Sanfte Medizin mit Grenzen

Schüßler-Salze für Mama und Kind

Gerade in der Schwangerschaft oder für ihre kleinen Kinder suchen viele Mütter nach einer sanften Heilmethode, an Stelle von oder ergänzend zur Schulmedizin. Schüßler-Salze stellen eine gute Möglichkeit dar, dem Körper bei der Selbstheilung zu helfen, so lange man die Wirkung der Mineralsalze nicht überschätzt.

Autor: Ulrike Hahnlein
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Sanftes Heilen mit Mineralsalzen

Schwangere Medikamente
Foto: © iStockphoto.com/ Thomas_EyeDesign

Schüßler-Salze geben immer wieder Anlass zu kontroversen Diskussionen. Die einen sind überzeugt von der ganzheitlichen Wirkung der kleinen Salztabletten, die anderen belächeln sie als reine Glaubenssache oder tun es als „Geldschnitzerei“ und „Scharlatanerie“ ab. Dennoch schwören viele Anwender auf diese „sanfte Art des Heilens“ und berichten von ihren Erfolgen mit den Mineralsalzen.

Die zwölf Funktionsmittel nach Dr. Schüßler

Entwickelt wurden die „biochemischen Funktionsmittel“ von Dr. Wilhelm Heinrich Schüßler. Seine These: Ist der Mineralstoffhaushalt im Körper gestört, können Krankheiten entstehen. Um die Funktion der Zellen wieder herzustellen und sie zur Aufnahme der benötigten Mineralstoffe anzuregen, müssen die fehlenden Salze in minimaler Dosis eingenommen werden. So kann das Mineralstoffdefizit wieder ausgeglichen und die Beschwerden gelindert werden. Zu diesem Zweck entwickelte er zwölf Mineralsalze, die auf die Zellen wirken und so den Organismus zur Selbstheilung animieren. Diese homöopathisch potenzierten (also stark verdünnten) Funktionsmittel nach Dr. Schüßler sind:

  • Nr. 1 Calcium fluoratum (für Bindegewebe, Gelenke und Haut)
  • Nr. 2 Calcium phosphoricum (für Knochen und Zähne)
  • Nr. 3 Ferrum phosphoricum (für das Immunsystem)
  • Nr. 4 Kalium chloratum (für die Schleimhäute)
  • Nr. 5 Kalium phosphoricum (für Nerven und Psyche)
  • Nr. 6 Kalium sulfuricum (zur Entschlackung)
  • Nr. 7 Magnesium phosphoricum (für Muskeln und Nerven)
  • Nr. 8 Natrium chloratum (für den Flüssigkeitshaushalt)
  • Nr. 9 Natrium phosphoricum (für den Stoffwechsel)
  • Nr. 10 Natrium sulfuricum (für die Ausscheidung und zur inneren Reinigung)
  • Nr. 11 Silicea (für Haare, Haut und Bindegewebe)
  • Nr. 12 Calcium sulfuricum (für die Gelenke)

Im Laufe der Zeit kamen noch 15 Ergänzungssalze hinzu, erhältlich als Tabletten auf Milchzucker-Basis oder als wirkstoffhaltige Salben. Je nach Art der Krankheit und Symptome kann (nach Rücksprache mit dem Arzt) ein einzelnes oder eine Kombination aus mehreren Funktionsmitteln verwendet werden. Welches Salz das jeweils passende ist, kann am besten ein erfahrener Heilpraktiker entscheiden, anhand der Symptome und mit Hilfe der „Antlitzdiagnose“ (Hautbeschaffenheit, Faltenbildung, Hautverfärbungen etc.). Einen Therapeuten, der mit Schüßler-Salzen arbeitet, findet man beispielsweise über den Fachverband Deutscher Heilpraktiker e.V. unter www.heilpraktiker.org.

Die Einnahme ist simpel: die geschmacksneutralen Tabletten lässt man einfach im Mund zergehen, die Mineralstoffe werden über die Mundschleimhaut aufgenommen. Für Babys und Kleinkinder löst man die Tabletten in Wasser auf und gibt sie ins  Fläschchen oder streicht einen „Brei“ aus angelösten, zerdrückten Tabletten auf die Lippen. Stillende Mütter können diesen Tablettenbrei auch auf ihre Brustwarze geben. Die Dosis richtet sich nach dem Alter des Kindes und danach, wie akut die Beschwerden sind. Bei unklaren Symptomen ist eine vorherige Rücksprache mit dem Arzt auf jeden Fall zu empfehlen!

Schüßler-Salze sind in Apotheken frei verkäuflich, wenn sie aber vom Arzt auf einem „grünem Rezept“ verordnet werden, kann man bei manchen Krankenkassen (zum Beispiel der Techniker Krankenkasse) eine Rückerstattung beantragen.

