Wie viel Zeit unsere Kinder brauchen

Mama, spielst Du mit mir?

Die Wünsche der Kinder mit den eigenen Bedürfnissen oder auch einfach den anstehenden Notwendigkeiten zu vereinbaren, ist eine tägliche Herausforderung für Eltern. Hier gibt es einige Tipps, damit keiner zu kurz kommt.

Autor: Dr. Andrea Schmelz
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'Ich hab jetzt keine Zeit'

Maedchen mit Ball

Haben Sie Ihr Kind heute schon ein- oder gar mehrmals auf später vertrösten müssen, als es mit Ihnen spielen wollte? Plagt Sie dann das schlechte Gewissen?

Viele Eltern hätten gerne mehr Zeit für ihre Kinder, doch leider lässt sich nicht alles immer wie gewünscht umsetzen. Dabei schadet es Kindern keineswegs, wenn sie lernen, dass Mama oder Papa nicht ständig als "Unterhalter" zur Verfügung stehen.

Auch Eltern brauchen mal eine Pause

Behalten Sie im Hinterkopf, dass es bei der Zeit, die Sie mit Ihrem Kind verbringen, mehr auf die Qualität (also die Art und Weise) als auf die Quantität (die Menge) ankommt. Eine halbe Stunde intensives Spiel ist wertvoller für Ihr Kind als mehrer Stunden, die es quasi „nebenbei“ bei der Hausarbeit mitläuft, ohne dass Sie wirklich richtig Zeit haben. Das hilft Ihnen, nicht so schnell in die „Schuldfalle“ zu tappen, wenn es sich alleine beschäftigen muss.

Haben Sie einmal überhaupt keine Zeit, wenn Ihr Kind mit Ihnen spielen will, sollten Sie das auch ehrlich sagen. Geben Sie nämlich widerwillig nach, wird es Ihrem Kind nicht verborgen bleiben, dass Sie mit den Gedanken woanders sind oder innerlich auf dem Sprung sind. Das ist weder für Sie noch für Ihr Kind ein angenehmer Zustand.

Auch Eltern brauchen manchmal dringend eine Pause, etwa, wenn sie geschafft von der Arbeit kommen. Ein drei- bis sechsjähriges Kind kann schon verstehen, dass Sie sich erst einmal ausruhen und nicht sofort mit ihm spielen wollen. Sie sollten es aber zumindest herzlich begrüßen, damit es sich nicht abgeschoben vorkommt. Erklären Sie ihm geduldig, dass Sie sich erst einmal hinsetzen und vielleicht eine Tasse Tee trinken wollen, dafür dann aber umso lieber mit ihm spielen werden.

Manchmal ungeteilte Aufmerksamkeit

Auch wenn Ihre Zeit knapp bemessen sein sollte, weil Sie berufstätig sind, gibt es einige Regeln, die Sie möglichst einhalten sollten:

  • Halten Sie Ihre Versprechen! Haben Sie Ihrem Kind versprochen, dass Sie zu einer bestimmten Zeit mit ihm spielen oder am Wochenende gemeinsam etwas unternehmen, muss es sich darauf auch verlassen können.
  • Reservieren Sie jeden Tag eine bestimmte Zeit nur für Ihr Kind. Haben Sie mehrere Kinder, sollte es zumindest ein bis zwei Tage in der Woche geben, an denen jedes Kind Sie in dieser Zeit ganz für sich alleine hat. Idealerweise findet dies immer um dieselbe Uhrzeit statt, sodass sich Ihr Kind schon auf diesen festen Zeitpunkt im Tagesablauf freuen kann. Kann es sich fest auf die gemeinsame Zeit verlassen, quengelt es oft die übrige Zeit des Tages entsprechend weniger.
  • Führen Sie einen „Kindertag“ pro Woche ein. An diesem Tag darf sich Ihr Kind wünschen, was es mit Ihnen unternehmen möchte. Jedes Spiel wird so lange gespielt bis es auch tatsächlich zu Ende ist. Durch diese ungeteilte Aufmerksamkeit zeigen Sie Ihrem Kind Ihre Liebe und so kann es Phasen, in denen Sie mal weniger Zeit haben, leichter wegstecken.
  • Wenn Sie Ihr Kind auf später vertrösten müssen, können Sie ihm z. B. vorschlagen, schon einmal im Kinderzimmer etwas vorzubereiten, was es in einer viertel oder halben Stunde mit Ihnen machen möchte. Vielleicht will es schon einmal die Legosteine herausholen, Bilderbücher aussuchen oder unter dem Tisch eine Höhle bauen? So steigt die Vorfreude, und weil Ihr Kind beschäftigt ist, fällt ihm auch das Warten nicht so schwer. Wichtig ist, dass Sie Ihrem Kind freie Wahl lassen, was es machen möchte und es nicht mit einer bestimmten „Spielaufgabe“ wegschicken.
  • Laden Sie Ihr Kind ein mitzuhelfen. Wenn Sie Hausarbeit machen müssen, können Sie Ihr Kind spielerisch einbinden. Sagen Sie statt „Ich muss jetzt die Betten machen.“ doch lieber „Möchtest du mir helfen, die Kissen aufzuschütteln?“ Das ist eine schöne Einladung zu gemeinsamem Tun. Wenn Sie Wäsche aufhängen, kann Ihr Kind Ihnen die Klammern anreichen und dabei nach Farben sortieren oder aber immer eine bestimmte Anzahl abzählen. So können Sie es ohne Aufwand nebenbei fördern.

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