Planung oder Zufall

Richtiger Zeitpunkt für ein Kind?

Erst muss die Ausbildung beendet werden, dann stört noch einiges am Partner. Aber wann ist die Zeit reif zur Familiengründung? Wacht man eines Morgens tatsächlich auf und weiß "Aha, ab heute sind die Umstände für ein Kind perfekt!"?

Autor: Carina Tillmann
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Der richtige Zeitpunkt: Gibt es den überhaupt?

Richtiger Zeitpunkt Baby
Foto: © iStockphoto.com/ Yuri_Arcurs

"Ob ich Kinder will? Natürlich! Aber jetzt noch nicht!". Tja, und wann dann? Gibt es ihn überhaupt, den richtigen Zeitpunkt für ein Kind? Wacht man tatsächlich eines Morgens auf und weiß "Aha, ab heute sind die Umstände perfekt!?" Glaubt man der Statistik, so kommt jedes zweite Kind ungeplant oder ungewollt zur Welt. Überlässt man es also nicht vielleicht sogar doch eher unbewusst dem Zufall, wann es so weit ist? Aber warum tut sich die junge Frauengeneration so schwer damit, sich für einen Zeitpunkt festzulegen, der näher liegt als "Irgendwann einmal!"?

Tausche Kind gegen Karriere

Gerade junge Akademikerinnen entscheiden sich immer später für ein Kind. Warum auch die gewonnene Unabhängigkeit und die Aussicht auf berufliche Selbstverwirklichung über den Haufen werfen? Und in Anbetracht der gestiegenen Unsicherheit der Arbeitsplätze das Risiko eingehen, die endlich erreichte Position vorschnell einer anderen zu übergeben? Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gleicht in Deutschland, vielleicht mehr noch als in anderen europäischen Ländern, schließlich immer noch einer Katastrophe. Und auch die einmal gewonnenen sozialen Kontakte, die Kollegialität, Anerkennung und vielleicht sogar Bewunderung wollen zunächst einmal eingetauscht werden gegen häusliches Familienglück. Selbst in einer vorher gleichberechtigten Partnerschaft kann es passieren, dass frau gerade am Anfang zunächst einmal in die traditionelle Rolle zurückfällt. Aber vielleicht hat sie ja auch gerade das gewollt. Denn auch der Umkehrschluss liegt nahe: "Wenn der Job keinen Spaß mehr macht, werde ich eben schwanger!".

Passt der 'Deckel' wirklich?

Ist der richtige Partner vorhanden?

Vorausgesetzt natürlich, es existiert überhaupt schon jemand, mit dem sich das Familienglück teilen lässt. Aufgrund der gewonnenen Autonomie lässt frau sich mittlerweile immer weniger darauf ein, von ihren Ansprüchen abzusehen und Kompromisse einzugehen. Erfolgreich soll er sein und gleichzeitig im Haushalt gleichberechtigt, solide und verlässlich und dabei nach wie vor das berühmte Kribbeln in ihr auslösen, bloß keinen Alltag aufkommen lassen! Oder zumindest den Anschein erwecken, als tauche man nicht schon vor der Entbindung in der Statistik der Alleinerziehenden auf. Wenn sich all dies nicht auf einem Maximum der Ansprüche vereinbaren lässt, sieht man sich eben noch einmal neu um. "Bis ich 30 bin, wird der Richtige schon vorbeigekommen sein!... Hoffe ich". Ja, und was, wenn es dann vielleicht ausgerechnet dieser ist, der von Familienplanung noch nichts hören will? Oder er vielleicht wirklich der Traummann schlechthin ist und man diese perfekte Konstellation erstmal nicht durch den Alltag, den ein Kind mit sich bringen würde, belasten möchte? Dann wird die Planung eben so weit nach hinten verschoben, bis es letztendlich tatsächlich zu spät ist und der optimale Zeitpunkt Schwangerschaft vorbei ist.

Super Mami ohne Super-Nanny?

Abgesehen davon wird uns doch zurzeit sowieso mehr als je zuvor eingetrichtert, welch hohe Anforderungen die Kindererziehung an uns stellt. Wer kann denn ruhigen Gewissens sagen, dass er auf dem aktuellsten Stand der pädagogischen Erkenntnisse ist? Muss ich das denn überhaupt alles wissen? Wie viel darf ich nicht wissen, ohne Gefahr zu laufen, früher oder später in einer TV-Show zu landen und das Ausmaß meiner Leichtsinnigkeit in Sachen Erziehung einem entsetzten Millionen-Publikum vorzuführen? Von allen Seiten werden wir mittlerweile in den Medien verunsichert, "gecheckt", vorgeführt. Ob zwischen Windeln und Weinen noch Zeit bleibt, mit Zettel und Bleistift vorm Fernseher zu sitzen und die richtigen Antworten beim großen Erziehungs-Check zu notieren, bleibt vorerst ein Rätsel.

Ist das Konto schon bereit?

Genug Geld für ein Kind?

Ganz klares Entscheidungskriterium für oder gegen ein Kind ist sicher auch die Finanzlage. "Bevor ich ein Kind in die Welt setze, will ich erst einmal einigermaßen abgesichert sein!" Nun gut, aber bedeutet das wirklich, dass erst noch eine Zweit- oder gar Drittausbildung aufgenommen werden muss? Würde es nicht reichen, die Ansprüche an den eigenen Lebensstandard ein klein wenig herunterzuschrauben? "Wir Deutschen sind nunmal besonders auf Sicherheit bedacht!" Oder sollte auch das etwa nur ein Vorwand sein, um den Zeitpunkt noch ein wenig hinauszögern zu können?

Vorsicht, Muttergefühle!

Aber mal ehrlich, spürt nicht jede Frau instinktiv, welches Glück sich hinter einem eigenen Kind zu verbergen vermag? Spätestens dann, wenn sie gedankenverloren im Straßencafé sitzt und die typische Konstellation – Mutter, Vater, Kinderwagen – an sich vorbeischlendern sieht. Und ahnt sie nicht unbewusst, welch neues Gefühl von Nähe ein Kind in ihr wecken könnte? Hätte der gelebte Egoismus dann nicht vielleicht mit einem Schlag ganz von selbst ein Ende?

Der Körper spielt nicht ewig mit...

Es scheint so, als seien diese Tatsachen in den Köpfen vieler junger Frauen weit nach hinten verschoben, als dürfe sich dieses Gefühl nur ab und zu und in ganz kurzen Momenten zu Wort melden. Eigentlich schade, oder? Denn nur die Lebensweise der Frau hat sich verändert, ihre Biologie geht den gewohnten Gang. Je später der Kinderwunsch umgesetzt werden soll, desto schwieriger wird es nun mal auch. Und vermutlich wünscht man sich dann doch, es hätte in der perfekten Planung eine undichte Stelle gegeben und es wäre "einfach so" passiert…

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