Tagesmutter

Die Tagesmutter – Eine gute Alternative

Eine gute Tagesmutter ist Gold wert, aber leider nicht immer leicht zu finden. Was Sie bei der Suche, der Auswahl und der Eingewöhnung beachten sollten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Tagesmutter Babys
Foto: © iStockphoto.com / lostinbids
Spätestens, wenn Mütter von kleinen Kindern wieder berufstätig werden wollen oder müssen, überlegen sie sich, wie ihr Kind betreut werden soll. Da Krippenplätze oft rar sind, bietet die  Betreuung im Haushalt einer Tagesmutter eine gute Alternative für die Zeit bis zum Kindergarten. Vorteilhaft ist hierbei, dass die Kinder in einem überschaubaren Kreis von Teilzeitgeschwistern aufwachsen.

Was spricht für eine Tagesmutter?

Das Kind bleibt in einer gewohnten familiären Welt. Sein sozialer Horizont wächst dabei, weil es die Aktivitäten und  Besuche in der Tagesfamilie miterlebt. Außerdem ist es in der Tagespflege oft möglich, Abhol- und Bringzeiten bei Bedarf flexibel zu gestalten. Viele Tagesmütter sind auch bereit, ein – leicht – erkranktes Kind zu betreuen.

Einen Nachteil gibt es allerdings: Fällt die Tagesmutter aus, ist die Betreuung für diesen Zeitraum nicht gesichert. Eltern sind daher gut beraten, sich für diesen Fall einen Notfallplan zurechtzulegen. Damit die ganze Sache funktioniert, sollte die Tagesmutter mit Bedacht ausgewählt und wichtige Punkte schon im Vorfeld abgesprochen werden.

Auch die Frage, ab welchem Alter das Kind von einer Tagesmutter betreut werden kann, ist wichtig. Wenn möglich, sollte der  Wiedereintritt in den Beruf rechtzeitig geplant werden, denn mitunter nimmt die Suche nach der passenden Kinderbetreuung mehrere Monate in Anspruch. Das Deutsche Jugendinstitut fand in einer Studie heraus, dass es günstig ist, ein Kind vor dem ersten Geburtstag oder nach dem zweiten Lebensjahr in eine Fremdbetreuung zu geben. Entwicklungsbedingt fällt es vielen Kindern zwischen ein und zwei Jahren schwer, sich an eine neue Umgebung zu gewöhnen.

Die richtige Tagesmutter finden

Tagesmütter findet man über:

  • das zuständige Jugendamt
  • Empfehlungen durch Freunde und Bekannte
  • das Internet, z. B. Laufstall.de
  • die Kartei des Bundesverbands für Kindertagespflege
  • eine Anzeige in Lokalzeitungen oder Aushänge auf schwarzen Brettern, z. B. im Kinder-Second-Hand-Laden

Haben Sie eine geeignete Person gefunden, sollten die grundlegenden Voraussetzungen mit der zukünftigen Tagesmutter bereits beim ersten Telefonat abgeklärt werden. Dazu gehören unbedingt Betreuungsort und Betreuungszeiten. Findet die Betreuung zum Beispiel bei der Tagesmutter zu Hause oder an einem anderen Ort statt? Wie viele Kinder betreut sie dort und wie alt sind diese? Erfolgt die Betreuung ganztags oder nur zu bestimmten Zeiten und wie werden Urlaubs- und Krankheitstage geregelt? Auch der Erziehungsstil der Tagesmutter, die Eingewöhnung sowie die Kosten sollten bereits beim ersten Kontakt angesprochen werden.

Schon bei diesem ersten Kontakt ist oft zu spüren, ob man einen Draht zueinander hat. Sind sich Eltern und Tagesmutter sympathisch und in den Grundpunkten einig, kann ein erstes Treffen im Haushalt der Tagesmutter stattfinden. Dies bietet sich am besten an, wenn auch die anderen Kinder, die im Haushalt betreut werden, anwesend sind. Es ist dann leichter, sich schon vorab ein Bild davon zu machen, ob auch die Kinder zueinander passen.

Bei der Wahl der Tagesmutter gilt: Die Chemie zwischen Eltern und Tagesmutter muss stimmen. Bereits im ersten Kontakt lässt sich viel erkennen. Wie sensibel geht sie auf das ihr fremde Kind zu? Wie einfühlsam und liebevoll ist ihre Ausstrahlung? Wie reagiert das eigene Kind auf die Tagesmutter?

Die Räumlichkeiten, in denen die Kinder betreut werden, sollten laut dem „Handbuch Kindertagespflege“ folgende Mindeststandards erfüllen:

  • ausreichend Platz für Spielmöglichkeiten
  • eine anregungsreiche Ausgestaltung
  • geeignete Spiel- und Beschäftigungsmaterialien
  • unfallverhütende und gute hygienische Verhältnisse
  • insbesondere für Kleinkinder eine Schlafgelegenheit
  • Möglichkeit des Spielens und Erlebens in der Natur, in Wald- oder Parkanlagen

Tagesmutter werden – jede Tagesmutter braucht eine Ausbildung

Neben dem ersten Eindruck ist es wichtig zu wissen, dass es auch für freie Tagesmütter  gesetzliche Vorschriften gibt. Nach dem neuen Tagesbetreuungsausbaugesetz dürfen bis zu fünf Kinder betreut werden – oder weniger, je nach landesrechtlichen Voraussetzungen oder der individuellen Situation. Um Tagesmutter zu werden, die ein oder mehrere Kinder über 15 Stunden wöchentlich in ihren eigenen Räumen betreuen will, benötigt man eine Erlaubnis durch das zuständige Jugendamt. Dabei werden die Sachkompetenz und Persönlichkeit der Tagesmutter überprüft. „Um ihre Eignung zu belegen, müssen Tagespflegepersonen über vertiefte Kenntnisse hinsichtlich der Anforderungen der Kindertagespflege verfügen, die sie in qualifizierten Lehrgängen erworben oder in anderer Weise nachgewiesen haben“, heißt es dazu im „Handbuch Kindertagespflege“ des Familienministeriums.

