Pseudo-Krupp

Die nächtliche Atemnot

Es beginnt als harmlose Erkältung und kann zu schwerer Atemnot führen. Pseudo-Krupp ist eine Entzündung im Bereich des Kehlkopfes und der Stimmbänder.

Autor: Petra Fleckenstein
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Entzündung im Bereich des Kehlkopfs

Kleiner Junge krank weint
Foto: © iStockphoto.com/ laartist

Am Anfang stand nichts weiter als eine leichte Erkältung: Daniels Eltern waren fast ein wenig amüsiert, als ihr zweijähriger Sohn im Laufe des Tages so heiser wurde, dass es geradezu verrucht klang und sein Husten mehr an Hundebellen denn an die menschliche Stimme erinnerte. Als Daniel nachts plötzlich keine Luft mehr kriegte, fielen seine Eltern aus allen Wolken. Die Diagnose des herbeigerufenen Notarztes: Pseudo-Krupp.

Was ist Pseudo-Krupp?

Die Bezeichnung Pseudo-Krupp wurde ursprünglich gewählt, um dieses Krankheitsbild vom Diphterie-Krupp abzugrenzen. Heute ist dieser Krupp durch wirksame Impfungen sehr selten geworden. Im Gegensatz zum Pseudo-Krupp: Hinter diesem Krankheitsbegriff steckt eine Entzündung im Bereich des Kehlkopfes und der Stimmbänder – Nebenwirkung einer meist zunächst ganz normalen viralen Erkältung. Die Schwellungen der Schleimhaut stellen ein Hindernis für die Atemluft dar, die auf dem Weg zur Lunge die Stimmbänder passieren muss. Dies kann je nach Größe der Schwellung zu starker Atemnot führen. Nicht zu verwechseln ist der Pseudo-Krupp allerdings mit der ungleich gefährlicheren Epiglottitis (Kehlkopfentzündung), die auch Erwachsene befällt und durch das schnelle Zuschwellen des Kehlkopfs oft tödlich verläuft.

Wer ist betroffen?

Die gute Nachricht vorweg: Pseudo-Krupp ist eine Erkrankung, die nur im Kindesalter vorkommt und danach verschwindet. Und sie ist nicht ansteckend. Besonders oft sind Kinder zwischen sechs Monaten und drei Jahren betroffen, da ihr Kehlkopf noch sehr klein ist und sich die Atemwege leicht verschließen können. Etwa neun Prozent der Kinder dieser Altersgruppe erkranken daran. Aber auch bis zum sechsten Lebensjahr kommt es noch zu Anfällen, die Jungen häufiger ereilen als Mädchen. In Gegenden mit starker Luftverschmutzung erkranken mehr Kinder an Pseudo-Krupp als auf dem Land.

Wann kommt ein Anfall und wie verläuft er?

Anfälle von Atemnot kommen meist in der Nacht zwischen 22 Uhr und zwei Uhr - das ist die Zeit, da der natürliche Cortison-Spiegel im Blut jedes Menschen sinkt und damit Schwellungen besonders stark werden. Manchmal kommt es ohne Vorwarnung zu einem Anfall, oft aber, nachdem das erkältete Kind tagsüber bereits durch Heiserkeit und bellenden Husten auffiel. Während eines Anfalls ist beim Einatmen des Kindes ein ziehendes, fast pfeifendes Geräusch zu hören. Meist wird das Kind von der Atemnot wach und reagiert verständlicherweise angsterfüllt bis panisch.

Was tun bei einem Pseudo-Krupp-Anfall?

Hier gilt in besonderem Maße: Ruhe ist die erste Bürgerpflicht. Selbst Ruhe zu bewahren und dem Kind die Panik zu nehmen wirkt der Atemnot entgegen. Besonders, wenn der Anfall bei einem Kind erstmals auftritt und eventuell noch keine Medikamente im Haus sind, sollte der Notarzt verständigt werden. Erste Linderung bringt kühl-feuchte Luft: Also das Kind anziehen und auf den Balkon gehen. Es kann aber auch die herausströmende Kaltluft des geöffneten Kühlschranks oder der Tiefkühltruhe einatmen. Gute Erfahrungen haben zudem viele Eltern damit gemacht, ihr Kind mit ins Bad zu nehmen. Dort bei weit geöffnetem Fenster Wasser laufen lassen, so dass der Wasserdampf eingeatmet werden kann. Außerdem sollte das Kind etwas (zum Beispiel Mineralwasser) zu trinken bekommen. Der Notarzt wird bei einem schwereren Anfall sicher ein Cortisonpräparat in Zäpfchen-Form (meist Prednison-Zäpfchen, z.B. Rectodelt) verabreichen - die einzige wirkungsvolle Therapie, um einen schweren Pseudokrupp-Anfall zuverlässig zum Abklingen zu bringen.

Aber Cortison ist doch schädlich...

Bei aller verständlichen Skepsis gegenüber Cortison: Ein Pseudo-Krupp-Anfall kann für das Kind lebensbedrohlich werden. Ärzte raten daher dringend, mit der Gabe des Zäpfchens nicht allzu lange zu zögern, da das Präparat bis zu einer halben Stunde braucht, um seine Wirkung zu entfalten. Die gefürchteten Nebenwirkungen von Cortison sind bei einer so kurzen Behandlung wie beim Pseudo-Krupp nicht zu befürchten. Sie treten nur bei Langzeitanwendungen auf. Beim Pseudo-Krupp reicht jedoch häufig eine Einmal-Gabe. Meist ist die Erkrankung nach ein bis zwei Tagen abgeklungen. Und: Wiederholen sich die Symptome in den folgenden Nächten, verlaufen sie in der Regel milder.

Dem Anfall vorbeugen

Eltern, deren Kind schon einmal einen Anfall von Pseudo-Krupp hatte, sollten das Cortison-Präparat für den Notfall stets bei sich haben. Bei Erkältungen des Kindes kann es vorbeugend mit dem Kopf etwas höher gebettet und durch das Aufhängen feuchter Tücher im Schlafzimmer für ausreichend feuchte Luft gesorgt werden. Ein weiterer wichtiger Aspekt zur Vorbeugung ist es, das Rauchen in der Wohnung unbedingt zu unterlassen. Zuverlässig verhindern kann man mit all diesen Maßnahmen einen Pseudokrupp-Anfall aber nicht.

Informationen zum Thema finden Sie auch unter www.pseudokrupp.de.

Lesen Sie hierzu außerdem: Atemlose Kinder: Asthma

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