Eher eine Glaubenssache

Besserer Sex durch Liebestränke?

Viele, die mit ihrem Sexleben unzufrieden sind, erhoffen sich von Liebestränken wahre Wunderkräfte. Alles nur fauler Zauber oder ein Hilfsmittel für die Lust?

Autor: Gabriele Möller
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Liebeszauber aus dem Online-Shop

Liebespaar Bett
Foto: © panthermedia/ Doreen Salcher

In Märchen und Sagen entstammen sie immer direkt dem Hexenkessel: Verzauberte Liebestränke. Doch haben die Tränke das Reich der Phantasie längst verlassen und auch in der wirklichen Welt Fuß gefasst. Von Alters her erhoffen sich die Menschen von bestimmten Pflanzen und Tierbestandteilen lust- oder potenzsteigernde Wirkungen. Zwar glaubt wohl keiner an die Möglichkeit, beim männlichen oder weiblichen Objekt der Begierde auch Ablehnung in grenzenlose Verliebtheit zu verwandeln. Doch sind die Hoffnungen, die auf die Aphrodisiaka (von der griech. Göttin Aphrodite, dem Pendant der römischen Venus) gesetzt werden, immer noch hoch: Mehr Spaß am Sex sollen sie bringen, den speziellen Kick in eingefahrene Beziehungen zurück zaubern und vor allem: die männliche Liebeskraft, wohl der empfindlichste Punkt der männlichen Seele, stärken oder bis ins hohe Alter erhalten. Nicht nur in Sexshops, sondern auch in Apotheken und Internet-Shops werden Liebes-Elixiere oder angeblich erektionsfördernde Cremes heute angeboten. Doch was ist dran an den Liebes-Elixieren: Alles nur fauler Zauber, oder tatsächlich einen Versuch wert?

Ein Kaktus, der die Lust "anstachelt"

Die Früchte und vor allem die Blüten des Feigenkaktus (Opuntia ficus indica) sollen bei einem 91jährigen Israeli, der in einem Altenheim bei Tel Aviv lebt, für unerwarteten "Ärger" gesorgt haben: Er hatte den Tee gegen Prostataprobleme erhalten und beschwerte sich nun, dass sein Penis nun wieder des öfteren anschwelle, was ihm gar nicht Recht war: Er habe schließlich lange genug "vom Baum der Erkenntnis gegessen". Auch wenn dieser alte Herr bisher der einzige ist, der sich nachgewiesenermaßen über eine derartige Wirkung beschwert hat - einen Versuch ist dieses Mittel allemal Wert.

Ein weiteres natürliches Aphrodisiakum soll die Rinde des Yohimbé-Baumes enthalten, nämlich das Alkaloid Yohimbin. Es stimuliert die für die Erektion verantwortlichen Nerven und wird sogar von manchen Schulmedizinern als eines der wenigen echten Liebesmittel anerkannt. Yohimbin soll Studien zur Folge eine Zunahme der männlichen und weiblichen Orgasmen und der Erektionen bewirken. Es ist in Deutschland als Arzneimittel eingestuft und deshalb nur in Apotheken erhältlich.

Nur wenige Stoffe halten der Prüfung Stand

Oft ist es jedoch allein der Glaube an die Wirkung, der tatsächlich hilft. Denn sehr häufig sind es eher psychische Blockaden, wenn’s im Bett nicht so recht klappen will. Für den Großteil der als Aphrodisiaka eingestuften Stoffe gilt nämlich leider: Sie haben entweder gar keine, eine nur allgemein anregende (Koffein, Ginseng) oder sogar eine gefährliche Wirkung. So ist das örtliche Betäubungsmittel Benzocain, das (als Salbeninhaltsstoff) den Liebesakt beim Mann verlängern soll, allergieauslösend. Bestimmte Cremes, die Nikotinsäure-Ester enthalten sowie Paprika- oder Cayennepfeffer-Tinkturen verstärken zwar die Durchblutung von Penis oder Klitoris. Sie brennen aber und können ebenfalls allergische Reaktionen auslösen. Auch enthalten die Cremes Fett und können daher Kondome angreifen und zum Reißen bringen.

