(Un-)Fruchtbarkeit und Psyche

Wenn der Kinderwunsch die Seele belastet

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Wenn der Kinderwunsch Denken und Fühlen beherrscht

Ein Zusammenspiel von Körper und Seele ist also – wie in allen Bereichen – sicher auch aus dem Bereich der (Un-)Fruchtbarkeit nicht wegzudenken. Dies sollte aber nicht dazu führen, Frauen, die versuchen schwanger zu werden, durch Hinweise wie "wenn Du Dich so versteifst, klappt es erst recht nicht", noch mehr unter Druck zu setzen. Was aber kann Frauen in der leidvollen monatlichen Warteschleife zwischen Eisprung und Menstruation wirklich entlasten? Wie können Frauen einem Zustand entgegen wirken, in dem ihr Kinderwunsch so übermächtig wird, dass er ihr ganzes Denken und Fühlen beherrscht und alles andere unwichtig erscheinen lässt?

Die eigene Erwartungshaltung überprüfen

Es kommt nicht selten vor, dass Paare so felsenfest damit gerechnet haben, schnell schwanger zu werden, dass sie sich bereits nach drei Monaten wegen des Ausbleibens einer Schwangerschaft große Sorgen machen und unter Erfolgsdruck setzen. Dabei sind "Wartezeiten zunächst einmal nichts Ungewöhnliches", heißt es in der Kinderwunsch-Broschüre der BzgA. Die Weltgesundheitsorganisation WHO spricht von Unfruchtbarkeit, wenn sich die erwünschte Schwangerschaft nach ein bis zwei Jahren regelmäßigen Geschlechtsverkehrs ohne Verhütung nicht einstellt.

Um sich nicht völlig unangemessen unter Druck zu setzen, ist es also wichtig, von vornherein einige Zeit einzuplanen, bis eine erwünschte Schwangerschaft möglicherweise Wirklichkeit wird. Prof. Anke Rohde weist in ihrem Artikel "Zur psychischen Situation ungewollt kinderloser Paare" darauf hin, dass auch bei einem jungen, gesunden Paar "die Schwangerschaftsrate nicht höher als 20 bis 30 Prozent pro Zyklus" ist. Außerdem ist zu bedenken, dass die Fruchtbarkeit mit dem Alter rapide abnimmt, so dass bei Frauen zwischen 25 und 33 Jahren nur noch mit einer Schwangerschaftswahrscheinlichkeit von 18 Prozent pro Zyklus zu rechnen ist.