Umstrittener Hormontest

Wie lange bin ich noch fruchtbar?

Maybe Baby? Viele Frauen gut über dreißig möchten ein Kind, doch das Muttersein passt derzeit (noch) nicht zum eigenen Leben. Wie viel Zeit ihnen noch bleibt, kann ein Fruchtbarkeitstest zeigen. Doch der ist nicht unumstritten.

Autor: Heike Byn
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Kinderwunsch: Fruchtbarkeitstest zählt Follikel

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Foto: © Colourbox

Wir wissen alle: Mit zunehmendem Alter sinkt für uns Frauen die Wahrscheinlichkeit, schwanger zu werden. Doch der genaue Zeitpunkt ist individuell verschieden und unterscheidet sich von Frau zu Frau. Ein neuer Hormontest könnte hier helfen, denn er bestimmt die individuelle Eierstockreserve an Eizellen. Viele Frauenärzte bieten den Test offensiv oder nur auf Nachfrage und kombinieren dazu zwei Methoden: Beim so genannten Ovarscore untersucht der Arzt die Eierstöcke per Ultraschall und zählt dabei die Follikel – also die winzigen Bläschen, in denen die Eizellen angelegt sind. Außerdem testet der Arzt noch den Spiegel des „Anti-Müller-Hormons", der einen weiteren verlässlichen Hinweis auf die Fruchtbarkeit geben soll. So weit, so klar.

Test auf Fruchtbarkeit: Experten bezweifeln Aussage

Zwar lässt sich die Reserve der Eierstöcke damit bestimmen, doch die Fruchtbarkeit hängt noch von weiteren Faktoren ab, die der Test nicht berücksichtigt: Wie dem Zustand der Eileiter, dem Verlauf des Zyklus sowie der Gesundheit des Partners. Wie verlässlich das Testergebnis also im Hinblick auf eine zukünftige Schwangerschaft ist, diskutieren selbst Mediziner und Forscher und ziehen eine gesicherte Prognose des Tests ins Zweifel. Kein Wunder, liest sich doch ein typisches Testergebnis wie folgt: „Nach derzeitigem Wissensstand können Sie innerhalb der nächsten Jahre noch mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit schwanger werden" – oder eben nicht. Solch eine Vorhersage gilt übrigens je nach Einzelfall meist nur für ein bis zwei Jahre. Mit dieser Aussage sollen Frauen dann planen können? Manch eine von ihnen entscheidet sich – derart verunsichert statt beruhigt – dann vorsichtshalber für das „Social Freezing", also das Einfrieren von Eizellen für eine spätere Schwangerschaft.

Nach dem Fruchtbarkeitstest zum „Social Freezing“?

Frauenärzte wie Annick Horn, Expertin für Reproduktionsmedizin am Kinderwunschzentrum Altonaer Straße in Hamburg, bewertet auch deshalb den Test kritisch. Sie und ihre Kollegen bieten den Check nur an, wenn Frauen gezielt danach fragen – und selbst dann nur mit einer ausführlichen Beratung: „Weil der Test mehr Fragen aufwirft, als er sie beantwortet", so Annick Horn. „Für mich ist der Test Geldmacherei, und das bei sehr geringer Aussagekraft." Kann gut sein – vor allem, was die eventuellen Folgekosten angeht. Denn während der Test der Eierstockreserve rund 150 Euro kostet, fangen die Preise fürs „Social Freezing" erst bei etwa 3.000 Euro an. Und eine Garantie, dass damit überhaupt die spätere Befruchtung klappt, gibt es natürlich nicht und kann es auch nicht geben.


Hormontest: Frauen von Ergebnissen verunsichert

Andere Frauen wiegen sich nach dem Test womöglich in falscher Sicherheit: Denn selbst wenn der Test zeigt, dass noch weitere Eizellen reifen, ist damit noch keine Aussage über deren Qualität getroffen. Die verschlechtert sich nun einmal mit steigendem Alter der Frauen, wodurch eine Schwangerschaft unwahrscheinlicher wird und das Risiko für Missbildungen beim Baby steigt. Gibt es eine Lösung für das Dilemma? Nicht wirklich: Am Ende muss jede Frau/jedes Paar für sich selbst entscheiden, welcher Weg wohl der richtige ist. Viele Patientinnen befragen in ihrer Unsicherheit auch den Arzt: „Wir empfehlen Frauen über 35, die unseren Rat suchen, mit ihrem Kinderwunsch nicht mehr zu lange zu warten. Auch wenn ein Baby nicht hundertprozentig ins Leben passt. Besser, als auf den perfekten Zeitpunkt zu warten, denn der kommt vielleicht nie", erzählt Frauenärztin Annick Horn.

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