Abgrenzung zur Homöopathie

Mit klassischer Homöopathie haben die Funktionsmittel nach Dr. Schüßler zwar die Herstellung und das Potenzierungsfahren (Verdünnung) gemein, doch das Therapiekonzept beinhaltet einen völlig anderen Ansatz. Statt der körpereigenen Mineralsalze, bedient sich die Homöopathie aus den Ursubstanzen der Natur und wirkt nach dem Prinzip „Ähnliches wird durch Ähnliches geheilt“. Lisa Rauth, Heilpraktikerin mit eigener Naturheilpraxis, arbeitet seit Jahren mit Schüssler Salzen. Sie verdeutlicht, dass der Unterschied zwischen beiden Heilmethoden unter anderem im Grad der Verdünnung liegt: „Auch wenn es die Mineralsalze in Globuli-Form gibt und manche Firmen sogar behaupten solche Globuli wären auch Schüßler-Salze, sind diese Globuli definitiv keine Schüßler-Salze. Wir haben uns die Mühe gemacht einmal auszurechnen, wie viele Globuli man einnehmen müsste, um auf die Anzahl der Moleküle zu kommen, die in einer einzigen Mineralsalztablette enthalten sind: 3.000 Globuli entsprächen einer Tablette. Daran sieht man, dass wir uns hier in anderen Dimensionen bewegen.“

Babys Fieber mit Schüßler-Salzen behandeln

Ist das eigene Kind  erkältet, wägen viele Eltern ab, ob eine Medikamentengabe wirklich nötig ist. Oft suchen sie dann nach sanften Alternativen, um den Heilungsprozess auf natürliche Weise positiv zu beeinflussen. Ist die Einnahme von schulmedizinischen Medikamenten angezeigt, können auch zusätzlich Schüßler-Salze zur Unterstützung gegeben werden (vorher den behandelnden Kinderarzt informieren). Heilpraktikerin Lisa Rauth nennt ein Behandlungsbeispiel: „Unser erstes Akut- und Fiebermittel bis 38,5° C ist die Nr. 3 Ferrum phosphoricum. Es ist zuständig für die Sauerstoffverteilung in allen Geweben und stärkt das Immunsystem. Je nach Alter des Kindes kann alle zehn Minuten eine Tablette gelutscht werden (zwischen zwei und zehn Jahren), bis zu 20 Tabletten Gesamttagesmenge. Kindern über zehn Jahren kann man eventuell auch alle fünf Minuten eine Tablette zum Lutschen geben. Kinder nehmen die Schüßler-Salze erfahrungsgemäß gerne ein.

Man kann aber auch Hals, Brust und Rücken mit der Creme Nr. 3 einreiben. Sollte das  Fieber weiter steigen, so wechseln wir auf die Nr. 5 Kalium phosphoricum, dem Fiebermittel über 38,5 °C. Es gibt Kraft und stärkt den Organismus. Wichtig ist, bei Fieber viel zu trinken, da Komplikationen bei Fieber nur durch Flüssigkeitsmangel entstehen.“ Die erfahrene Heilpraktikerin rät gerade ungeübten Müttern, sich für die Wahl zusätzlicher Mittel mit einem Experten abzusprechen. Denn welche Salze im weiteren Verlauf sinnvoll sind, richtet sich nach den Symptomen sowie Farbe und Beschaffenheit des Husten- oder Schnupfensekrets. Frau Rauth verdeutlicht: „Die Dosierungen sind Circa-Angaben, die ersten Anwendungen sollten am besten mit einem Therapeuten besprochen werden. Grundsätzlich gilt: halb so groß, halb so viel (wie ein Erwachsener). Die Auswahl der Salze ist immer hochindividuell und kann nicht als Patentrezept ausgegeben werden.“

 

Möglichkeiten und Grenzen der Mineralsalze

Viel falsch machen kann man bei der Anwendung der Salze nicht, da sie minimal dosiert und nebenwirkungsfrei sind (nur Vorsicht bei Laktose-Intoleranz). Wie bei jeglichen Therapieverfahren, schulmedizinischer oder naturheilkundlicher Art, kann es jedoch sein, dass die Schüßler-Salze nicht den gewünschten Erfolg erzielen. Laut der Heilpraktikerin Lisa Rauth kann dies verschiedene Ursachen haben: „Es wurden nicht dir richtigen Mineralstoffe gewählt, die Salze wurden falsch oder zu kurz angewendet, oder aber die Ursache der organischen Funktionsstörung liegt auf einer ganz anderen Ebene.“ Sie verdeutlicht, dass man auch die Grenzen dieser Therapieform anerkennen muss: „Mein persönliches Credo: Wir haben eine hervorragende Schulmedizin, die Unglaubliches zu leisten vermag. Wer schon einmal einen schweren Unfall hatte und von Chirurgen wieder `zusammengeflickt´ wurde, weiß sie zu schätzen und sollte sie dankbar annehmen. In akuten und lebensbedrohlichen Situationen stehen uns mit Wirkstoffen wie Cortison oder  Antibiotika hochpotente `Lebensretter´ zur Verfügung, auf die im Ernstfall nicht verzichtet werden darf. Doch sehr häufig können wir bei leichteren oder chronischen Erkrankungen mit Hilfe der Naturheilkunde erstaunliche Erfolge ohne belastende Nebenwirkungen erzielen. Das vornehmliche Einsatzgebiet der Schüßler-Salze liegt jedoch in der Prävention, wo sie besonders für Laien problemlos anzuwenden sind. Ein Schaden entsteht theoretisch nur dann, wenn die Mineralsalze überschätzt werden und notwendige medizinische Hilfe abgelehnt wird.“

Reine Glaubenssache?

