Kleine Marotten bei Kleinkindern

Hilfe, mein Kind hat einen Tick!

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Ermahnungen helfen nicht

Auslöser für die von den Kindern selbst erfundenen Rituale seien daher, so die Ärztin, oft sogenannte Schwellensituationen, wie beispielsweise der Eintritt in den Kindergarten. Hier brauche ein Kind manchmal verstärkt das Gefühl der Sicherheit inmitten seiner Verunsicherung. Da seien wiederkehrende Handlungen oder Bewegungen für das Kind "eine Möglichkeit, wie es mit Gefühlen, Ängsten und Befürchtungen umgehen kann." Nicht immer jedoch stecken tiefgründige psychische Ursachen dahinter: "Manchmal sind es auch einfach unangenehme Körperempfindungen, die solches Verhalten auslösen." Im Falle meiner Tochter Elina wäre dies wohl das knubbelnde Unterhemd, das sich für sie fies anfühlt und daher immer glattgezogen sein muss. Lediglich die Häufigkeit nervt. Klar, wir Eltern wissen und verstehen zwar: Kleine Kinder mögen Wiederholungen. Und sie brauchen wiederkehrende Rituale, um sich wohl oder sicher zu fühlen. Wenn sie aber starre Gewohnheiten entwickeln, die noch dazu übertrieben oder unsinnig erscheinen, kann dies die geplagten Erziehenden durchaus an den Rand des Wahnsinns treiben. Der erste Impuls ist dann, das Kind zu ermahnen, doch bitte einfach damit aufzuhören. "Ermahnen oder das Verhalten verbieten zu wollen, bringt gar nichts", betont Dr. Streeck-Fischer. Denn das Kind könne diese Handlungen nicht einfach unterlassen. "Man kann als Eltern aber versuchen, dem Kind beim Finden eigener Strategien zur Bewältigung zu helfen." Wenn der Auslöser eine Belastungssituation sei, könne man mit dem Kind zusammen einen Weg finden, wie es besser damit umgehen kann. Wichtig sei aber, es in erster Linie dem Kind zuzutrauen, die Sache zu bewältigen, und ihm diese Initiative nicht aus der Hand zu nehmen.

Konkret hieße das also für uns Eltern: Nicht auf dem Tick oder dem störenden Verhalten herumreiten und darüber meckern. Sondern beobachten, in welchen Situationen es verstärkt auftritt und dem Kind helfen, eine andere Möglichkeit zu finden, Spannungen abzubauen. Gleichzeitig müssen Eltern gucken, ob das Kind im Alltag gerade besondere Herausforderungen bewältigen muss, wie eine Trennung oder Umzug, die Geburt eines Geschwisterchens oder den besagten Kiga-Start. Hilfreich sind dann Gespräche mit dem Kind über seine Gefühle. Man kann das Kind danach fragen, was ihm vielleicht helfen würde, die neue Situation besser zu meistern, und seine Ideen aufgreifen.