Die bekannte "Spanische Fliege", die in vielen Produkten enthalten ist, ist in Wahrheit ein Käfer. Aus seinem Körper wird der Wirkstoff Cantharidin gewonnen. Er ist giftig und kann die Geschlechtsorgane nicht nur reizen, sondern sogar zu schweren Entzündungen führen. Eigentlich ist er daher in Deutschland nur in homöopathischer (also extrem schwacher) Verdünnung erlaubt. Das Paradox: Ist die Dosis harmlos, spürt man nichts, auch keine Potenz- oder Libidosteigerung. Spürt man etwas, ist die Dosis schon gefährlich hoch. Also auch ein Flop.

Das männliche Hormon Testosteron, das auch in Stierhoden enthalten ist, macht auch dieses "Naturprodukt" zu einem der verwendeten Inhaltsstoffe in Aphrodisiaka. Ein gesunder Mann hat jedoch von einer Erhöhung seines Testosteronspiegels keinerlei zusätzlichen Profit beim Sex. Und für einen Mann mit zu niedrigem Hormonspiegel ist die Dosis des Stier-Testosterons in den entsprechenden Produkten wiederum zu niedrig. Noch ein Flop.

Glaubenssache bleibt auch die Einnahme von Bestandteilen der Marapuama- ("Potenzholz"), Catuaba-, Lapacho- und Damiana-Pflanze, die angeblich seit Alters her die Potenz der Männer vor allem in Lateinamerika gesteigert und das Liebesverlangen beflügelt haben sollen.

Guter Sex: Keine Frage von Liebestränken

Insgeheim wissen wir es ja eigentlich alle: Guter Sex hat wenig mit Hilfsmittelchen in flüssiger, Kapsel- oder Cremeform zu tun. Er findet ja bekanntlich nicht nur in den Geschlechtsorganen, sondern auch und vor allem im Kopf statt. Wenn’s im Bett nicht klappen will, sollte man also erst einmal Ursachenforschung betreiben: Ernsthaftere psychische oder auch Partnerschaftsprobleme führen leicht zu Erektionsstörungen beim Mann oder Lustlosigkeit bei der Frau und können mit Zaubertränken keinesfalls beseitigt werden. Die Herren der Schöpfung im mittleren Alter sind überdies häufig von Prostataproblemen betroffen, die ärztlich abgeklärt und behandelt werden müssen. Als Hilfe bei Erektionsstörungen bei körperlichen Ursachen (!) haben sich im übrigen Vakuum-Pumpen bewährt. Möglich ist auch die Selbstinjektion erektionsfördernder Stoffe in die Schwellkörper im Penis, die sogenannte SKAT-Therapie, die der Arzt verschreiben muss. Bei einem anderen Verfahren führt der Mann eine kleine durchblutungsfördernde Tablette in die Harnröhre ein. Jedoch müssen all diese Maßnahmen auf jeden Fall mit einem Arzt (Urologen) abgeklärt werden. Bei Frauen können die Einnahme der Pille oder ein wechseljahresbedingtes Absacken des Hormonspiegels der Grund für zu wenig Spaß im Bett sein.

Ist körperlich und seelisch so weit alles in Ordnung, führt mehr Phantasie oder vielleicht das Ausprobieren neuer Varianten beim Sex eher zum gewünschten Erfolg, als irgendwelche Lustpillen. Es kann jedoch nicht schaden, Mittel einzunehmen, die generell vitalisierend und kräftigend auf den Organismus wirken (Co-Enzym Q 10, Vitamin E, Ginseng, Schisandra (indischer Strauch)) und überhaupt mehr auf Entspannung im Alltag zu achten. Denn oft sind es ganz einfach Stress und körperliche Erschöpfung, die die Lust zum Erlöschen bringen.

Literaturtipps

Neumayer, Josef: Natürliche Aphrodisiaka. Lassen Sie sich von der Natur verführen. Econ Taschenbuchverlag München (ISBN).

Rätsch, Christian: Pflanzen der Venus. Aphrodisiaka und Liebestränke. Verlag Ellert u. Richter, Hamburg (ISBN: 3892346186).

Schwarz, Aljoscha, Schweppe, Ronald und Pfau, Wolfgang: Aphrodisiaka. Natürliche Geheimnisse für Lust und Liebe. Hüthig Verlag Medizin Stuttgart (ISBN 3830409133).

Tizian, Monica: Aphrodisiaka, die Mittel der Verführung. Heyne Kompakt Info Nr. 22. Heyne München (ISBN 3453144872).


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