Polterabend und Brautjungfern

Wo kommen die Hochzeitsbräuche her?

Polterabend, Hochzeitslader, Brautjungfern - urbia stellt einige alte Hochzeitsbräuche und ihre Ursprünge vor. Ein bisschen Aberglaube ist immer noch dabei...

Autor: Gabriele Möller
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Persönlicher als Post: der Brautbitter

Brautpaar Baumstamm saegen panther Rosemarie Bolecke
Foto: © panthermedia, Rosemarie Bolecke

Ein Fünkchen Aberglaube mischt auch heute noch bei vielen Hochzeitsbräuchen mit, wenn sie auch in erster Linie dem Spaß des Paares und (vor allem) der Gäste dienen. Mindestens einer der zahlreichen Bräuche findet sich bei fast jeder Hochzeitsfeier. Viele stammen noch aus vorchristlicher Zeit und fast alle hatten früher eine tiefere Bedeutung. Manche Bräuche gibt es nur in bestimmten Regionen des Landes, andere erfreuen sich überall großer Beliebtheit. Es lohnt sich, einen Blick auf ihre Herkunft zu werfen, manch verborgene Bedeutung hat auch heute noch durchaus ihren Zauber.

Bevor die Feier steigen kann, müssen natürlich die Gäste eingeladen werden, am besten mindestens drei Monate vorher. Eine schöne Form, Freunde und Verwandte zur Hochzeit einzuladen, ist der Rundgang eines Hochzeitsladers oder Brautbitters. Er geht zu den Gästen nach Hause und lädt sie mit einem lustigen Gedicht oder Lied zur Hochzeit ein – was persönlicher und witziger ist als die üblichen, per Post verschickten Einladungen. Der Hochzeitslader stammt noch aus der Zeit, als es niemandem eingefallen wäre, schriftlich zu einer Feier einzuladen.

Rote Tücher gegen böse Kräfte

Traditionell auf den Montag vor der Hochzeit festgelegt ist der Brauch des Schräppelns. Er stammt aus der Zeit, als man noch an übelwollende Geister glaubte. Hierbei wurden böse Kräfte mit roten Tüchern abgewehrt, die Freundinnen der Braut in Kränze und Girlanden flechten. Manchmal werden aber auch Kränze aus Tannenzweigen gebunden, in denen weiße Blumen und Myrthe eingefügt werden. Die immergrünen Blätter der Myrthe stehen für Vitalität und Gesundheit. Nicht umsonst war die Myrthe in der Antike der Liebesgöttin Aphrodite geweiht.

Je lauter, desto besser heißt die Devise am Polterabend. Auch hier geht es nach uraltem heidnischen Brauch wieder den Geistern an den Kragen, die Krach bekanntlich nicht mögen. Was zerbrochen werden soll, darf aber nur aus Steingut oder Porzellan sein. Denn Glas bedeutet Glück und darf nicht mit den bösen Geistern in Verbindung gebracht werden. Es heißt, dass beide Partner auch in schweren Zeiten füreinander da sein werden, wenn sie beim anschließenden Aufkehren gemeinsam Hand anlegen.

Nach der Trauung folgt das Sägen

Mit der Angst vor übellaunigen Geistern hing ursprünglich auch die Begleitung der Braut durch Brautjungfern zusammen. Als man noch an böse Geister glaubte, wurden junge Mädchen ähnlich wie die Braut gekleidet und ihr zur Seite gegeben, damit die übelwollenden Gesellen sie mit der Braut verwechselten, und der Braut selbst kein Leid zufügen konnten.

Wenn die Hochzeitszeremonie vorbei ist, wird’s für viele frischgebackene Eheleute erst einmal anstrengend: So manches Paar hat schon innerlich geflucht, wenn es ans Holzsägen ging – meist auch noch mit stumpfer Säge, damit beide in ihren eleganten Klamotten auch recht ins Schwitzen geraten. Heute steht die Gaudi der schadenfrohen Zuschauer im Vordergrund. In alter Zeit symbolisierte dieser Brauch den Zusammenhalt des jungen Paares bei der Überwindung schwieriger Aufgaben und Hindernisse – auch heute nicht unwichtig in einer fürs ganze Leben gedachten, funktionierenden Lebensgemeinschaft.

