Postpartale Depression

Postpartale Depression – Wenn aus rosaroten Wolken eine graue Wolkendecke wird

10 bis 20 Prozent der Mütter in Deutschland erkranken an einer Postpartalen Depression, die auch Postnatale Depression oder Wochenbettdepression genannt wird. Die Krankheit bleibt oft lange unerkannt, obwohl sie einer psychologischen Behandlung bedarf. Der Grund: Oft reden betroffene Frauen nicht offen über Ihre Gefühle, da sie Angst haben, als schlechte Mütter gesehen zu werden, wenn sie nicht glückselig über ihr Kind sind. Dabei handelt es sich um eine Krankheit, die mit der richtigen Behandlung gut beherrschbar ist.

Mutter traurig mit Baby
Foto: © panthermedia.net/ Monkeybusiness Images
Wenn eine junge Mutter  nach der Geburt mit ihrem Baby nach Hause kommt, dann setzt nach ein paar Tagen oft der sogenannte  Baby Blues ein. Dabei handelt es sich um eine kurze Phase der hormonellen Umstellung nach einer Geburt, bei der die Schwangerschaftshormone verschwinden und der Körper nach der Vormilch nun die eigentliche Muttermilch produzierzt. Auch hat sich der Körper der Frau noch nicht von den Anstrengungen der überstandenen Geburt erholt und viele Frauen fragen sich, ob sie der Aufgabe gewachsen sind, Mutter zu sein. Dieser Zustand tritt bei 60 bis 80 Prozent der Frauen auf und dauert höchstens ein paar Tage an. Nach dieser Zeit haben sich die meisten in ihrer neuen Rolle als Mutter zurechtgefunden und das erwartete Glücksgefühl setzt ein. Bei einigen Frauen hält das Gefühlschaos jedoch an.

Was ist eine Postpartale Depression?

Eine Postpartale Depression, kurz PPD, hat verschiedene Ursachen und Ausprägungen. Im Gegensatz zum Baby-Blues tritt eine PPD nicht unbedingt gleich nach der Geburt auf, sondern kann sich mitunter erst nach Monaten zu einer ernstzunehmenden Depression auswachsen. Nur etwa ein Drittel der betroffenen Mütter holt sich professionelle Hilfe. Ein Grund für das Schweigen können die Schamgefühle sein, die die Frauen empfinden. Sie sehen lauter strahlende Mütter um sich herum, die mit Ihrer neuen Rolle augenscheinlich bestens zurechtkommen und empfinden Schuldgefühle über die eigene scheinbare Unfähigkeit, sich um das eigene Kind zu kümmern oder es zu lieben. Statt sich Hilfe zu suchen, mimen viele Frauen die perfekte engagierte Mutter. Dieses Verhalten wiederum erschwert es dem Umfeld der erkrankten Frau, ihr psychisches Empfinden zu erkennen. Bei einer Postpartalen Depression können folgende Symptome auftreten:

  • Schlaflosigkeit trotz völliger Erschöpfung
  • Appetitlosigkeit oder zwanghafte Fressattacken
  • Anhaltende Traurigkeit
  • Angst- oder Panikattacken
  • Ein Gefühl völliger Einsamkeit
  • Antriebslosigkeit
  • Gar keine oder negative Gefühle gegenüber dem Baby
  • Schuldgefühle
  • Selbstzweifel
  • Überforderung

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Gründe für eine Postpartale Depression

In England setzen Ärzte einen standardisierten Fragebogen zur Früherkennung einer Postpartalen Depression ein, den Edinburgh Postnatal Depression Scale. Bei den Nachsorgeuntersuchungen in Deutschland hingegen fällt das psychische Befinden junger Mütter oft durchs Raster. Dabei wäre eine frühe Erkennung einer Postpartalen Depression wichtig. Eine Frage, die Mütter, Angehörige und Psychologen bewegt, ist: Was sind die Auslöser einer Postpartalen Depression? Bei vielen der betroffenen Frauen liegt der Ursprung der Depression in ihrer Vergangenheit. Das können vorangegangene psychische Erkrankungen sein oder ein ausgeprägter Perfektionismus, der zur Depression führt, wenn nicht alles klappt wie geplant. Auch Probleme aus der eigenen Kindheit können der Auslöser für eine Postpartale Depression sein. All diese oft schlummernden Auslöser können durch eine generelle hormonell bedingte  Anfälligkeit nach einer Geburt an die Oberfläche kommen. Neben der Postpartalen Depression gibt es noch die Steigerung in Form der Postpartalen Psychose. Ein derart schwerer Verlauf der psychischen Erkrankung geht meist mit Paranoia und Halluzinationen einher und muss umgehend stationär behandelt werden. Eine vollständige Heilung einer Postpartalen Psychose ist aber möglich.

Maßnahmen bei einer Postnatalen Depression

Mütter, die bei sich eine solche Depression vermuten, finden Unterstützung und Beratung bei Organisationen wie „Schatten & Licht“, die sich auf peripartale psychische Erkrankungen spezialisiert haben. Aber auch das private Umfeld kann zur Besserung einer Postpartalen Depression beitragen, etwa ein fürsorglicher Partner, der seiner Frau das Baby auch mal abnimmt und für sie da ist, wenn sie ihn braucht. Die konkrete Diagnose kann nur von einem Facharzt gestellt werden. Dieser bespricht mit der Betroffenen auch die möglichen Maßnahmen. Hierunter fallen eine ambulante Psychotherapie und/oder die Einnahme von Antidepressiva. In den meisten Fällen kann trotz der Tabletten weitergestillt werden. Auch mittels alternativer Medizin kann eine Therapie durchgeführt werden. Eine stationäre Betreuung ist in den meisten Fällen nicht notwendig. Allerdings bieten einige psychiatrische Abteilungen in Deutschland Mutter-Kind-Plätze an, wo in Form einer Interaktionstherapie an dem Verhalten einer Mutter gegenüber den Bedürfnissen ihres Kindes gearbeitet wird. Leider gibt es nicht genug solcher Einrichtungen, dabei ist eine gesunde Mutter-Kind-Beziehung gerade auch im ersten Jahr sehr wichtig. In dieser Zeit wird ein Grundstein für das spätere Verhalten des Kindes gelegt, zum Beispiel in der Art, wie das Kind im späteren Leben in der Lage ist, Bindungen einzugehen.

Wie jede andere Form von Depression ist auch die Postpartale Depression eine ernstzunehmende Erkrankung, die einer sofortigen Behandlung bedarf. In schlimmen Fällen ist nicht nur die Mutter betroffen, sondern auch das Baby. Neben frischgebackenen Müttern können ebenso auch Väter an dieser Art Depression erkranken. Auch in diesem Fall sollte professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Je schneller eine Postpartale Depression erkannt und behandelt wird, desto schwächer und kürzer ist ihr Verlauf und das Leben als glückliche Familie kann endlich losgehen.

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