Kann man Mädchen machen?

Fruchtbarkeits-Mythen - was ist dran?

Um den Kinderwunsch ranken sich viele vermeintlich richtige Mythen: nach dem Sex solle man noch etwas liegen bleiben, ein Orgasmus erhöhe die Chancen auf ein Baby und nach dem Absetzen der Pille sei das Schwangerwerden zunächst schwieriger. Aber was stimmt wirklich?

von Gabriele Möller
  • Druck
  • Kommentare
  • Email
Paar Bett
Foto: © panthermedia.net/ Dmitriy Shironosov

Der Eisprung macht schön

Manche Mythen rund um den Kinderwunsch stammen aus der guten alten Zeit der Ammenmärchen. Manche hat die Wissenschaft auch selbst verbreitet, sie sind aber inzwischen überholt. Und manche der Dinge, die sich Paare untereinander erzählen, stimmen tatsächlich. Was die Forschung heute weiß:

Fruchtbarkeit macht attraktiv - an diesem Mythos ist etwas dran: 70 statt 35 US-Dollar Trinkgeld pro Stunde – so viel mehr verdienen Strip-Tänzerinnen, wenn sie während ihres Eisprungs die Hüften schwingen. Das fanden US-Forscher um Geoffrey Miller von der University of New Mexico in Albuquerque heraus. Was genau Frauen in dieser Zeit anziehender macht, ist nicht ganz klar. Ein Team um Craig Roberts von der University of Newcastle zeigte aber: Sowohl männliche als auch weibliche Probanden fanden Fotos derjenigen Frauengesichter schöner, die kurz vor dem Eisprung aufgenommen waren. Woran's liegt? „Der Östrogenspiegel ist massiv erhöht, was unter anderem für eine glatte Haut sorgt“, erläutert Dr. med. Peter Rosenbaum, Oberarzt an der Klinik für Frauenheilkunde an den Universitätskliniken des Saarlandes.

Vom Duft der Frauen

Andere Untersuchungen ergaben zudem, dass Frauen um den Eisprung herum hormonell bedingt rund ein Kilo weniger wiegen. Auch der Duft einer Frau ist um diese Zeit verlockender. Finnische Wissenschaftler von der Uni Jyväskylä ließen Männer und Frauen an getragenen T-Shirts von Studentinnen schnuppern. Die männlichen Testteilnehmer (und nur sie) fanden den Geruch derjenigen Shirts anziehender, deren Besitzerinnen sich gerade in der Eisprungphase befanden. Sogar die Stimme von Frauen klingt anders, wenn die Chance auf eine Schwangerschaft groß ist: Sie wird an den Tagen vor dem Eisprung höher, was vermutlich die Attraktivität für das andere Geschlecht steigert, so eine US-Studie um Gregory Bryant und Martie Haselton an der University of California.

Erhöht ein Orgasmus die Chance auf ein Baby?

Eine Zeitlang glaubten Wissenschaftler, dass die Muskelkontraktionen der Gebärmutter beim Orgasmus die Chance auf ein Baby erhöhen, weil sie den Spermien das Vorwärtskommen erleichtern. Doch dies gilt als überholt. Zwar stimme es, „dass die Spermien dadurch schneller in die Eileiter befördert werden, weil sich die Gebärmutter zusammenzieht“, sagt Dr. Rosenbaum. Trotzdem macht diese Abkürzung für die Spermien frau nicht fruchtbarer: Versuche, die Chancen einer Kinderwunschbehandlung zu erhöhen, indem man mit dem Hormon Oxytocin Kontraktionen der Gebärmutter auslöste, zeigten nicht die erhoffte Wirkung.

Müde Spermien durch häufigen Sex?

Früher wurde empfohlen, ein Paar solle nur alle drei Tage "herzeln", damit sich die Menge und Qualität der Spermien in dieser Zeit regenerieren könne. Doch es scheint im Gegenteil sogar so zu sein, dass die Spermaqualität mit der Häufigkeit des Geschlechtsverkehrs ansteigt. Zu diesem Ergebnis kamen Forscher am Soroka University Hospital in Israel. Sie stellten fest, dass die Beweglichkeit der Spermien bereits bei nur einem enthaltsamen Tag sinkt. Und Biologen der Universität von Adelaide in Australien fanden heraus, dass häufiger Sex wichtig ist, um das Immunsystem der Frau an die Spermien zu gewöhnen. Denn diese werden sonst leicht als Fremdkörper angegriffen.

Kann man Mädchen machen?

Um immerhin 25 Prozent lässt sich die Wahrscheinlichkeit für ein Mädchen oder einen Jungen erhöhen, wenn man auf den Zeitpunkt des Geschlechtsverkehrs achtet. Die Spermien tragen entweder ein X-Chromosom, das ein Mädchen zeugen, oder ein Y-Chromosom, das zur Entwicklung eines Jungen führen kann. Das Y-Chromosom aber ist kleiner und leichter, das betreffende Spermium daher schneller bei der Eizelle. "Findet der Geschlechtsverkehr am Tag des Eisprungs statt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine 'männliche' Spermie in der Eizelle einnistet", so Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF). Umgekehrt sei es, wenn der Sex mehrere Tage vor dem Eisprung stattfinde: "Die 'weiblichen' Spermien sind langlebiger als die 'männlichen'. Bis zum Tag des Eisprungs halten darum mehr weibliche durch". Der Haken: Einigermaßen genau lässt sich der Eisprungtag nur per Ultraschall bestimmen. Ovulationstests dagegen geben lediglich das Vorhandensein von LH (eisprungauslösendes Hormon) über mehrere Tage an.

Ist die Stellung beim Sex wichtig?

Auch die Stellung beim Sex kann das Geschlecht beeinflussen: Manche Fachleute empfehlen zur Zeugung eines Jungen den "doggy-style" (von hinten), weil die männlichen Spermien dadurch näher an den Muttermund gelangen und kürzer dem sauren Scheidenmilieu ausgesetzt sind. Wer ein Mädchen möchte, sollte die "Missionarsstellung" bevorzugen. Der etwas weitere Weg zum Muttermund kommt den säureunempfindlicheren, weiblich belegten Spermien entgegen.

Doch hat die Position auch Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit? Zwar heißt es, dass bei Sex von hinten die Chancen für eine Schwangerschaft erhöht sind. Er soll zudem besonders hilfreich sein bei Frauen, die eine abgeknickte Gebärmutter haben. Ungünstiger sei dagegen die Reiterstellung, weil die Schwerkraft den aufsteigenden Spermien hinderlich sei. Doch obwohl all dies logisch klingt - der wissenschaftliche Beleg fehlt. Man kann in jeder Stellung schwanger werden.

  • 1
  • 2