Zervixschleim

Zervixschleim – das Sekret beobachten und richtig deuten

Das Wort „Zervix“ stammt vom lateinischen „cervix uteri“ und bezeichnet den Gebärmutterhals. Dieser sondert ein Sekret ab, den Zervixschleim. Er hat eine zähflüssige Konsistenz, ist durchsichtig bis milchig-weiß und besteht hauptsächlich aus Wasser, Aminosäuren, Enzymen, Zuckern, Schleimstoffen (Muzinen) und Elektrolyten. Der Zervixschleim dient als Schleimpfropf dem Verschluss des Gebärmutterhalses und verhindert so das Eindringen von Krankheitserregern in die Gebärmutter. Während des Menstruationszyklus verändert sich der Schleim und kann hilfreiche Hinweise auf die fruchtbaren Tage geben.

Jeden Monat reift nur eine einzige Eizelle im Körper der Frau heran und diese ist um die Zyklusmitte, wenn sie sich nach dem  Eisprung vom Eierstock gelöst hat, für 12 bis 24 Stunden befruchtungsfähig. Da die männlichen Samenzellen rund 72 Stunden im weiblichen Körper überleben können, hat jede Frau also in etwa vier bis fünf fruchtbare Tage pro Zyklus. Wie das australische Ärzte-Ehepaar Evelyn und John Billings beobachtete, verändert sich im Verlauf des Zyklus – abhängig vom Östrogenspiegel – die Beschaffenheit des Zervixschleims. Nähert sich der Eisprung und somit die fruchtbaren Tage der Frau, nimmt die Produktion des Schleims zu und er wird dünnflüssiger. Durch die regelmäßige Untersuchung des Zervixschleims über einen Zeitraum von mehreren Monaten können Frauen lernen, diese Veränderungen wahrzunehmen und damit die Zeit der fruchtbaren Tage besser zu bestimmen. Diese Methode wird nach ihren Erfindern die „Billings-Methode“ genannt.

Wie wird der Zervixschleim entnommen?

Man kann den Zervixschleim auf zwei Wegen entnehmen: durch den Scheideneingang oder am Muttermund. Für die erste Variante fährt man mit dem Finger über den Scheideneingang oder führt ihn maximal einen Zentimeter in die Scheide ein. Die Muttermund-Methode eignet sich vor allem für Frauen, bei denen äußerlich kein Zervixschleim zu finden ist. Hier empfiehlt es sich, eine hockende Stellung einzunehmen, um ihn mit dem Finger besser zu erreichen. Der Muttermund befindet sich etwa acht Zentimeter vom Scheideneingang entfernt zur Bauchdecke hin und ist als Halbkugel mit einer Delle in der Mitte tastbar. An fruchtbaren Tagen ist der Muttermund leichter zu erfühlen, dann steht er nämlich höher – das heißt, er ragt weniger weit in die Scheide hinein und ist weicher als an unfruchtbaren Tagen. Frauen, die Probleme haben, ihren Muttermund zu lokalisieren, können ihren  Gynäkologen um Hilfe bitten. Hat man ihn gefunden, drückt man mit dem Finger leicht dagegen und entnimmt so den Zervixschleim. Jetzt geht es darum, diesen auszuwerten.

Wie deutet man den Zervixschleim?

Konnte man den Zervixschleim entnehmen, hält man ihn zwischen Daumen und Zeigefinger und zieht ihn langsam auseinander. Je kürzer die  Menstruationsblutung zurückliegt, desto zäher und dickflüssiger ist seine Konsistenz – an diesen Tagen sind Frauen am wenigsten fruchtbar, die zähe Konsistenz des Zervixschleims hält die Spermien von dem Eindringen in die Gebärmutter ab, die zu dem Zeitpunkt nicht auf einen Embryo vorbereitet ist. Ist er cremig, hat eine perlweiße bis cremegelbe Farbe und fühlt sich an wie Lotion, deutet dies ebenfalls auf „nicht fruchtbar“ hin. Je dünnflüssiger er ist, desto schneller kommen die Spermien auf ihrem Weg zur Gebärmutter voran. Wässriger Zervixschleim deutet auf den nahenden Eisprung hin. Er ist ganz klar und tropft oder rinnt vom Finger – einige Frauen berichten, dass sie sich geradezu durchnässt fühlen. Ähnelt er vom Aussehen und Konsistenz rohem Eiweiß, befindet sich die Frau in ihren fruchtbarsten Tagen. Der Zervixschleim ist nun „spinnbar“, das heißt er lässt sich bis zu fünf Zentimeter in die Länge ziehen, ohne zu reißen. Die  Spermien haben es leicht, die Gebärmutter zu erreichen. Auch die Quantität verändert sich: Etwa zwei bis drei Tage vor dem Eisprung verdoppelt bis verdreifacht sich die Menge des Schleims.

Damit der Zervixschleim zuverlässige Rückschlüsse auf die  fruchtbaren Tage der Frau zulässt, sollte er über mehrere Monate hinweg täglich untersucht werden, denn das Schleimmuster jeder Frau variiert je nach Alter, Ernährung und Lebensführung. Es empfiehlt sich, seine Eigenschaften und Veränderungen in einem Verlaufsprotokoll festzuhalten. Vordrucke dazu finden sich beispielsweise bei pro familia. Notiert werden hier Faktoren wie Menge, Konsistenz, Farbe, Feuchtigkeit und subjektives Feuchtigkeitsempfinden. Diese Merkmale werden kategorisiert und in ein Symbol oder eine Abkürzung übersetzt, die den gegenwärtigen Fruchtbarkeitsstatus der Frau angibt. Auch in der  urbia Eisprungkalender-App können Eintragungen zur Schleimbeschaffenheit vorgenommen werden. So sind die fruchtbaren Tage auch unterwegs auf einen Blick sichtbar.

Die Zervixschleim-Methode als Verhütungsmethode?

Manchmal kann sich die Qualität des Zervixschleims auch außerhalb des Eisprungs so verändern, dass es aussieht, als würde er gerade stattfinden oder als hätte er vor kurzem stattgefunden. Eine Reihe weiterer Faktoren kann die Beschaffenheit des Zervixschleims außerdem beeinflussen und so seine Deutung erschweren. Dazu gehören Stress, hormonelle Schwankungen, ein unregelmäßiger Menstruationszyklus, die Einnahme von Medikamenten oder bestimmte Erkrankungen. Zudem müssen nicht alle „trockenen Tage“ automatisch auch unfruchtbare Tage sein, denn manche Frauen produzieren während des gesamten Zyklus kaum Schleim, auch nicht zum Zeitpunkt des Eisprungs. Das macht die Billings-Methode zu einer unsicheren Verhütungsmethode. Ihr Pearl-Index liegt bei etwa fünf – das heißt von hundert Frauen, die sie anwenden, werden fünf schwanger. Sie kann darum als Orientierung im Falle eines  Kinderwunsches dienen, sollte jedoch nicht als alleinige Verhütungsmethode angewendet werden. Für eine höhere Sicherheit sind andere natürliche Methoden wie die  Temperaturmess-Methode besser geeignet. Diese weist einen sehr guten Pearl-Index von 0,3 auf.

Umfassende Informationen – unter anderem eine Broschüre zum Downloaden – zu den verschiedenen Methoden der Fruchtbarkeitswahrnehmung bietet pro familia. Hier sind auch Kurvenblätter erhältlich. Außerdem führt pro familia Beratungen für Frauen durch, die die Methoden der Fruchtbarkeitswahrnehmung erlernen möchten.


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