Wie auch die klassische Homöopathie sind Schüßler-Salze durch die Schulmedizin nicht anerkannt. Der wohl bekannteste Kritiker dieser Alternativmedizin ist Edzard Ernst, der im Oktober 2010 in seiner Kolumne auf stern.de kein gutes Haar an den Mineralsalzen lässt. Sein Fazit lautet dort: „Manche meinen vielleicht, der Erfolg sei bereits eine Art Nachweis: Wenn es nichts helfen würde, würden es die Leute nicht kaufen. Einer kritischen Analyse hält diese Logik jedoch nicht stand. Selbst wenn sich jemand nach der Einnahme von Schüßler-Salzen subjektiv besser fühlt, mag das an Placebo-Effekten liegen. Und natürlich kann man nie wissen, ob der Krankheitsverlauf ganz ohne Therapie nicht ebenso oder vielleicht sogar besser ausgefallen wäre. Fest steht nur Folgendes: Es gibt bis heute keinen Nachweis, dass Schüßler-Salze wirken. Persönlich würde ich mein Geld für etwas anderes ausgeben, nicht zuletzt, um meine `Nerven´ zu schonen!“

Im März 2008 hat das Verbrauchermagazin „Öko-Test“ die Salztabletten genauer unter die Lupe genommen und kommt zum Ergebnis: „Eine Behandlung mit Schüßler-Salzen schadet nicht, kann aber auch nicht empfohlen werden, da das Risiko besteht, dass durch eine alleinige Behandlung mit Schüßler-Salzen ernsthafte Erkrankungen zu spät diagnostiziert oder sogar notwendige medizinische Behandlungen versäumt werden. Der Placebo-Effekt ist wie bei allen anderen alternativen Therapieverfahren aber ein wirksamer Faktor.“

Lisa Rauth, die seit Jahren als Heilpraktikerin tätig ist und in 14 Jahren weit über 300 Vorträge zum Thema Schüßler-Salze gehalten hat, setzt dem entgegen: „Wenn es nur reine Glaubenssache wäre und sich trotzdem damit Heilerfolge erzielen lassen, wäre es auch gut. Dann würde einfach der Satz gelten: Wer heilt, hat recht. Doch nachdem sich die Anwendung bei Kindern und Tieren ebenso bewährt hat, dürften wir davon ausgehen, dass hier deutlich mehr Heilwirkung zu erzielen ist, als nur über den Glauben, der ja zumindest das Wissen um die Verabreichung voraussetzt. Ich habe unzählige Rückmeldungen über die positive Wirkung der Salze bekommen. Wer sie nicht anwendet, hat keine Erfahrung und kann deshalb nicht mitreden. Auch die kategorische Ablehnung der Homöopathie, der Schüßler-Salze oder ähnlicher Verfahren ist am Ende reine Glaubenssache. Jeder darf glauben oder ablehnen, was er will.“

Tatsächlich konnte die Wirksamkeit der zwölf Funktionsmittel bisher in keiner klinischen Studie belegt werden. Lisa Rauth begründet dies so: „Bei den naturheilkundlichen pharmazeutischen Firmen handelt es sich in der Regel um kleine mittelständische, oft familiengeführte Unternehmen mit langer Tradition. Studien von solchen Ausmaßen (doppelblind, multizentrisch, randomisiert etc.), die den gültigen Rechtsstandards der klinischen Forschung entsprechen, kosten viele Millionen, die solch kleinen Firmen nicht zur Verfügung stehen. Doch die unzähligen positiven Rückmeldungen von Anwendern wollen ernstgenommen sein und sind nicht einfach wegzudiskutieren. Sie alle der Unmündigkeit und Einbildung zu bezichtigen, wäre schlicht Ignoranz und Arroganz.“

Zum Weiterlesen: 

  • Günter H. Heepen "Schüßler-Salze für Kinder“ 
    (96 Seiten, Gräfe und Unzer Verlag, 6,99 Euro)
  • Vistara H. Haiduk "Schüßler-Salze in der Schwangerschaft“ 
    (240 Seiten, Knaur MensSana, 8,95 Euro)
  • Günter H. Heepen "Schüßler-Salben" 
    (96 Seiten, Gräfe und Unzer Verlag, 6,99 Euro)


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