Vertrag und Bezahlung

Was bei der Beschäftigung einer Tagesmutter für Kosten auf die Eltern zukommen, hängt von der Art der Betreuung ab. Suchen Eltern die Tagesmutter über das Jugendamt, bemisst sich der zu zahlende Eigenbeitrag an ihren finanziellen Rahmenbedingungen, den Rest zahlt der Staat. Genaue Informationen erteilt das jeweils vor Ort zuständige Jugendamt.

Sucht man sich privat eine Tagesmutter, wird deren Verdienst frei vereinbart. Die Stundensätze variieren regional erheblich, sodass eine pauschale Empfehlung kaum möglich ist. Die Höhe hängt unter anderem auch davon ab, ob zum Beispiel die Verpflegung des Kindes bereits in diesem Betrag enthalten ist und für wie viele Wochenstunden die Betreuung vereinbart wird. Am besten orientiert man sich, indem man mit verschiedenen Tagesmüttern spricht und deren Angebote vergleicht. Auch andere Mütter aus dem eigenen Umfeld können Auskunft darüber geben, mit welchen Kosten zu rechnen ist.

Ein Vertrag schafft von Anfang an Klarheit über Betreuungszeiten, Kosten, Krankheits- und Urlaubsregelungen, Arztvollmacht und Kündigungsfrist und sollte daher immer abgeschlossen werden. Eltern und Tagesmütter können Musterverträge zum Beispiel bei den Jugendämtern oder bei Tagesmütter-Vereinen bekommen. Eine Checkliste im „Handbuch Kindertagespflege“ gibt Auskunft, welche Punkte in einem Betreuungsvertrag geregelt werden sollten:

  • Betreuungs-, Erziehungs- und Bildungsziele
  • Zeitraum und Ort der Betreuung
  • Vergütung
  • Zahlungsmodalitäten
  • Krankheit
  • Urlaub
  • Haftung und Versicherung
  • Beendigung des Betreuungsverhältnisses (Kündigungsregelungen)
  • Schweigepflicht

Die richtige Eingewöhnung

Je nach Alter und Kontaktfreudigkeit dauert es zehn Tage bis vier Wochen oder auch länger, bis sich ein Kind  an die fremde Umgebung gewöhnt hat. Wenn möglich, ist es für alle Beteiligten hilfreich, mindestens einen Monat vor dem Start des neuen Jobs mit der  Eingewöhnung zu beginnen. So haben Eltern, Kind und Tagesmutter genügend Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. In der Eingewöhnungsphase verbringen Mutter oder Vater regelmäßig mit dem Kind eine bestimmte Zeit in der neuen Umgebung. Erst wenn das Kind einen gewissen Grad an Vertrautheit mit der neuen Bezugsperson, den anderen Kindern und der neuen Umgebung erreicht hat, fangen die Eltern an, sich langsam in kleinen Schritten zurückzuziehen und das Kind bei der Tagesmutter alleine zu lassen. Eltern sollten sich aber niemals heimlich wegschleichen, sondern sich immer eindeutig von ihrem Kind verabschieden. Am Ende der Eingewöhnungsphase hat sich das Kind mit Unterstützung der Eltern soweit an die neuen Bezugsperson und das sonstige Umfeld gewöhnt, dass diese es nur noch bringen und nach einer nicht allzu ausgedehnten Verabschiedung bei der Tagesmutter lassen können. Eltern dürfen aber nicht erwarten, dass das Kind beim Abschied von Mutter oder Vater überhaupt nicht mehr weint. Wichtig ist dann, dass es sich von seiner Tagesmutter trösten lässt und deren körperliche Nähe sucht. Hört es nach kurzer Zeit auf zu weinen und lässt es sich außerdem auf den Kontakt mit den inzwischen ja bereits ein wenig vertrauten anderen Kindern ein, ist die Eingewöhnung gelungen.

Allen Müttern und Vätern tut es weh, ein weinendes Kind bei einem anderen Menschen zurückzulassen. Um den Trennungsschmerz (sowohl dem des Kindes als auch den eigenen) kommt man nicht herum, irgendwann muss man gehen. Oft hilft während der ersten Tage die Vereinbarung, dass die Tagesmutter sich kurze Zeit später nochmals telefonisch meldet, um der Mutter oder dem Vater mitzuteilen, dass sich das Kind wieder beruhigt hat und was es nun gerade macht. Ein kleiner Hinweis zum Schluss: Erzieherinnen beobachten immer wieder, dass Kindern, deren Mütter ganz klar hinter ihrer Entscheidung stehen, das Kind in eine Betreuung zu geben, der Abschied leichter fällt.

Hier finden Sie das „Handbuch Kindertagespflege“


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