Immer häufiger
Späte Mütter: Ein Baby erst mit 40
Frauen entscheiden sich immer später für ein Kind. Jedes vierte Baby hat heute eine Mutter, die älter als 40 Jahre ist. Was bedeutet eine späte Schwangerschaft für die Schwangere, und wie ist es für Kinder, so "alte" Eltern zu haben?
Erst Karriere, dann ein Kind
Claudia war 41, als sie zum ersten Mal Mutter wurde. „Ich habe bewusst so lange gewartet“, sagt sie. Lieber kinderlos als arbeitslos, das war lange ihr Lebensmotto. In ihrer Arbeit vorankommen, Karriere machen war Claudia schon immer wichtig. Sie ist Anwältin, hat vor fünf Jahren gemeinsam mit zwei Kollegen eine gemeinsame Kanzlei gegründet. Ihre Woche hatte 40 oder 50 Arbeitsstunden. Claudia liebt ihren Beruf. Doch irgendwann, als die Kanzlei etwas besser lief, merkte sie, dass sie doch Kapazitäten frei hatte für jemand anderen. Für ein Kind. Der richtige Zeitpunkt war gekommen. Bald wurde Claudia schwanger. Ihr Mann Jürgen freute sich mit ihr. Dass sie in der Geburtsvorbereitungsgruppe die älteste war, störte sie nicht. Benjamin kam auf natürlichem Wege auf die Welt. Als Claudia ihn zum ersten Mal im Arm hält, spürt sie gleich: Der Zeitpunkt ist ideal. Jetzt, und genau jetzt ist sie reif für ein Kind.
Immer mehr späte Mütter
Claudia ist kein Einzelfall. Immer mehr Frauen entscheiden sich spät dafür, doch noch Mutter zu werden. Statistisch gesehen liegt das Durchschnittsalter der Erstgebärenden bei 31. Noch vor 30 Jahren zählten Erstmütter im Schnitt 27 Jahre. Waren in der Generation unserer Eltern späte Mütter noch eher die Ausnahme, so nimmt seit Beginn der 90er-Jahre der Anteil der verheirateten Frauen, die mit 35 Jahren und älter ihr erstes Kind bekommen, stetig zu. Innerhalb von zwölf Jahren hat sich die Zahl fast verdreifacht: von 5,7 Prozent auf 16,9 Prozent im Jahr 2003.
Besonders in der Altersgruppe ab 40 beobachten die Statistiker einen geradezu sprunghaften Anstieg. 1991 hatten nur 0,8 Prozent der erstgeborenen Kinder eine Mutter von 40 Jahren und älter, im Jahr 2000 waren es 1,8 Prozent und 2003 bereits 3,9 Prozent. Heute hat jedes vierte Kind eine Mutter, die älter als 40 Jahre ist.
Gründe gibt es dafür viele: Viele Frauen binden sich erst spät in einer festen Partnerschaft. Außerdem rückt das Thema Karriere stärker in den Fokus. Gut ausgebildete Frauen wollen Berufserfahrungen sammeln und Karriere machen. Nicht umsonst ist die Anzahl der Akademikerinnen unter den späten Müttern besonders hoch. Zudem hat die medizinische Forschung Fortschritte gemacht. Immer mehr Frauenärzte spezialisieren sich auf sogenannte Kinderwunsch-Patientinnen.

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