"Man wird von Innen nach Aussen gewendet"
Adoption kein Zuckerschlecken
Claudia und Uwe Becker möchten ein Kind adoptieren. urbia sprach mit ihnen über das harte Bewerbungsverfahren, das beide auf Herz und Nieren überprüfen soll.
Ein Paar über ihr Adoptionsbewerbungsverfahren
"Schon als wir zusammen kamen, habe ich Uwe gesagt, dass ich auf jeden Fall ein Kind haben möchte", berichtet Claudia Becker*. Kurz nach ihrer Hochzeit setzte sie die Pille ab, in der Hoffnung möglichst schnell schwanger zu werden. Doch auch nach vier Jahren blieb der Kinderwunsch trotz dreimaliger Insemination unerfüllt.
Weitere medizinische Eingriffe und hormonelle Behandlungen kamen für die Rheinländerin nicht in Frage und so reifte bei dem Paar der Gedanke, ein Kind zu adoptieren. Claudia Becker nahm erstmals Kontakt mit dem zuständigen Jugendamt auf, um sich über die Vorgehensweise einer Adoption aufklären zu lassen.
Die Chance auf einen Säugling so wahrscheinlich wie eine Sternschnuppe
Knapp ein halbes Jahr später wurden Claudia Becker und ihr sieben Monate älterer Mann zu einem Informationsabend eingeladen. Dort trafen sie auf weitere fünf Paare, die ebenfalls ein Kind adoptieren wollten. "Es beruhigte, zu wissen, dass viele in der selben Situation wie wir sind", erinnert sich Claudia Becker.
Doch bereits an diesem ersten Abend ist dem Paar die "Blauäugigkeit", mit der es an die Adoption herangegangen ist, genommen worden. "Man hat uns gesagt, dass die Chance, einen Säugling zu bekommen, vergleichbar mit einer Sternschnuppe ist. Maximal bis 40 Jahre kann man noch ein Kleinkind bekommen. Uns rennt die Zeit weg", hieß es. Zudem hätten die Mitarbeiter der Adoptionsvermittlungsstelle nichts beschönigt. Im Gegenteil: "Sie haben eher ein Horrorszenario gezeichnet und uns damit konfrontiert, ob wir uns auch vorstellen könnten, ein suchtkrankes oder behindertes Kind anzunehmen. Es könnte auch passieren, dass das Kind HIV-infiziert ist und wir als Adoptiveltern dann Sterbebegleitung leisten müssten."
Zweifel, ob man der Situation gewachsen ist
Für einige Paare sei nach diesen drastischen Schilderungen eine Adoption nicht mehr in Frage gekommen. "Natürlich kommt man ins Grübeln, ob man einer solchen Situation gewachsen ist. Aber man kann ja auch bei einem leiblichen Kind nicht ausschließen, dass es behindert oder schwierig sein wird. Wir glauben aber, dass wir das Potenzial hätten, auch mit solchen Problemen fertig zu werden", schildern die beiden, die sich von ihrem Adoptionswillen nicht haben abbringen lassen.
Gleichwohl geben sie aber auch die Hoffnung auf ein leibliches Kind nicht auf. Das allerdings sollte man, so Claudia Becker, der Adoptionsvermittlungsstelle nicht auf die Nase binden, denn die setzt voraus, dass die eigene Kinderlosigkeit vollkommen verarbeitet ist und die Adoption nicht die zweitbeste Lösung sein darf.
(*alle Namen sind von der Redaktion geändert)







