Ein Interview

Können Steine glücklich sein?

Was bringen Philospohie-Kurse im Kindergarten- oder Grundschulalter? Warum macht es überhaupt Sinn, gemeinsam zu philosophieren? Ein urbia-Interview mit Christina Calvert vom Hamburger Verein "Philosophieren mit Kindern".

von Antje Szillat
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Mutter zwei Kinder vertieft Pitopia
Foto: © Pitopia / Grischa Georgiew, 2006

Philosophiekurse: 'Kant für Kleine'?

Dr. Kristina Calvert ist Gründungsmitglied des Vereins „Philosophieren mit Kindern" in Hamburg, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, "den Respekt vor den Gedanken der Kinder zu fördern" und Kinder mit dem philosophischen Denken - verstanden als selber denken, vom anderen her denken, weiter denken - vertraut zu machen". Sie ist außerdem Autorin zahlreicher Bücher, zum Beispiel „Können Steine glücklich sein?“, „Philosophieren mit Fabeln“ und „Kinder philosophieren mit Frosch und Kröte“. Mit ihr sprach urbia-Autorin Antje Szillat.

urbia: Sich mit Kindern über den „Sinn des Lebens“ auszutauschen erfreut sich zunehmender Aufmerksamkeit. Selbst für Kindergarten- und Vorschulkinder werden schon sogenannte „Philosophieren mit Kindern-Kurse“ angeboten. An vielen Grundschulen findet man „Philosophieren“ als festes AG-Angebot auf dem Stundenplan. Was halten Sie von diesem Trend und wo kommt er Ihrer Meinung nach her?

Dr. Kristina Calvert: Natürlich halte ich ganz viel von diesem Trend. Wobei man natürlich klar unterscheiden sollte, dass es hierbei nicht um Philosophie für Kindern, also „Kant für Kleine“ oder Ähnliches handelt, sondern vermehrt um das Philosophieren mit Kindern. Es geht dabei um die Tätigkeit, dass man sich auf einer respektvollen Ebene mit den Kindern in einen Austausch begibt. Das heißt, dass ich versuche, erst einmal zu verstehen, was das Kind mit einer „Warum-Frage“ überhaupt in Erfahrung bringen möchte und nicht als Erwachsener gleich losgehe und sage: Du hast mich etwas über die Zeit gefragt oder warum das Weltall unendlich ist, dann erzähle ich dir mal was zur Uhr. Dass Kinder Fragen nach dem Sinn stellen, das ist natürlich schon immer so. Dass wir heute stärker darauf eingehen, hat damit zu tun, dass wir durch Pisa natürlich alle etwas angepickt waren und uns vermehrt darüber Gedanken machen, wie wir unsere Kinder besser in ihren Kompetenzen ausbilden können.

Neulich hörte ich von der Mutter eines siebenjährigen Jungen folgenden Satz: „Ich möchte meinem Sohn etwas über 'die alten Werte' vermitteln und das funktioniert sehr gut, wenn ich mit ihm philosophiere.“ Was haben „alte Werte“ mit Philosophie zu tun? Und kann dieser Ansatz wirklich funktionieren?

Calvert: Ja und nein. Natürlich haben alte Werte etwas mit dem Philosophieren zu tun, weil alte Werte zu der Frage „Was soll ich tun?“ gehören – also zu den Ethik-Fragen. Doch Philosophieren ist keine andere Art der Ethikunterweisung, sondern soll Kinder dazu anregen „selber zu denken“, miteinander zu denken und weiterzudenken. Und das natürlich auch über solche Fragen wie: Was ist richtig?, Was ist recht? oder Welche Regeln sollte man befolgen?. Aber diese Regeln werden nicht vorgegeben und auch nicht irgendwo versteckt eingebaut, wie es beispielsweise in der sogenannten „Ostereier Pädagogik“ üblich ist. Ganz nach dem Motto: Ich verstecke die Regel in meiner Geschichte und am Ende kommen die Kinder darauf. Darum geht es wirklich nicht beim Philosophieren, sondern vielmehr darum, die Logik-Kompetenz und die kreative Kompetenz der Kinder durch philosophisch relevante Fragen anzuregen und nicht, sie zu unterweisen.

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