Trocken werden

Die Sache mit dem Töpfchen

Dieser "Kampf der Giganten" kostet Mami und Papi einige Nerven: Wie hilft man seinem Kind dabei, sich dauerhaft von der Windel zu verabschieden? Und wann ist der ideale Zeitpunkt dafür?

Autor: Gabriele Möller
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Töpfchen: Wann ist es soweit?

Mutter Tochter Toepfchen

Fast eine Tonne nasser Windeln produziert ein Kind während der durchschnittlich drei Jahre dauernden Wickelzeit. Tausende von Malen heißt es da am Kind Schnuppern (Ach, Du je!), drei Schichten Kleidung ausfrickeln, Windel öffnen, Inhalt inspizieren, Po reinigen, neue Windel anziehen und fertig. Fertig ist da irgendwann auch der geduldigste Schnellwickel-Experte. Kein Wunder, dass alle Eltern jubilieren, wenn der Nachwuchs eines Tages selbst den Weg zum Töpfchen findet. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, mit der „Sauberkeitserziehung“, wie es so schön altväterlich heißt, zu beginnen? Stimmt es wirklich, dass manche Kinder schon mit einem Jahr trocken werden? Was tut man, wenn das Kind einfach nicht sauber werden möchte, oder gar nach anfänglichem Erfolg wieder rückfällig wird? Und wieso fangen manche ältere Kinder plötzlich nach Jahren wieder an, ins Bett zu nässen?

Wann du am besten mit der Sauberkeitserziehung beginnst, beantwortet Experte Jan-Uwe Rogge in diesem kurzen Video:

Töpfchen fürs Baby: Viel zu früh!

Überließe man es dem Kind völlig selbst, wann es sauber werden möchte, wäre es erst im Alter von vier bis fünf Jahren trocken, sagen Fachleute. Da ist es leicht einsehbar, dass es nicht gut sein kann, ein Kind schon im Alter von ein oder anderthalb Jahren aufs Töpchen zu setzen. Dennoch ist diese Eile bis heute keine Seltenheit, aller psychologischen Aufklärung zum Trotz. Bei Kindern, die schon so früh trocken sind, sprechen Psychologen denn auch eher von einer Art Dressur, die hier vonstatten geht und manchmal sogar funktioniert, als von wirklichem bewussten Sauberwerden. Das kindliche Gehirn ist nämlich frühestens mit zwei bis zweieinhalb Jahren wirklich reif genug, um die Ausscheidungsfunktion zu kontrollieren. Babys haben also noch nichts auf dem Töpfchen zu suchen.

Die Verbindung zwischen dem anfänglichen Drang, dem darauf folgenden Vorgang des Geschäftchens“ und dem Ergebnis (volle Windel) herzustellen, ist nämlich sehr kompliziert und wird vom Kind erst allmählich geleistet. Bis es dann lernt, bereits an der Stelle „Drang“ selbst Maßnahmen zu ergreifen (Bescheid sagen, oder aufs Töpfchen gehen), braucht es noch einmal eine ausgiebige Lernphase und recht viel Zeit.

Töpfchen: Ab wann sind Jungs trocken, ab wann Mädchen

Im Durchschnitt werden bei sanfter Unterstützung die meisten Mädchen mit zweieinhalb, die Jungen mit drei Jahren sauber. Ärzte sprechen übrigens erst beim nächtlichen Einnässen nach dem vierten Lebensjahr von einer Entwicklungsverzögerung oder dem Hinweis auf ein medizinisches Problem. Selbst wenn Ihr Kind also ein Spätzünder in Sachen Töpfchen ist, besteht noch lange Zeit kein Grund zur Sorge.

 

Häufiges Üben bremst eher

Viele Kinder registrieren mit gut anderthalb Jahren zum ersten Mal bewusst, dass sie gerade ihr Windelgeschäft machen. Aufgeregt zeigen Sie auf den Unterleib und machen Ihre Eltern darauf aufmerksam, dass sich dort gerade etwas Interessantes getan hat. Doch meist dauert es jetzt noch mindestens ein halbes, oft auch ein Jahr, bevor der Nachwuchs eine Verbindung zwischen dem Drang und dem „Produkt“ herstellt. Erst, wenn das Kind merkt, dass es die entsprechende Muskulatur spannen und entspannen kann, beginnt man, den Zweck des Töpfchens zu erklären. Ab diesem Zeitpunkt dauert es mindestens sechs bis acht Wochen, bevor das Kind tagsüber sauber ist, meist länger. Bis auch nachts nichts mehr in die Windel geht, dauert es noch mal sechs Monate mehr (all dies sind statistische Werte, natürlich gibt es Abweichungen).

Übrigens ist der Töpfchenerfolg keine Frage des häufigen Trainings. Oftmaliges Üben bringt keinen schnelleren Erfolg. Es ist eine große Leistung, wenn das Kind die bisher automatischen Prozesse der Entleerung bewusst zu steuern lernt. Diesen körperlichen und psychischen Reifeprozess kann man nicht beschleunigen. Zu großes Drängen und zu häufiges Üben ruft überdies eher den Trotz und die Abwehr des Kindes hervor, statt zu schnellem Sauberwerden zu führen.

