Linkshänder

Das mach’ ich doch mit links

Was haben Bill Clinton, Julia Roberts und Muhammed Ali gemeinsam? Sie machen alles mit links - im wahrsten Sinne des Wortes. Die lange Liste prominenter Linkshänder lässt vermuten, sie seien begabter als Rechtshänder. Lesen Sie hier, was Wissenschaftler dazu herausgefunden haben.

Autor: Gabriele Möller
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Viele Berühmtheiten sind Linkshänder

Maedchen Linkshaenderin
Foto: © panthermedia/ Harald Jeske

Linkshänder mögen zwar im Alltag oft mit den Tücken des Objekts zu kämpfen haben. Sie dürfen sich aber in guter Gesellschaft fühlen: Johann Wolfgang von Goethe oder Wolfgang Amadeus Mozart schrieben ebenso mit links, wie Charlie Chaplin, Greta Garbo, Julia Roberts, Marilyn Monroe, Mahatma Gandhi, Karl der Große, Napoleon Bonaparte, Fidel Castro, Muhammed Ali, Albert Einstein, Robert Redford, Kim Basinger, Bill Clinton, Paul McCartney oder Königin Victoria. Und diese Liste ließe sich beinahe endlos fortsetzen. Ob diese Berühmtheiten aber nun gerade wegen ihrer Händigkeit so weit gekommen sind, muss dahin gestellt bleiben. Es gibt jedoch tatsächlich Hinweise darauf, dass Linkshänder in manchen Bereichen begabter und Rechtshändern überlegen sind.

Mehr Linkshänder bei Hochbegabten

Natürlich hat die Wissenschaft auch die Händigkeit unter die Lupe genommen. Dabei stellte sich heraus, dass Linkshänder ein besseres Gehör für die Unterscheidung von Tonhöhen haben und besonders häufig Musiker werden. Auch ihr Anteil unter Rechtsanwälten, Architekten und Künstlern ist überproportional hoch. Zudem sind Linkshänder unter den hochbegabten Menschen überdurchschnittlich häufig vertreten. Doch zum Frohlocken ist es für Linkshänder an dieser Stelle zu früh: Auch ihr Anteil unter den ausgesprochen wenig Begabten ist einer Studie zufolge überdurchschnittlich hoch. Doch auch Seltsames förderte die Wissenschaft zu Tage: Blonde sind doppelt so häufig Linkshänder, wie Dunkelhaarige. Auch unter Zwillingen finden sich mehr Linkshänder als in der Normalbevölkerung. Linkshänder scheinen häufiger zwischen den Monaten März und Juli geboren zu werden. Und nach Hirnverletzungen oder Schlaganfällen erholen sie sich schneller als Normalsterbliche. Manche Dinge tun Linkshänder aber ganz genauso wie alle anderen Menschen. Zum Beispiel wiegen auch sie ihre Kinder meist auf der linken Körperseite, genau wie rechtshändige Zeitgenossen.

Linkshänder darf man nicht umerziehen

Alles, was anders ist und außerhalb der Norm, wird von uns Menschen in der Regel misstrauisch betrachtet. In früheren Zeiten wurden denn auch überwiegend schlechte Eigenschaften mit der Linkshändigkeit verbunden, was sich in der Sprache bis heute sichtbar niedergeschlagen hat. So ist ein ungeschickter Mensch "linkisch" oder hat "zwei linke Hände", ein unehrlicher Zeitgenosse ist "link", wen wir nicht mögen, den lassen wir "links liegen", und wer einen schlechten Tag hat, muss wohl mit dem "linken Fuß zuerst" aufgestanden sein. Dagegen sind uns angenehme Dinge "recht", ehrliche Menschen sind "rechtschaffen" oder im "Recht" und gute Dinge sind "richtig". Nicht zuletzt wegen dieser Vorurteile wurden Linkshänder bis vor wenigen Jahrzehnten in der Schule noch zur Rechtshändigkeit gezwungen.

Aber das kann fatale Folgen haben. Beim Linkshänder ist eigentlich alles wie beim Rechtshänder, nur spiegelverkehrt: Dominiert beim Rechtshänder die linke Gehirnhälfte, ist es beim Linkshänder einfach umgekehrt. Da aber diese Vorherrschaft einer Gehirn-Hemisphäre nun einmal besteht, kann man daran nichts ändern, ohne unvorhergesehene Störungen zu riskieren. So wissen heute die meisten (leider nicht alle) Eltern, Kindergarten-Erzieherinnen und Lehrer, dass man linkshändige Kinder auf keinen Fall umschulen darf. Denn dann wird die starke Gehirnseite unterdrückt, die schwache dagegen überfordert. Dies führt nicht selten zu Lese- und Rechtschreibschwächen (Legasthenie), Konzentrationsstörungen und Stottern. Durch die psychische Belastung folgen oft Minderwertigkeitskomplexe, Unsicherheit, soziale Störungen im Umgang mit anderen Menschen, schlechte Schulleistungen und sogar Bettnässen, Nägelkauen, Schlafstörungen und nervöse Tics.

Ist der Handgebrauch angeboren?

Die Wissenschaftler streiten sich noch, ob es eine genetische Festlegung der Linkshändigkeit gibt oder nicht. Manche sprechen lediglich von einer Veranlagung. Und wieder andere vermuten, dass sich erst im Mutterleib, in der zweiten Schwangerschaftshälfte, herausstellt, ob ein Mensch Linkshänder wird. Jedenfalls ist die Entwicklung zum Rechts- oder Linkshänder sehr früh abgeschlossen: Schon mit einem Jahr bevorzugt ein Baby eindeutig die rechte oder linke Seite. Schätzungen zufolge gibt es zwischen fünf und 25 Prozent Linkshänder. Diese Zahl ist deswegen zu unklar, weil viele heute erwachsene Linkshänder früher noch umgeschult wurden.

Nützliche "Links" für Linkshänder

Erste deutsche Beratungs- und Informationsstelle für Linkshänder und umgeschulte Linkshänder: http://lefthandcorner.wtal.de/beratung.html

Left Hand Corner, deutsche Zeitschrift für Linkshänder: http://lefthandcorner.wtal.de/

Die ganz "linke" Seite für Linkshänder, Eltern, Lehrer sowie Erzieher von linkshändigen Kindern und natürlich auch alle, die sich sonst mit dem Thema Linkshändigkeit beschäftigen:www.linkshaenderseite.de/

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