Schmiegsame Gefährten

Kleine Entwicklungshelfer: Kuscheltiere

Paula hat eins, Jonas auch. Genau wie Marie, Laura und Felix: ein Lieblings-Kuscheltier! Zum Liebhaben und fest im Arm halten, wenn's aufregend wird oder gemütlich. Ob Teddy, Hasi, Püppi oder Schnuffeltuch – drei von vier Kindern suchen sich im Laufe der ersten zwei Lebensjahre einen Gefährten aus Stoff, der für sie weit mehr ist als nur ein Spielzeug.

Autor: Anja Schimanke
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Unzertrennlich: Schmusetier und Baby

Junge schlafend Teddy
Foto: © Panthermedia/ Ron Chapple

Wo Paula ist, ist auch ihr Teddy nicht weit. Teddy ist ein Stoffbär und Paulas Lieblingskuscheltier. Das gab’s schon, da war Paula selbst noch gar nicht auf der Welt. Es saß in ihrem Bettchen und wartete … Als sie endlich zu ihm gelegt wurde, war sie knapp vier Tage alt und fast doppelt so groß wie er. Seitdem sind Paula und ihr Teddy unzertrennlich. Er steht morgens mit ihr auf, liegt zu ihren Füßen, wenn Paula auf dem Töpfchen sitzt und begleitet sie in die Kita. Er geht mit ihr auf den Kindergeburtstag und natürlich auch zum Impftermin, kommt mit zu den Großeltern und selbstverständlich jeden Abend mit ins Bett. Alles ohne Murren. Meistens klemmt er unter Paulas Arm, manchmal baumelt er an nur einem Bein oder wird auch mal wie ein Ball in die Ecke gekickt. Ja, der Teddy hat im Laufe seines Lieblingskuscheltierlebens schon viel erlebt, hat auf den gemeinsamen Ausflügen viel Staub geschluckt, ist in Pfützen geschwommen und hat ein Ohr eingebüßt. Sein Fell ist längst nicht mehr so flauschig, die Knopfaugen haben Kratzer. Wer als Lieblingsstofftier etwas taugen will, muss weich sein und hart im Nehmen, soll flexibel sein und gleichzeitig Halt geben. Kein leichtes Dasein. Doch Teddy weiß um seine Bestimmung: Er wurde von Paula auserwählt unter vielen – er ist etwas ganz Besonderes!

Teddy, Hasi & Co.

Wie Paula haben drei von vier Kindern ein absolutes Lieblingsstofftier, das sie überall hin begleitet. Die Wahl ihres ganz persönlichen Gefährten treffen die Kleinen meist schon im Laufe der ersten zwei Lebensjahre. Manchmal wird es noch mal gewechselt, meistens aber bleibt es bei dem einen. Einige Kinder haben auch mehrere Begleiter oder keinen. „Es ist eine ganz individuelle Entscheidung des Kindes und meist von den Erwachsenen nicht nachvollziehbar, nach welchen Gebrauchskriterien es ausgewählt wurde“, weiß Medienpädagogin Dr. Maya Götz. Zusammen mit ihrer Kollegin Andrea Holler vom Internationalen Zentralinstitut für das Jugend- und Bildungsfernsehen untersuchte sie in einer Studie, welche Kuscheltiere Kinder in Deutschland zurzeit favorisieren und welche Funktionen sie im Alltag der Kinder übernehmen.

Ganz klarer Kuschelsieger: Der Teddy! Fast die Hälfte der 1- bis 2-Jährigen hat ihn als liebstes Stofftier für sich auserkoren. Und: Er hat gegenüber früheren Generationen sogar noch an Sympathiepunkten gewonnen. Warum der Bär so beliebt ist? „Er hat zwei Arme, zwei Beine, eine Nase und ein Gesicht, das dem Menschen sehr ähnlich ist“, erklärt Maya Götz. Seine Körperform, besonders der große Kopf, komme dem eines Kindes sehr nahe. „Einen Bär kann man hinsetzen, hinlegen und herumtragen – man kann ihn wie einen Menschen behandeln, im Gegensatz zu einem Stoffhund beispielsweise, der meist auf seinen vier Beinen steht“, so die Medienpädagogin. Aber auch Hunde, Hasen, Eisbären und das ein oder andere Kuscheltuch finden den Weg in die Herzen der Kleinen – und in ihre Betten. Denn fast alle Kinder zwischen einem und vier Jahren brauchen ihren Stofffreund zum Einschlafen.

