Gut gemeint und doch daneben
Heute schon Ihr Kind gefördert?
Besonders die Werbung spricht ständig sehr gerne davon, dass Eltern mit diesem Buch, diesem Spielzeug oder dieser Lernsoftware ihr Kind optimal "fördern". Ein ironisch-kritischer Blick auf den inflationär um sich greifenden Förder-Boom.
War das schön! Heranwachsen ohne umfassende Förder-Anstrengungen
Früher war es doch wirklich leichter! Man schaukelte sein Kind im Arm, weil es einen einfach so überkam, verfiel beim Wickeln ganz spontan in fröhliche Kuckuck-Spiele, streichelte das Baby, weil einen die Lust dazu anwandelte und schmuste eben schlichtweg, weil mal es lieb hat. Und erst die Kinder! Sie brabbelten, krabbelten, lernten sprechen und laufen und sie spielten – einfach so, von ganz alleine. Quasi, wie ihnen der Schnabel und die Füße gewachsen waren. Und es wurden sogar ganz passable Jugendliche und Erwachsene aus ihnen.
Waren das Zeiten der Unschuld, als alles noch zum Selbstzweck geschah und geschehen durfte und Kinder groß, fit und klug wurden, ohne, ja, ohne allumfassende Förder-Anstrengungen ihrer Lieben zu benötigen.
Heute geht das offenbar nicht mehr! Nicht einfach lustvoll Bauklötzchen übereinander stapeln, weil das jedem Kleinkind Spaß macht, liebe Mütter! Nein, FÖRDERN heißt die Dauer-Devise. Schöne neue Kinderzimmerwelt: Kleinkind stürzt sich juchzend auf bunte Holzquader, Mama denkt, oh ja, das fördert das Raumgefühl, die Motorik, die Koordinationsfähigkeit, da spiel ich doch gleich ein wenig mit und zeig meiner Maus, wie man die schön gerade stapeln kann... Was, sie will das gar nicht so? Ob das wohl förderlich ist? Nee, Lale, so wird’s gemacht, wie bitte, Du hast keine Lust mehr? Keine Ausdauer dieses Kind, muss es wohl mehr fördern... usw.




