegung und Massage bringen den Darm in Schwung

Tägliche Bewegung nützt auch dem Darm. Besonders wichtig ist eine Kräftigung der Bauchmuskulatur:

  • Lassen Sie Ihr Baby viel in Rückenlage strampeln. Später sorgen dann Krabbeln und Laufen für kräftige Bauchmuskeln.
  • Kinder ab zwei Jahren können in Rückenlage mit den Beinen in der Luft Rad fahren. Ab drei Jahren kann Ihr Kind durch Rumpfbeugen (mit gestreckten Beinen hinstellen, Körper nach vorne beugen, sodass die Hände die Füße berühren) seinen Darm aktivieren.
    Hilfreich ist auch eine leichte Fußmassage einmal täglich für wenige Minuten. Beginnen Sie am linken wie auch am rechten Fuß an der Ferse und massieren Sie in Richtung Fußaußenrand, weiter um das Fußgewölbe herum in Richtung Fußballen und weiter bis zum Fußinnenrand.

Tipp: Bei Babys lässt sich die Darmentleerung oft dadurch anregen, dass man die eingefetteten Spitze des Fieberthermometers in den After einführt und dort sanft etwas hin- und herbewegt.

Natürliche Hilfen für das 'große Geschäft'

Lässt sich eine Verstopfung mit den oben genannten Maßnahmen allein nicht beheben, können folgende Schüßler-Salze helfen:

  • Natrium sulfuricum D6 (Nr. 10): Basismittel bei Verstopfung
  • Natrium chloratum D6 (Nr. 8): wenn der Stuhlgang sehr trocken aussieht
  • Kalium phosphoricum D6 (Nr. 5): bei Verstopfung auf Reisen
  • Silicea D6 (Nr. 11) im Wechsel mit Natrium chloratum D6 (Nr. 8): bei chronischer Verstopfung

Dosierung: 3 bis 4 x täglich eine Tablette des jeweiligen Mittels. Werden Tabletten im Wechsel gegeben, dann vier Tabletten täglich, von jeder Sorte zwei.

Es ist möglich, dass bei akuter Verstopfung auch einmal ein Abführmittel erforderlich ist. Fragen Sie in diesem Fall Ihren Arzt. Ohne ärztlichen Rat sollten Sie keine Eigenbehandlung Ihres Kindes durchführen! Dies gilt insbesondere für Säuglinge und bei anhaltender Verstopfung.

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