Wahrnehmung fördern
Kinder lernen mit allen Sinnen
Kinder, deren Wahrnehmung gestört ist, fallen auf: Sie zappeln, stolpern, sind reizbar und hören nicht richtig zu. In diesem Artikel geht es darum, Wahrnehmungsstörungen zu erkennen und betroffene Kinder im Alltag richtig zu fördern.
15 Prozent der Kinder haben Wahrnehmungsstörungen
"Pssst, Kinder, seid bitte leise, sonst kann ich nicht weiterlesen!" Die Erzieherin in der Kindergartengruppe wirft einen strengen Blick in die Runde und es wird ruhig im Zimmer. Weiter geht es mit dem Märchen vom Froschkönig. Doch schon nach einer Minute setzt das Gemurmel im Stuhlkreis wieder ein: Etliche Kinder kichern, tuscheln und schwätzen miteinander. Mitten in der Geschichte fragt der fünfjährige Manuel plötzlich: "Wieso ist der Frosch auf den Fisch gehüpft?" – "Auf den Tisch, Manuel, nicht auf den Fisch!" Die anderen Kinder lachen lauthals los und Manuel fängt an, verlegen herumzukaspern. Niemand achtet mehr auf die Geschichte. Die Erzieherin seufzt und klappt das Märchenbuch zu.
Wieder einmal kommt die Erzieherin ins Grübeln, denn es ist nicht das erste Mal, dass ihr bei Manuel ungewöhnliche Verhaltensweisen auffallen: Was man ihm sagt, scheint er meistens falsch oder gar nicht zu verstehen. Häufig reagiert er nicht, wenn man ihn anspricht – nicht einmal, wenn man ihn lobt. Was mag nur dahinter stecken?
Um die Frage vorweg zu beantworten: Es ist eine Wahrnehmungsstörung – genauer gesagt, eine Störung der Hörwahrnehmung –, die Manuel zu schaffen macht. Allgemein treten Wahrnehmungsstörungen bei etwa 15 Prozent aller Kinder auf, Jungen sind häufiger betroffen als Mädchen. Doch es kann schwierig sein, solche Störungen zu erkennen, da Kinder gewöhnlich sehr bestrebt sind, von ihren Defiziten abzulenken – zum Beispiel, wie Manuel, durch Herumkaspern.
Eltern und Erzieher sollten daher sehr aufmerksam sein und die Entwicklung jedes Kindes genau beobachten. Dazu ist wichtig zu wissen: Was ist Wahrnehmung überhaupt und woran erkennt man Wahrnehmungsstörungen? Und vor allem: Was kann man tun, um einem betroffenen Kind rechtzeitig zu helfen?