Tipps für ein kindgemäßes Training

  • Warten Sie mit der Sauberkeitserziehung, bis Sie merken, dass dem Kind der Zusammenhang zwischen „Müssen“ und dem Geschäft klar zu werden beginnt. Manchmal macht es seine Eltern selbst auf die volle Windel aufmerksam. Manchmal sieht man dem Kind aber auch einfach an, dass es jetzt bald macht: Es blickt geistesabwesend und konzentriert sich sichtlich.
  • Setzen Sie Ihr Kind nun versuchsweise hier und da aufs Töpfchen, wenn die übliche Zeit des großen Geschäfts näher rückt. Da Kinder etwa alle 20 Minuten pinkeln, kann man auch probieren, das Kind einfach auf Verdacht ein paar Minuten aufs Töpchen zu setzen, um einen „Zufallstreffer“ zu erzielen. Hat das Kind dann eines Tages tatsächlich ein Häufchen in den Topf (oder via Einsatz in die Toilette) gemacht oder hinein gepinkelt, muss man es natürlich entsprechend loben. Anfangs wird das Kind jedoch auf dem Töpfchen sogar eher einhalten, als loslassen. Die Anspannung der Muskulatur ist nämlich leichter, als das bewusste Loslassen.
  • Nebenbei können Sie auch beim normalen Windelnwechseln dem Kind sein Produkt zeigen, es benennen (z.B. „A-A“) und ihm erklären, dass das ins Töpfchen gehört. So kann es später schon im vor hinein A-A oder Pipi sagen, wenn es muss.
  • Dabei ganz wichtig: Äußern Sie niemals Laute des Abscheus oder Ekels, wenn Sie mit dem Kind über seine Ausscheidungen sprechen, ziehen Sie kein Gesicht, rümpfen Sie nicht die Nase. Das Kind bekommt sonst den Eindruck, dass sein Körper und was damit zusammen hängt, etwas Negatives und Übles ist.
  • Schimpfen Sie nicht, und zeigen Sie keine Enttäuschung, wenn eine „Sitzung“ auf dem Töpfchen ergebnislos verlief. Auch aus einem vollen Höschen sollte man keine Affäre machen, sondern sich freundlich-gelassen zeigen. Umgekehrt sollte Ihr Lob für einen gelungenen Töpfchengang nicht zu überschwänglich ausfallen, der Gang aufs Töpfchen soll ja etwas Selbstverständliches werden.
  • Vermeiden Sie ergebnislose „Sitzungen“, die länger als einige Minuten dauern. Dem Kind geht sonst der Zusammenhang zwischen Geschäft und Töpfchen verloren und der Topf wird zum simplen Sitzmöbel.

Ist unser Kind ein Bettnässer?

Von einem verzögerten Trockenwerden spricht man erst, wenn ein Kind von fünf Jahren und mehr nachts noch nicht trocken ist. Wenn Kinder unter sieben Jahren über mehr als drei Monate hinweg und mindestens zweimal monatlich nachts ins Bett machen (Kinder über sieben Jahre einmal), sollte man Ursachenforschung betreiben. Zunächst müssen vom Kinderarzt mögliche organische Ursachen abgeklärt werden. Bei Kindern, die bereits sechs Monate oder länger trocken waren und plötzlich wieder einzunässen beginnen, müssen auch seelische Ursachen für das nächtliche Bettnässen in Erwägung gezogen werden. Hier kommen Eheprobleme oder die Scheidung der Eltern ebenso in Frage, wie die Geburt eines neuen Geschwisterchens, schulische Probleme oder einfach Zuwenig an Liebe und Zuwendung. Klären Sie mit dem Kinderarzt ab, ob fachliche Unterstützung (psychologische Beratung, Familientherapie) notwendig ist. Ist kein Grund für die Störung auszumachen, muss auch ein bisher unentdeckter sexueller Missbrauch in Erwägung gezogen werden.

Ist organisch alles in Ordnung und sind psychische Ursachen geklärt oder in „Bearbeitung“, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, gemeinsam mit dem Kind den nächtlichen Harndrang wahrnehmen zu lernen, wie z.B. ein Motivations- oder ein Blasentraining sowie die sog. Klingelhose, die automatisch ein Signal abgibt, wenn sie nass wird.

Tipps vom Kinderarzt: Mit fünf noch nicht trocken ist das normal?

Lesetipps

  • Haug-Schnabel, Gabriele: Wie Kinder trocken werden können. Oberstebrink Verlag 1998 (ISBN 3980449343).
  • Jähnert, Tina: Knöpfchen geht aufs Töpfchen. Sauberkeitserziehung mit Erfolg. Pattloch Verlag, Augsburg 1997 (ISBN 362900248X).
  • XENOS: Mein Töpfchen und ich. Ein lehrreiches Pop-up-Buch. Xenos Verlag, Hamburg 1996 (ISBN 3821215712).

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