Auch im Schulalter noch häufig

Wenn Kinder nachts ins Bett machen

Kinder, die im Einschulungsalter noch immer nachts ins Bett machen, sind keine Ausnahme. Dahinter steckt meist weder falsche Erziehung noch eine Krankheit. Das Einnässen kann aber zur Belastung werden. Hier gibt es Tipps zum Trockenwerden.

Autor: Petra Fleckenstein
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Einnässen nachts: Eine Frage des Alters

Meadchen Bett Teddybaer
Foto: © Panthermedia, Ingrid Balabanova

Die meisten Eltern erwarten, dass ihr Kind spätestens mit Beginn der Kindergartenzeit keine Windel mehr braucht. Häufig stimmt es auch, dass Kinder um das dritte oder vierte Lebensjahr herum lernen, ihre Blasen und Darmfunktionen zu regulieren. In vielen Fällen klappt dies jedoch nur tagsüber, während nachts nach wie vor die Windel benötigt wird. Das ist völlig normal und Kinderärzte raten Eltern immer wieder zu Geduld.

Noch sorgenvoller werden Eltern, wenn ihr Kind schon das Grundschulalter erreicht hat, aber nachts noch immer nicht trocken ist. In diesem Alter nachts noch ins Bett zu machen gilt als annormal und ist Eltern und Kindern peinlich. Tatsächlich jedoch kommt dies viel häufiger vor als die meisten denken. Heute weiß man, dass im Alter von fünf Jahren noch 15 Prozent der Kinder nachts einnässen. Und dies trifft noch auf zehn Prozent der Siebenjährigen und sogar noch auf ein bis zwei Prozent der Jugendlichen zu.

Da sich die Fähigkeit, Blase und Darm zu regulieren, bei Kindern zu ganz unterschiedlichen Zeiten entwickelt, ist es grundsätzlich wichtig, keine Vergleiche mit anderen Kindern anzustellen und das Thema Trocken-Werden mit viel Geduld anzugehen. Was garantiert nicht hilft, sind Ermahnungen, Strafen, Schimpfen oder wenig zu trinken. Denn kein Kind nässt gern, freiwillig oder gar absichtlich ein. Medizinisch gesehen spricht man erst bei regelmäßigem Einnässen ab dem sechsten Lebensjahr von einer Störung.

Was tun: Sechs Jahre alt und nachts noch nie trocken?

Wenn ein Kind also im sechsten Lebensjahr oder später noch regelmäßig nachts einnässt, kann es ratsam sein, es beim Trocken-Werden durch weitere Maßnahmen zu unterstützen. Zunächst einmal ist dafür eine Abklärung nötig, um welche Form des Einnässens (medizinischer Fachbegriff: Enuresis) es sich handelt.

In der Medizin wird die primäre und die sekundäre Enuresis unterschieden. War das Kind seit der Geburt noch nie über einen längeren Zeitraum nachts trocken, so spricht man von der primären Enuresis. Hatte es aber bereits eine längere trockene Phase, die mindestens sechs Monate dauerte und macht dann wieder ins Bett, so spricht man von einer sekundären Enuresis.

Die Ursachen der sekundären Enuresis liegen meist im psychischen Bereich. Die Geburt eines jüngeren Geschwisters, Schulprobleme, Streit oder eine Trennung der Eltern - all dies kann dazu führen, dass ein Kind nach längeren trockenen Phasen wieder beginnt einzunässen. In diesem Fall kann also die einfühlsame Unterstützung des Kindes bei Tag dazu führen, dass das nächtliche Einnässen wieder aufhört. Weitaus am häufigsten handelt es sich jedoch um die primäre Enuresis, und die hat mit psychischen Ursachen nichts zu tun. Heute vermutet man als Hintergrund eher eine Reifungsverzögerung im Gehirn. Das heißt, zum Beispiel der Mechanismus im Gehirn, der den Aufwachreflex steuert, wenn man Blasendruck hat, ist noch nicht ausgebildet. Oder das Hormon, das die Urinproduktion in der Nacht drosselt, ist noch nicht ausreichend vorhanden.

