Muttermund

Der Muttermund – seine Rolle im Zyklus und bei der Geburt

Bei Schwangerschaft und Geburt kommt dem Muttermund eine wichtige Rolle zu. Fest verschlossen schützt er das Baby im Bauch vor Keimen. Kommt es zur Geburt, weitet er sich, um den Weg für den neuen Erdenbürger freizugeben. Doch bereits im regulären Zyklus verändert sich der Muttermund mehrmals. Ein Grund mehr, ihn einmal genauer unter die Lupe zu nehmen. 

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Der Muttermund (lat. Ostium uteri) ist ein Teil des Gebärmutterhalses. Er bezeichnet gleich zwei ringförmige Öffnungen: den Übergang zwischen Gebärmutter und Gebärmutterhals (innerer Muttermund) sowie jenen zwischen Gebärmutterhals und Vagina (äußerer Muttermund). Zwischen beiden Öffnungen liegt der Zervixkanal. Er ist mit einer dicken Schleimhaut ausgekleidet, die unentwegt den sogenannten Zervixschleim absondert. Konsistenz und Aussehen des Schleims ändern sich im Zyklusverlauf ebenso wie Position und Beschaffenheit des gesamten Gebärmutterhales.

Der Muttermund vor der Schwangerschaft

Bei einer Frau, die noch nie ein Kind zur Welt gebracht hat (in der Fachsprache: Nullipara), ist der Muttermund von der Scheide aus als kleiner, dicker Ring mit einem winzigen, runden Loch in der Mitte zu erkennen. Führt man vorsichtig zwei Finger tief in die Scheide ein, lässt er sich ertasten. Je nachdem, in welcher  Zyklusphase man sich befindet, fühlt er sich anders an: weich wie Lippen oder hart wie eine Nasenspitze. Auch die Lage ist zyklusabhängig: Um den Eisprung herum liegt der Muttermund sehr hoch. Man kann ihn dann erst tief in der Scheide ertasten. In dieser Zeit wird außerdem verstärkt Zervixschleim produziert, der dünnflüssig, klar und spinnbar ist. Der Muttermund ist leicht geöffnet, um seinen Fluss nicht zu behindern. Außerdem gelangen die Samenzellen zum Zwecke der Befruchtung so leichter in die Gebärmutter: Beim weiblichen Orgasmus bewegt er sich wellenförmig, um den Transport der Samenzellen in die Gebärmutter zu begünstigen. Während der unfruchtbaren Tage ist der äußere Muttermund weiter unten zu ertasten. Er ist hart und geschlossen und gibt nur wenig zähflüssigen Zervixschleim frei. Indem man also die Festigkeit des Muttermundes und die  Konsistenz des Zervixschleims (Billings-Methode) überprüft, kann man Aufschluss über seine fruchtbaren Tage gewinnen. Bei der  Natürlichen Familienplanung (NFP) kombiniert man die Beobachtungen mit der täglichen Kontrolle der Basaltemperatur (üblicherweise die Körpertemperatur direkt nach dem Aufwachen).

Der Muttermund in der Schwangerschaft

Auch in der Schwangerschaft übernimmt der Muttermund eine entscheidende Rolle. Bald nachdem die befruchtete Eizelle über die  Freisetzung des Hormons HCG dem Körper das Signal gegeben hat, dass dieser auf „schwanger“ umstellen soll, reagiert auch der Muttermund. Er zieht sich nach oben und wird hart. Außerdem bildet sich ein fester Pfropf aus Zervixschleim, der ihn fest verschließt. Auf diese Weise ist die Gebärmutter samt Fruchtblase vor Keimen von außen geschützt. Und so sollte er bis zum Ende der Schwangerschaft bleiben. Wird der Muttermund vorzeitig weich und verkürzt sich, liegt unter Umständen eine Zervixinsuffizienz vor, die zu vorzeitigen Wehen und zu einer  Frühgeburt führen kann. Bei einer solchen Diagnose wird der Schwangeren in der Regel strengste Bettruhe verordnet. Methoden, den Muttermund operativ zu verschließen, sind umstritten, da sie große Risiken bergen. Bei der sogenannten Cerclage wird der Muttermund komplett zugenäht. Alternativ kann auch ein Kunststoffring, der Cerclagepessar, um den Muttermund gelegt werden, um eine fortschreitende Weitung zu verhindern. Erst kurz vor dem errechneten Geburtstermin wird er wieder geöffnet, um den natürlichen Geburtsverlauf zu ermöglichen.

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Wenn sich der Muttermund öffnet: Das Baby kommt

In den meisten Schwangerschaften wird der Muttermund allerdings erst dann weich, wenn das Baby reif ist und nach draußen drängt, also um die 39. SSW herum. Das geht mit  den ersten Wehen einher, die zunächst noch recht schwach und unregelmäßig, mit fortschreitendem Geburtsverlauf aber immer stärker und regelmäßiger werden. Mit der Weitung des Muttermundes löst sich auch der Schleimpfropf, der den Zervixkanal über die letzten Monate fest verschlossen hat. Dieses sogenannte „Zeichnen“ wird oft von einer leichten Schmierblutung begleitet, die aber kein Grund zur Sorge ist.

Was genau heißt "geöffneter Muttermund"?

Im Laufe der ersten Frühwehen weitet sich der Muttermund auf etwa drei Zentimeter. Oft sind die Wehen noch so schwach, dass sie kaum oder gar nicht bemerkt werden. Erst wenn der Muttermund rund acht Zentimeter offen steht, setzt die aktive  Geburtsphase ein: Nun beginnt das Baby, den Weg durch den Geburtskanal anzutreten. Wenn das Köpfchen bereits zu sehen ist, hat sich der Muttermund auf zehn Zentimeter geöffnet – die Geburt ist bereits in vollem Gange.

Nach der Geburt beginnt die Rückbildung. Geburtswunden verheilen, die Gebärmutter verkleinert sich wieder und auch der Muttermund zieht sich wieder zusammen. Manchmal sieht er danach etwas anders aus als zuvor: Statt kreisrund zeigt sich die Öffnung des äußeren Muttermundes dann schlitzförmig.

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