Einnistung

Die Einnistung: Die befruchtete Eizelle findet ihren Platz

Die Einnistung bezeichnet den Moment, in dem die befruchtete Eizelle, der sogenannte Keimling, sich in der Gebärmutter festsetzt. Es ist der Augenblick, in dem die Schwangerschaft tatsächlich beginnt. Jetzt befindet sich der Embryo in der optimalen Ausgangslage, um in den nächsten Monaten zu einem kleinen Menschen heranzureifen.

Einnistung 3. SSW

Weg der Eizelle von den Eierstöcken durch den Eileiter bis zur Einnistung in der Gebärmutter

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Frauen mit Kinderwunsch haben bei der Berechnung ihrer  fruchtbaren Zeit vor allem eines im Sinn: Sie wollen genau den Zeitpunkt abpassen, an dem die Verschmelzung von Samenzelle und Eizelle am wahrscheinlichsten ist. Doch dadurch wird eine Frau nicht automatisch schwanger. Erst wenn die befruchtete Eizelle, die bereits jetzt als menschliches Leben gilt, ihren Weg durch den Eileiter zur Gebärmutter gemeistert und sich dort eingenistet hat, war der Vorgang erfolgreich und der Körper ist auf die Schwangerschaft eingestellt. Wie genau die Einnistung abläuft, wann sich die Eizelle einnistet, wie sich das anfühlt und vielleicht sogar künstlich beeinflussen lässt – die Antworten finden Sie hier.

Einnistung – wann und wie findet sie statt?

Vor der Einnistung steht die Befruchtung. Trifft eine im Eierstock der Frau herangereifte Eizelle im Eileiter auf eine Samenzelle des Mannes, so kommt es im Idealfall zu einer Verschmelzung der beiden Zellen: Ein Keimling entsteht, der sich unmittelbar nach der Befruchtung in weitere Zellen teilt und dabei seinen Weg in die Gebärmutterhöhle fortsetzt. Auf diesem Weg erhält der Keimling (Zygote) tatkräftige Unterstützung: Die ihn umgebende Follikelflüssigkeit erleichtert seine Fortbewegung, und die kleinen Flimmerhärchen im Eileiter unterstützen ihn aktiv, indem sie ihn durch wellenartige Kontraktionen weiterbefördern.

Wenn der Keimling ungefähr am vierten Tag nach der Befruchtung in der Gebärmutterhöhle angekommen ist, hat er sich bereits so oft geteilt, dass er aus etwa 32 bis 64 Zellen besteht. Die äußere Schicht der Blastozyste (so wird der Keimling in diesem Stadium bezeichnet) besteht aus Zellen, die später das Versorgungssystem des Embryos bilden werden. Aus den inneren Zellen entwickelt sich der  Embryo selbst. In der Gebärmutter wird der Keimling, der noch sehr winzig ist, gastfreundlich empfangen. Denn die Gebärmutter rüstet sich bereits seit Zyklusbeginn für seine Ankunft: Die im Eierstock gebildeten Hormone haben sie dazu veranlasst, eine fruchtbare Schleimhaut aufzubauen, die eine Einnistung begünstigt. So muss der Keimling jetzt nur noch den passenden Platz finden, und schon sinkt er in einer Mulde der Gebärmutterwand ein, wo er dann von der Schleimhaut bedeckt wird und sich gänzlich einnistet. Zu diesem Zeitpunkt besteht er bereits aus 100 Zellen, die sich in den kommenden Wochen rasant vermehren werden.

Den gesamten Vorgang vom Einbetten bis zum vollständigen Eingraben bezeichnet man als Einnistung. Wann findet sie statt? Etwa fünf bis sieben Tage nach der Befruchtung. Geht man von einem durchschnittlichen weiblichen Zyklus von 28 Tagen aus, lässt sich der Eisprung und damit die fruchtbare Zeit etwa auf den 14. Tag datieren, während die Einnistung dann um den 19. Tag herum erfolgt. Sobald sich der Keimling in der Gebärmutter eingenistet hat, stehen alle Zeichen auf Schwangerschaft, und das sogenannte Schwangerschaftshormon (HCG) wird produziert, um diesen Zustand weiterhin aufrecht zu erhalten. Etwa eine Woche nach der Einnistung bleibt die Periode aus, und der HCG-Spiegel im Urin führt zu einem positiven Schwangerschaftstest.

Kann man die Einnistung spüren?