Tipps vom Kinderarzt: Hilfe beim Trocken werden

Hilfsmittel: Klingelhose, Piesel-Piepser und Co

Bei Kindern, die noch nie über einen längeren Zeitraum nachts trocken waren, gibt es einige Möglichkeiten, der Gehirnreife ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Natürlich sollte es selbstverständlich sein, dass das Kind stets vor dem Schlafengehen auf die Toilette geht. Das Trinken einzuschränken ist hingegen nicht nötig.

Die einfachste Maßnahme: Einen Sonne-Wolken-Kalender einführen. Darin darf das Kind nach einer trockenen Nacht eine Sonne und nach einer nassen Nacht eine Wolke malen. In manchen Fällen reicht bereits diese bewusste Beschäftigung mit dem Thema und der Wunsch, Sonnen zu malen, um nachts trocken zu werden.

Sehr viel Entspannung kann es auch bewirken, zwar die Windel nachts wegzulassen, aber dem Kind dennoch eine der inzwischen auf dem Markt zu findenden Windelhosen für größere Kinder anzuziehen. Das gibt dem Kind das ermutigende Gefühl, dass es, trotz seines Problems, keine Windel mehr tragen muss. Und dennoch sind keine umständlichen und oft beschämenden nächtlichen Prozeduren nötig, wie Schlafanzug wechseln oder das Bett neu beziehen.

Die nächste Möglichkeit ist ein Verhaltenstraining mit einem Weckapparat. Dafür gibt es inzwischen verschiedene technische Lösungen, zum Beispiel die Klingelmatte, die Klingelhose oder der besonders kindlich ansprechend gestaltete "Piesel-Piepser". Das Prinzip bei all diesen Geräten: Ein empfindlicher Feuchtigkeitsfühler gibt sofort Alarm, sobald die ersten Tropfen ins Bett oder in die Unterhose gehen. Das Kind wird geweckt, steht auf und geht auf die Toilette. Auf diese Weise wird der Reflex antrainiert, bei voller Blase aufzuwachen oder eben (weil man ja nicht gerne geweckt werden mag) den Urin nachts einzuhalten und erst morgens nach dem Aufwachen auf Toilette zu gehen.

Die Behandlung mit dem Aufwachgerät dauert zwischen sechs und zwölf Wochen und hat eine dauerhafte Erfolgsquote von 70 Prozent. Sie ist frei von Nebenwirkungen und mit etwas Geduld und Ausdauer recht gut durchzuführen. Denn bei liebevoller Anleitung schafft es das Kind nach wenigen Nächten selbst, den Klingelapparat auszustellen und auf die Toilette zu gehen. Anschließend muss eine frische Unterhose angezogen und der Fühler wieder angebracht werden. Aber auch dies können die Kinder nach kurzer Zeit selbst bewältigen.

Vor dieser Behandlung sollte allerdings der Kinderarzt aufgesucht werden, um mögliche organische Ursachen des Bettnässens auszuschließen. Der Kinderarzt kann daraufhin das Weckgerät verschreiben, die Krankenkasse übernimmt die Kosten.

Auch eine Hormonbehandlung ist möglich

Neben dem Training mit einem Klingelapparat gibt es auch die Möglichkeit einer medikamentösen Behandlung. Per Nasenspray oder Tablette erhält das Kind am Abend einen Wirkstoff (Desmopressin), der dem körpereigenen Hormon Vasopressin ähnelt und die Harnbildung in der Nacht verringert. Die Behandlung, die mehrere Wochen bis Monate dauert, sollte immer wieder einmal unterbrochen werden, um zu testen, ob das Kind nun auch ohne Medizin trocken ist.

Der Erfolg dieser Methode tritt sehr schnell ein, sie kann also auch gut beispielsweise vor Klassenfahrten angewandt werden. Allerdings darf das Medikament nicht zu früh abgesetzt werden, die Behandlung dauert im Durchschnitt sechs Monate. Nachteil: Es kommt nach Absetzen des Medikaments häufiger zu Rückfällen und wie bei allen Medikamenten sind auch hier Nebenwirkungen möglich.

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