Trocken werden
Die Sache mit dem Töpfchen
Dieser "Kampf der Giganten" kostet Mami und Papi einige Nerven: Wie hilft man seinem Kind dabei, sich dauerhaft von der Windel zu verabschieden? Und wann ist der ideale Zeitpunkt dafür?
Eine Tonne Windeln verbraucht jedes Kind
Fast eine Tonne nasser Windeln produziert ein Kind während der durchschnittlich drei Jahre dauernden Wickelzeit. Tausende von Malen heißt es da am Kind Schnuppern (Ach, Du je!), drei Schichten Kleidung ausfrickeln, Windel öffnen, Inhalt inspizieren, Po reinigen, neue Windel anziehen und fertig. Fertig ist da irgendwann auch der geduldigste Schnellwickel-Experte. Kein Wunder, dass alle Eltern jubilieren, wenn der Nachwuchs eines Tages selbst den Weg zum Töpfchen findet. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt, mit der „Sauberkeitserziehung“, wie es so schön altväterlich heißt, zu beginnen? Stimmt es wirklich, dass manche Kinder schon mit einem Jahr trocken werden? Was tut man, wenn das Kind einfach nicht sauber werden möchte, oder gar nach anfänglichem Erfolg wieder rückfällig wird? Und wieso fangen manche ältere Kinder plötzlich nach Jahren wieder an, ins Bett zu nässen?
Zu früh aufs Töpfchen: Schädliche Dressur
Überließe man es dem Kind völlig selbst, wann es sauber werden möchte, wäre es erst im Alter von vier bis fünf Jahren trocken, sagen Fachleute. Da ist es leicht einsehbar, dass es nicht gut sein kann, ein Kind schon im Alter von ein oder anderthalb Jahren aufs Töpfchen zu setzen. Dennoch ist diese Eile bis heute keine Seltenheit, aller psychologischen Aufklärung zum Trotz. Bei Kindern, die schon so früh trocken sind, sprechen Psychologen denn auch eher von einer Art Dressur, die hier vonstatten geht und manchmal sogar funktioniert, als von wirklichem bewussten Sauberwerden. Das kindliche Gehirn ist nämlich frühestens mit zwei bis zweieinhalb Jahren wirklich reif genug, um die Ausscheidungsfunktion zu kontrollieren.
Die Verbindung zwischen dem anfänglichen Drang, dem darauf folgenden Vorgang des Geschäftchens“ und dem Ergebnis (volle Windel) herzustellen, ist nämlich sehr kompliziert und wird vom Kind erst allmählich geleistet. Bis es dann lernt, bereits an der Stelle „Drang“ selbst Maßnahmen zu ergreifen (Bescheid sagen, oder aufs Töpfchen gehen), braucht es noch einmal eine ausgiebige Lernphase und recht viel Zeit.
Jungs werden später trocken als Mädchen
Im Durchschnitt werden bei sanfter Unterstützung die meisten Mädchen mit zweieinhalb, die Jungen mit drei Jahren sauber. Ärzte sprechen übrigens erst beim nächtlichen Einnässen nach dem vierten Lebensjahr von einer Entwicklungsverzögerung oder dem Hinweis auf ein medizinisches Problem. Selbst wenn Ihr Kind also ein Spätzünder in Sachen Töpfchen ist, besteht noch lange Zeit kein Grund zur Sorge.







