Wann ist mein Eisprung?

So funktionieren Ovulationstests

Wünscht sich ein Paar ein Baby, kann es oft gar nicht schnell genug gehen. Doch oft stellt sich die ersehnte Schwangerschaft monatelang nicht ein. Denn beim „Üben“ kommt es auf das richtige Timing an. Um die fruchtbarsten Tage im Zyklus der Frau nicht zu verpassen, können Ovulations-Tests helfen.

von Ulrike Hahnlein
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Paar Bett Ovulationstest
Foto: © panthermedia.net/ Wavebreakmedia ltd

 

Die Chancen für eine Empfängnis sind am Tag des Eisprungs und den beiden Tagen davor am höchsten. Doch manchmal ist es gar nicht so leicht diese Tage genau zu bestimmen. Durch einen Eisprungkalender lässt sich der Zeitraum schon recht gut eingrenzen. Doch Faktoren wie Stress, ein höheres Alter der Frau oder Vorerkrankungen können sich negativ auf die Regelmäßigkeit auswirken, sodass Zyklusdauer und der Zeitpunkt des Eisprungs variieren. Im Gegensatz zum bloßen Abzählen der Tage kann ein Ovulations-Test die fruchtbarste Zeit sehr zuverlässig voraussagen und eignet sich somit vor allem für Frauen mit unregelmäßigeren Menstruationszyklen. Außerdem lässt sich so ermitteln, ob überhaupt ein Eisprung stattfindet.

Funktionsprinzip der Ovulations-Tests

Etwa 24 bis 36 Stunden bevor es zum Eisprung (= Ovulation) kommt, steigt die Konzentration des luteinisierenden Hormons (LH) im Urin deutlich an. Ein Ovulations-Test erkennt diesen starken Anstieg des LH-Spiegels und sagt so den günstigsten Zeitpunkt für den Geschlechtsverkehr voraus. Dadurch lässt sich die Chance, dass es zur erhofften Schwangerschaft kommt, deutlich steigern. Dieses Prinzip ist bei allen Tests gleich, aber mittlerweile sind verschiedene Systeme erhältlich. Es gibt Kassettensysteme bei denen mit einer Pipette einige Tropfen Urin auf ein Testfeld geträufelt werden müssen. Außerdem sind Teststäbchen erhältlich, die das Ergebnis anhand von zwei Linien darstellen, ähnlich wie Schwangerschaftstests. Digitale Ovulationscomputer zeigen nach dem deutlichen LH-Anstieg ein Ei-Symbol auf dem Display an, was keinen Raum für Fehlinterpretationen zulässt.

Ermitteln der durchschnittlichen Zyklusdauer

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Den ersten Testtag muss jede Frau individuell für sich berechnen. Dafür sollte für ein paar Monate die eigene Zykluslänge kontrolliert werden. Ein Menstruationszyklus beginnt mit dem Einsetzen der Blutung und endet am Tag vor der nächsten. Ist dieser Zeitraum immer einigermaßen regelmäßig (weniger als vier Tage Unterschied) können Sie einen Mittelwert annehmen. Bei größeren Differenzen wird vorsichtshalber die kürzeste Länge zur Berechnung genommen, um den Tag der Ovulation nicht zu verpassen. Dadurch ergibt sich der genaue Tag für den Testbeginn, den Sie der Packungsbeilage entnehmen können. Da der Eisprung etwa zwei Wochen vor der nächsten Periode stattfindet, wird 17 Tage vorher mit der Anwendung der Ovulations-Tests begonnen. Bei einer durchschnittlichen Zyklusdauer von 28 Tagen wird beispielsweise an Tag elf mit dem Test begonnen.

Ganz einfach und unkompliziert: die Durchführung

Die Stäbchentests enthalten, je nach Hersteller, fünf bis sieben Teststäbchen pro Packung. Die Tageszeit für die Durchführung des Tests ist zwar prinzipiell egal, aber der Zeitraum muss immer gleich sein. Beachten Sie aber, dass man vier Stunden vor der Anwendung nicht auf Toilette gehen und nicht übermäßig viel trinken sollte. Morgens nach dem Aufstehen kann deshalb ein günstiger Anwendungszeitpunkt sein, den allerdings nicht jeder Hersteller empfiehlt (siehe Packungsbeilage). Wie bei einem Schwangerschaftstest muss nun die Testspitze für einige Sekunden (siehe Gebrauchsanweisung) in Urin getaucht werden. Entweder man schafft es, die Stäbchenspitze direkt in den Strahl zu halten oder man fängt ein wenig davon in einem sauberen trockenen Becher auf, was ein genaueres Eintauchen ermöglicht. Nach wenigen Minuten lässt sich das Ergebnis ablesen. Jeden Tag muss ab jetzt diese unkomplizierte Prozedur wiederholt werden, bis ein positives Resultat den Eisprung anzeigt. Sind die Teststäbchen aufgebraucht, ohne dass dies geschehen ist, kann mit einer neuen Packung weitergetestet werden. Der Grund könnte eine verspätete oder ausbleibende Ovulation sein, was grundsätzlich nichts Ungewöhnliches ist. Falls es aber öfter dazu kommt, sollte mit dem Frauenarzt darüber gesprochen werden.

