Immer der Nase nach
Düfte - leise Lockrufe der Liebe
Warum können wir den einen gut riechen und den anderen lassen wir verduften? urbia folgt den Spuren der Düfte, den leisen Lockrufen der Liebe.
In Herzensdingen geht’s immer der Nase nach
Wenn zwei Menschen zusammen eine große Gefahr gemeistert haben, können sie leicht lebenslange Freunde werden? Falsch. Oft können sie sich hinterher gar nicht mehr riechen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wir meiden nämlich unbewusst Gerüche, die wir in Verbindung mit Gefahr oder Flucht wahrgenommen haben. Und dazu gehört auch der Körpergeruch eines anderen Menschen. Doch auch und gerade in Liebesdingen sind wir dem Geschmack unseres Unterbewusstseins in puncto Düften viel stärker ausgeliefert, als wir glauben. Unsere Augen sagen vielleicht ja zu der braungebrannten Disco-Schönheit oder dem smarten Adonis am Urlaubsstrand. Doch schon beim Drink an der Bar hat sich die Sache oft schon überraschend erledigt. Wir finden das angehimmelte Gegenüber plötzlich unsympathisch, ohne genau zu wissen, warum. Der Grund: Die Nase hat nein gesagt. Und die hat das letzte Wort.
Unser Duft ist unverwechselbar
Jeder weiß es: Wir haben individuelle Fingerabdrücke, die sich unter den Milliarden Menschen auf diesem Globus kein einziges Mal wiederholen. Dasselbe gilt jedoch auch für unsere persönliche Duftnote. Sie entsteht durch eine einmalige Kombination der Gewebemerkmale eines Menschen, die für das charakteristische Duftprofil verantwortlich ist. Gebündelt sind diese Gewebemerkmale im sogenannten Haupt-Histokompatibilitätskomplex (HLA). Fast alle Körperzellen sind mit solchen HLA-Molekülen verknüpft. Gleichzeitig sind auch die Empfänger (Rezeptoren) der Geruchsbotschaften in unseren Nasen unterschiedlich: Bestimmte Düfte werden nur von bestimmten Nasen wahrgenommen und als attraktiv empfunden.
Gleich und gleich stößt sich ab
Gleich und gleich gesellt sich gern: In Bezug auf den Dufttyp eines Menschen gilt dies nicht. Untersuchungen an der Universität Bern haben ergeben, dass wir bei der Partnerwahl solche Personen bevorzugen, deren HLA-Moleküle sich von unseren eigenen stark unterscheiden. Zu ähnliche Duftprofile finden wir dagegen abstoßend. All dies ist kein Zufall. Die Forscher vermuten, dass wir uns in Urzeiten auf diese Weise unbewusst vor Inzucht geschützt haben. Was uns zu ähnlich und damit zu verwandt war, wurde abgelehnt. Doch es gibt noch einen Grund: Eindringende Bakterien und Viren verändern die Struktur der HLA-Moleküle. Und das hilft den Immunzellen, den Erreger zu erkennen und abzuwehren. Kinder von HLA-unterschiedlichen Eltern entwickeln ein besonders gutes Immunsystem, weil ihre Bandbreite an Abwehrkörpern größer ist. Und last but not least ist sogar die Gefahr von Fehlgeburten geringer.
Ist eine Frau jedoch schwanger, kehrt sich ihre Duftvorliebe um. Sie steht nun besonders auf Duftprofile, die dem eigenen möglichst ähnlich sehen. Die Ursache: Zu Urzeiten wusste eine Frau unbewusst, dass sie bei der eigenen Sippe (die einen ähnlichen Duft hatte) am besten und sichersten aufgehoben war während der Zeit der Schwangerschaft. Doch was früher sinnvoll war, ist heute ein Problem: Bestimmte Antibaby-Pillen, die dem Körper eine Schwangerschaft vortäuschen, können dazu führen, dass frau ihren Liebsten plötzlich nicht mehr besonders gut riechen kann...

Druck
Kommentare
Email