PAFF, BUMM, PäNG!
Wenn Kinder Spielzeugwaffen lieben
Viele Kinder spielen begeistert mit Schwertern und Gewehren. Dies kann verschiedene Ursachen haben. Bis wohin bleibt es harmlos und wie sollten Eltern gegebenenfalls eingreifen?
Mit Lust und Freude totschießen spielen
Paff, bumm, päng! Nicht nur an Karneval sind sie überall zu sehen: Kinder mit Pistolen, Schwertern, Säbeln und Gewehren. Verkleidet als Cowboy, Indianer, Pirat oder irgendein Weltraumheld spielen sie voller Lust und Freude totschießen. Manchen Erwachsenen – die schrecklichen Auswirkungen von Gewalt und Krieg vor Augen – beschleicht angesichts dieser Szenarien ein mulmiges Gefühl. Ist es angemessen, diese so aggressiv wirkenden Spiele zu dulden? Und warum eigentlich üben Waffen auf viele Kinder, nicht nur zu Karneval, eine so große Anziehungskraft aus?
Vielerlei Erklärungen
Wenn Kinder gern und oft mit Waffen spielen, fühlen manche Eltern sich schuldig. Ist in ihrer Erziehung etwas schief gelaufen, ihr Kind gar auf dem Weg, ein Rambo zu werden? Experten haben zahlreiche Erklärungen für die kindliche Waffenliebe gefunden. Vom natürlichen und gesunden Aggressionstrieb ist da die Rede oder auf der anderen Seite von einer Reaktion auf eigene Gewalterfahrungen in der Familie oder auf Gewaltdarstellungen in den Medien. Und wie so oft im Leben gilt auch hier: Die eine eindeutige Antwort, die auf alle Kinder passt, gibt es nicht. Die Lust auf Spielzeugwaffen kann bei jedem Kind andere Ursachen haben und oft liegt die Wahrheit in einer Mischung aus allem.
Aggressionen werden nicht allein durch Waffen ausgedrückt
Kindliche Aggressionen - egal ob natürlich oder kulturell bedingt – schaffen sich nicht nur durch Spiele mit Spielzeug-Pistolen ein Ventil. Auch beim Mensch-ärgere-dich-nicht kann es enorm aggressiv zugehen, ebenso beim Fußballspiel oder der zunächst scheinbar harmlosen Kissenschlacht. Umgekehrt kann das Spiel mit Schwertern und Pistolen ganz gesittet ablaufen und die Kinder dabei sorgfältig vermeiden, sich gegenseitig wehzutun. Denn mit der grausamen Dimension von Waffen in unserer Erwachsenenwelt haben die Kinderwaffen in den allermeisten Fällen nichts zu tun. In den kindlichen Waffenspielen geht es nicht ums Wehtun, Verletzen oder Töten des Spielgefährten, sondern um das Erlebnis von Macht und Wirksamkeit.
Nebenbei bemerkt werden aggressive Gefühle heute wieder freundlicher gesehen als zu Zeiten der strikt am Ideal des Pazifismus ausgerichteten Erziehungspraxis. Aggressive Impulse nicht mehr fühlen zu dürfen, schadet der psychischen Gesundheit und wirkt in vielerlei Beziehung lähmend. Seinen eigenen Standpunkt engagiert zu vertreten, Lust und Neugier auf neue Entdeckungen zu empfinden und vorwärts zu streben hat einfach auch ein wenig mit Aggressivität zu tun.