Zwei Linien zur Bestimmung des Timings

 

Bei den Stäbchentests erscheinen nun zwei Linien: Die Kontrolllinie zeigt, ob der Test funktioniert hat und die Ergebnislinie gibt die Konzentration des luteinisierenden Hormons an. Je höher der LH-Spiegel im Urin, desto farbintensiver erscheint diese Linie. Bei keinem oder nur einem sehr schwachen Ergebnisstreifen ist die LH-Menge noch nicht hoch genug. Färbt sich diese Linie aber so intensiv oder sogar stärker als die Referenzlinie, so hat der Ovulations-Test einen Anstieg des Hormons erkannt. Jetzt beginnt die fruchtbarste Zeit! Binnen 48 Stunden sollten Sie sich jetzt Ihren Partner schnappen, denn die Erfolgsaussichten sind in diesem Zeitfenster am größten. Doch je eher, desto besser, denn am nächsten Tag könnte es vielleicht bereits zu spät sein.

Effektiv aber nicht ganz billig

 

In Apotheken, Drogerien oder speziellen Online-Shops sind die verschiedenen Ovulations-Tests erhältlich, ganz billig ist der Kinderwunsch nach Plan allerdings nicht. Je nach Hersteller und System kosten die Tests pro Zyklus zwischen 20 und 40 Euro. Bleiben Teststäbchen übrig, können sie im nächsten Anwendungszeitraum wiederverwendet werden. Als Verhütungsmittel ist ein Eisprungtest aber völlig ungeeignet, da zum ermittelten Zeitpunkt die Möglichkeit für eine Empfängnis zwar am größten ist, schwanger werden kann man jedoch auch davor und danach. Will man eine Schwangerschaft vermeiden, kann man mit Verhütungscomputern bestimmen, in welchem Zeitraum man bedenkenlos ungeschützten Verkehr haben kann.

Stäblein, Stäblein in der Hand... – Orakeln mit Eisprungtests

 

Unter Kinderwunschlerinnen ist das sogenannte „Orakeln“ mit den zweckentfremdeten Ovulations-Tests weit verbreitet. Diese (eher ungenaue) Methode soll schon frühzeitig einen Hinweis geben, ob es mit dem ersehnten Baby geklappt haben könnte. Da das LH, auf das die Teststäbchen reagieren, dem Schwangerschaftshormon hCG sehr ähnlich ist, schlagen die Ovulations-Tests auch im Falle einer Schwangerschaft auf das hCG an. Und zwar deutlich früher, als ein Schwangerschaftstest.

Und so funktioniert´s: Etwa eine Woche nach dem Eisprung kann mit dem Orakeln begonnen werden. Ab dann wird wie gewohnt an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen getestet und die Stärke der Ergebnislinie betrachtet. Im Falle einer Schwangerschaft verdoppelt sich das hCG etwa alle zwei Tage. Analog ist auch die Testlinie immer farbintensiver zu erkennen, was einen Hinweis auf eine Schwangerschaft geben kann. Es bringt also nichts, nur einmal zu testen, ob eine zweite Linie erscheint. Entscheidend ist, dass die Intensität der Linie deutlich zunimmt!
Aber Achtung: Vor der Menstruation steigt auch die LH-Konzentration im Urin leicht an, was zu einer falschen Interpretation des Ergebnisses führen könnte. Oder es könnte zu einem unbemerkten Abgang kommen, was in diesem frühen Stadium leider auch nicht selten ist. Deshalb ist das Ergebnis beim Orakeln sehr ungewiss und kann lediglich als spannender Zeitvertreib dienen, während man auf den Tag der voraussichtlichen Periode wartet. Denn ab dann können die normalen Schwangerschaftstests angewendet werden. Wegen der hohen Fehlerquote ist das Hellsehen mit Ovulations-Tests also nur etwas für diejenigen „Hibblerinnen“, die auch mit der Enttäuschung umgehen könnten, falls sich trotz positiven Orakelns die Menstruationsblutung einstellt.

 

Bitte nicht den Spaß verlieren!

 

Unter all dem Testen und Planen darf man sich als Paar nicht aus den Augen verlieren. Gegenseitiger Druck und Verkehr auf Kommando führt schnell zur Ernüchterung und lässt den Akt der Liebe zum notwendigen Termin werden. Wenn Ihnen beiden danach ist, dann lieben Sie sich auch, wenn gerade keine fruchtbare Zeit ist, und respektieren Sie, wenn Ihr Schatz am Tag des Eisprungs mal keine Lust auf Streicheleinheiten hat. Mit viel Spaß beim „Hinarbeiten“ auf den Kindersegen, stellt sich hoffentlich schon bald das ersehnte Babyglück ein. Zur Kontrolle des Erfolgs steht dann schon wieder ein Test an: Der Schwangerschaftstest.