Mit der symbolischen Überwindung von Hindernissen hat auch der Lauf durch ein Spalier von Freunden oder Vereins-, Sport- und Hobbykameraden zu tun, das je nach "Ausführung" durchaus einem (scherzhaften) Spießrutenlauf ähneln kann.

Insbesondere den Abschied des Bräutigams von seinen Jugendtorheiten soll das Spannen eines Seils vor dem Kirchenportal verdeutlichen. Gegen einen kleinen Geldbetrag kauft er sich gleichermaßen von seinen Junggesellensünden frei. Das Versperren des Weges mit Stangen, Ketten, Seidenbändern oder Brettern kann jedoch auch andere Bedeutungen haben: Der Bräutigam entrichtet einen Obolus an die Braut und machte damit früher für alle sichtbar, dass nun er für den Lebensunterhalt der jungen Frau zuständig war, und nicht mehr ihre Eltern. Müssen sich beide Eheleute durchkämpfen, steht wieder die gemeinsame Überwindung von Hindernissen im Mittelpunkt.

Sparsamkeit sollte früher das Bezahlen der Brautschuhe mit Pfennigen symbolisieren. Eine sparsame Hausfrau galt als besonders wichtig für einen gedeihlichen Hausstand. Heute steht nur noch die originelle Idee im Vordergrund – zum Leidwesen mancher Schuhgeschäfte. Man sollte vorher kurz anfragen, ob das jeweilige Geschäft Kleingeld akzeptiert.

Blumen und Reis für reichen Kindersegen

Blumenkinder sind bei vielen feierlichen Hochzeiten nicht wegzudenken. Heute zählt eigentlich nur noch der hübsche Anblick der kleinen Mädchen (oder Jungen), die dem Brautpaar Blüten vor die Füsse werfen. In heidnischer Zeit symbolisierten Blumen die Fruchtbarkeitsgöttin – die für reichen Kindersegen sorgen sollte.

Gleiches gilt auch für das Reiswerfen, das je nach Region auch mit Konfetti, Bonbons oder Nüssen erfolgt. In manchen Gegenden setzt man der Braut – sehr unverblümt – auch einfach ein Baby auf den Schoss oder montiert einen Kinderwagen auf dem Hausdach des Paares.

Wer hätte gedacht, dass auch die obligatorische Hochzeitstorte einst eine tiefere Bedeutung hatte? Auch sie ist ursprünglich ein Fruchtbarkeitssymbol gewesen, versinnbildlichte Fülle und Üppigkeit.

Keine Hochzeit ohne Tanz. Beim Kranzabtanz tanzt die Braut allein und mit verbundenen Augen, während ihre Freundinnen versuchen, ein Stück ihres Schleiers abzureißen oder abzuschneiden. Die Schwierigkeit: Die Männer bilden einen schützenden Kreis um die Braut. Durchbricht eine junge Frau den Kreis, symbolisierte das früher den Verlust der Jungfräulichkeit der Braut.


Schleiertanz und Brautraub

Beim Schleiertanz geht es ähnlich zu: Gegen Mitternacht werden der Braut die Augen verbunden. Ihre Freundinnen tanzen um sie herum, während sie versucht, einer von ihnen ihren Schleier aufzusetzen. Wer den Schleier bekommt, so behauptet die Tradition, wird die nächste Braut. Denselben Hintergrund hat das Rückwärtswerfen des Brautstraußes nach der Trauung, der von einer unverheirateten Frau gefangen werden soll.

Einer der beliebtesten Bräuche ist wohl die Entführung der Braut. In alten Zeiten sollte der Brautraub die endgültige Ablösung der jungen Frau vom Elternhaus verdeutlichen, sowohl äußerlich als auch innerlich. Heute ist der Brautraub eher ein Partyspaß, wenn Freunde des Paares die Braut in ein Lokal entführen, während der Ehemann sie suchen muss. Damit aus dem Spaß keine stundenlange, langweilige Aktion wird, sollte man die Suche von vornherein zeitlich begrenzen. Ist der Bräutigam bis dahin nicht erfolgreich, bekommt er einen gezielten Tipp...

In manchen Gegenden wird um Mitternacht mit einem reichhaltigen Essen, der Hüllenmahlzeit, der Übergang des Brautpaares in den Ehestand gefeiert, bevor sich beide endlich aus dem Staub machen und in ihr gemeinsames Leben starten dürfen.

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