Das Stofftier als emotionaler Begleiter

Ohne ihren Teddy geht Paula nicht ins Bett. Niemals. Denn nur mit ihm im Arm kann sie gut einschlafen. Da es zu intensivem Hautkontakt kommt, sollten Eltern bei der Auswahl der Kuscheltiere darauf achten, dass die Kuscheltiere gut waschbar sind und widerstandsfähig. Dr. Maya Götz, Mutter von zwei Kindern, deren älteste Tochter ihr Lieblingsstofftier verloren hat, empfiehlt: „Markenprodukte kaufen! Sie lassen sich leichter nachzukaufen. Am besten besorgt man gleich zwei und hat so immer einen Ersatz im Schrank!“ Zum einen dient das Lieblingsstofftier den meisten Kindern als Einschlafhilfe, zum anderen als Trostspender und Kraftquelle in Situationen, in denen sie Halt brauchen. Da kann die Größe des Kuscheltiers fürs Kind eine Hilfe sein, damit es richtig in den Arm genommen werden kann. Aber auch die kraftvollen Eigenschaften des Tieres können ein Faktor sein, um sich sicher zu fühlen. „Kuscheltiere haben eine emotional beruhigende und versichernde Funktion“, so Götz. Halt geben. Trösten. Einfach nur da sein. Greifbar. So avanciert das Kuscheltier zum emotionalen Begleiter, eine vom Kind entwickelte Strategie zur Alltagsbewältigung und Teil der Selbstheilungsmechanismen. „Am Anfang ist es für viele Kinder zentral wichtig, dass ihr Stofftier überall mit kommt, denn es hilft ihnen enorm“, weiß Dr. Maya Götz, „es gibt ihnen Kraft und da reicht es schon, wenn es das Kind nur im Arm hält, und das sollten Eltern ihrem Kind schon ermöglichen.“ Ab dem Kindergarten bzw. mit drei Jahren, können Eltern gemeinsam mit dem Kind überlegen, ob das Stofftier noch mit muss oder ob es im Buggy, im Auto oder Zuhause warten kann und das Kind den Schritt auch alleine schafft. Dabei sollten Eltern allerdings vermeiden, das Kind und seine Gefühle abzuwerten, indem sie bestimmen, dass das Stofftier lang genug dabei war und das Kind jetzt schon groß genug sei, mahnt Maya Götz. „Man sollte das Kind ernst nehmen und ihm helfen sich zu entwickeln – und dazu gehört auch, das Kuscheltier ernst zu nehmen und das Kind wertzuschätzen.“

Das Stofftier als beseelter Spielgefährte

Dass Stofftiere für Kinder mehr sind als nur ein Spielzeug, haben Götz und ihr Team belegt. Auch wenn sie ihr Stofftier zu Rollenspielen nutzen. Da Kinder in dem Alter noch nicht über die kognitiven Fähigkeiten verfügen, erarbeiten sie anhand dieser Rollenspiele, was richtig ist und was falsch! Dies hilft ihnen, Erlebtes zu verarbeiten und dient ihrer Selbstentwicklung und dem Aufbau von Identität. War Paula beim Kinderarzt und hat eine Spritze bekommen, wird sie später auch ihrem Teddy eine verpassen. Vermutlich wird er dann wie sie reagieren, entweder weinen oder tapfer sein. Vielleicht schreit er auch oder ist frech zum Kinderarzt? „Kinder benutzen ihre Stofftiere so, wie sie es gerade brauchen“, erklärt die Forscherin, denn es repräsentiert einen Teil des Kindes, mal ist es der bockige Teil, mal der freche oder der anlehnungsbedürftige Teil – beseelt nennen das die Experten, wenn Teile des Selbst reproduziert werden. Dr. Maya Götz: „Das Kind lässt sich durch das Kuscheltier sprechen, um sich mit sich selbst und dem Erlebten auseinanderzusetzen, um sich etwas bewusst zu machen.“ Kinder, die mehr als ein Lieblingsstofftier haben, verteilen die unterschiedlichen Rollen meist auf mehrere Stofftiere.

Was ist mit den Kindern, die keinen ständigen Begleiter haben? „Bei mehr als 40 Stofftieren ist es fürs Kind so gut wie unmöglich, sich auf eins einzulassen “, kritisiert die Medienpädagogin die Stofftierflut in manchen Kinderzimmern. „Ein Kind muss sich ja auf eins einlassen können, um eine Beziehung aufzubauen!“ Ob Teddy, Hasi, Püppi oder Schlumpi, wie der Stoffhund von Maya Götz heißt, den sie seit ihrer Kindheit hat – sie alle agieren als Entwicklungshelfer für Psyche und Sozialisation der Kinder und spielen eine bedeutende Rolle in ihrem Leben. Wie bedeutend, weiß etwa die Hälfte der  Erwachsenen – sie haben ihr Lieblingsstofftier bis heute.

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