Wer seinen Körper gut kennt und sich um den vermuteten Zeitpunkt herum darauf konzentriert, in seinen Körper hineinzuhorchen, kann die Einnistung vielleicht spüren. Manche Frauen berichten im Nachhinein von einem mehr oder weniger schmerzhaften Ziehen im Unterleib, das nur kurz andauert und danach komplett verschwindet. Und sogar eine kleine Einnistungsblutung kann auftreten, die von Verletzungen der Gebärmutterschleimhaut herrührt. Die Blutung ist sehr schwach und besteht meist aus wenigen hellen Bluttropfen. Andere Frauen hingegen spüren bei der Einnistung keine Schmerzen und nehmen sie überhaupt nicht wahr. Grundsätzlich ist Frauen mit starkem Kinderwunsch zu empfehlen, ein mögliches Ziehen im Bauch nicht allzu ernst zu nehmen. Denn so ist die Enttäuschung am Ende nicht so groß, wenn das, was man für Einnistungsschmerzen gehalten hat, tatsächlich die Vorboten der kommenden  Periode waren.

Das Thema Einnistung in der Kinderwunschmedizin

Zwar ist die Technik der  künstlichen Befruchtung im Reagenzglas heute weit fortgeschritten, der Kinderwunsch wird dennoch oft enttäuscht: Nur knapp ein Drittel der künstlich befruchteten Eizellen führen nach dem Einsetzen in die Gebärmutter zur erwünschten Schwangerschaft. Wissenschaftler der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg untersuchten einen Faktor, der bislang eher vernachlässigt wurde: die Bedeutung der Samenflüssigkeit für die Einnistung der Eizelle in die Gebärmutter. Ergebnisse aus dem Labor sprechen dafür, dass die Schwangerschaftsrate nach künstlicher Befruchtung ( In-vitro-Fertilisation, IvF) gesteigert werden kann. Warum die Mehrzahl der Einpflanzungsversuche scheitert, ist im Detail nicht bekannt. Ein Teil der Eizellen wird wahrscheinlich von der Gebärmutterschleimhaut nicht „akzeptiert”. Wissenschaftler vermuten, dass „natürliche Bedingungen” der Befruchtung die Einnistung der Eizelle nach In-vitro-Fertilisation fördern können.

Studie: Wie kann die Einnistung der Eizelle verbessert werden?

Im Rahmen einer klinischen Studie an der Universitäts-Frauenklinik Heidelberg wurde untersucht, ob die künstlich befruchtete Eizelle eine größere Chance hat, sich in der Gebärmutter einzunisten, wenn die Gebärmutterschleimhaut vor der Einnistung mit einem Extrakt aus männlicher  Samenflüssigkeit behandelt wird. „Wir möchten dadurch die Einbettung des Eis in die Gebärmutter verbessern”, erklärt Professor Dr. Thomas Strowitzki. Dass bei der Einnistung ein kompliziertes Zusammenspiel von Botenstoffen und Zellen der Gebärmutter und des Immunsystems abläuft, zeigen jüngste wissenschaftliche Ergebnisse, auch aus der Heidelberger Klinik.

Es gibt wissenschaftliche Anhaltspunkte dafür, dass die Samenflüssigkeit eine aktive Rolle bei der Entstehung einer Schwangerschaft spielt. „Lange Zeit ist man davon ausgegangen, dass Samenflüssigkeit und überzählige Spermien nichts mit Befruchtung und Einnistung zu tun haben”, berichtet Oberarzt Privatdozent Dr. Michael von Wolff. Denn während der fruchtbaren Phase ist der Schleim im Gebärmutterhals besonders zäh. Zudem wurde angenommen, dass nur ein sehr kleiner Teil des Ejakulats in die Gebärmutterhöhle gelangen kann. Dagegen sprechen neuere Untersuchungen, die einen Einstrom von Substanzen vom Muttermund bis in die Eileiter innerhalb weniger Minuten nachgewiesen haben. Dieser Einstrom scheint durch Muskelbewegungen der Gebärmutter gefördert zu werden.

Ziel ist die Entwicklung eines Medikaments

Die Samenflüssigkeit enthält eine Vielzahl an Botenstoffen, die das Wachstum von Blutgefäßen fördern und Entzündungsreaktionen oder andere immunologische Reaktionen beeinflussen. In Laboruntersuchungen haben Dr. von Wolff und seine Mitarbeiter erstmals festgestellt, dass Samenflüssigkeit die Produktion von Botenstoffen in den Zellen der Gebärmutterschleimhaut reguliert, die wiederum die Einnistung der Eizelle begünstigen. Daher sei das „Ziel die Entwicklung eines Medikaments, das in die Scheide und den Muttermund gegeben wird und gezielt die Einnistungswahrscheinlichkeit verbessert”, wie Dr. Wolff erklärt. Dazu werden die Bestandteile der Samenflüssigkeit aufgetrennt, um zu erkennen, welche Substanzen für die Verbesserung der Einnistung wesentlich sind, um sie dann in einem Medikament zusammenzuführen.


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