Umwelterziehung
Einfach spannend – der Wald nebenan
Nicht großartige Projekte, sondern Vorbildfunktion der Eltern und der natürliche Forscherdrang der Kinder sind für die Umwelterziehung entscheidend.
Umwelterziehung beginnt im Kindergarten
Der Nieselregen macht den Mädchen und Jungens gar nichts aus. Heute dürfen sie etwas tun, was ihnen sonst die Erzieherinnen verbieten: In ihrer wetterfesten Kleidung und den Gummistiefeln trampeln sie unablässig auf einem Stück der regennassen Rasenfläche, stapfen dort in die Wasserpfützen und genießen es, wenn dabei die Matsche durch die Luft fliegt. Nicht mutwillige Zerstörung, sondern Umwelterziehung steckt hinter dieser Aktion auf dem Außengelände der evangelischen Kindertagesstätte in Solingen. Ute Schermuly, Leiterin der Einrichtung, erklärt: "Normalerweise müssen die Kinder auf den Gehplatten laufen, wenn der Rasen nass ist. Wir haben heute bewusst ein kleines Stück abgetrennt, auf dem die Kinder rumlaufen sollen. Der Rasen ist jetzt in diesem Bereich zerstört. Darüber sind die Kinder traurig, gleichzeitig wird ihnen aber auch deutlich, dass sie selbst diesen Zustand verursacht haben." Beim nächsten Regen werden die Mädchen und Jungen vermutlich eher den Steinweg als den Gang übers Gras wählen.
Natürlicher Forscherdrang
"Den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur sollen die Kinder im wörtlichen Sinn be-greifen lernen", betont die Kindergartenleiterin. Dabei setzt die Erzieherin weniger auf "großartig vorbereitete Dinge" als vielmehr auf den natürlichen Forscherdrang der Kleinen: "Kinder wollen alles machen, alles miterleben und selbst entdecken. Diesen Freiraum muss man ihnen geben." In der Solinger Kindertagesstätte ist das kein Problem – die Kinder dürfen auf dem naturnah gestalteten Außengelände spielen wann sie wollen. Im Sommer suchen sie im üppig angewachsenem Weidenzelt Schatten, pflücken die selbst angepflanzten Erdbeeren, gucken nach den Kartoffeln oder zupfen Unkraut - aber nur, wenn sie Lust dazu haben. An bestimmte Regeln müssen sie sich allerdings halten. "Sie dürfen sich hinter dem Gebüsch verstecken oder auf Bäume klettern, aber nur, wenn sie dabei keine Äste abbrechen", so die Erzieherin.
Kinder übernehmen "Baumpatenschaft"
Über das hautnahe Erleben der Umwelt sowie das intensive Wahrnehmen und Beobachten natürlicher Vorgänge, lernten die Kinder diese zu schätzen. "Was ich schätzen und lieben gelernt habe, das schütze ich auch", ist die Kindergartenleiterin überzeugt und gibt dafür ein Beispiel: Eine ihrer Mitarbeiterinnen ging mit einer Gruppe in den nahe gelegenen Wald. Dort spielten die Mädchen und Jungen verstecken. Jedes Kind suchte sich einen bestimmten Baum aus, zu dem es immer wieder lief. "Das ist mein Baum", rief irgendwann ein Kind. "Und das ist mein Baum", entgegnete ein anderes. Plötzlich hatte jedes Kind einen "eigenen" Baum. Mindestens einmal in der Woche gehen die Kids seitdem mit ihren Erzieherinnen in den Wald, um dort nach ihren "Patenkindern" zu schauen. "Wenn da Müll rumliegt, sind die Kinder ganz erbost, und sammeln ihn auf. Sie fühlen sich für ´ihren´ Baum verantwortlich", erzählt Ute Schermuly.







