Immer der Nase nach

Düfte - leise Lockrufe der Liebe

Warum können wir den einen gut riechen und den anderen lassen wir verduften? urbia folgt den Spuren der Düfte, den leisen Lockrufen der Liebe.

Autor: Gabriele Möller
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In Herzensdingen geht’s immer der Nase nach

Mann Frau Sex riechen
Foto: © panthermedia/ Margarete Perenz

Wenn zwei Menschen zusammen eine große Gefahr gemeistert haben, können sie leicht lebenslange Freunde werden? Falsch. Oft können sie sich hinterher gar nicht mehr riechen, und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wir meiden nämlich unbewusst Gerüche, die wir in Verbindung mit Gefahr oder Flucht wahrgenommen haben. Und dazu gehört auch der Körpergeruch eines anderen Menschen. Doch auch und gerade in Liebesdingen sind wir dem Geschmack unseres Unterbewusstseins in puncto Düften viel stärker ausgeliefert, als wir glauben. Unsere Augen sagen vielleicht ja zu der braungebrannten Disco-Schönheit oder dem smarten Adonis am Urlaubsstrand. Doch schon beim Drink an der Bar hat sich die Sache oft schon überraschend erledigt. Wir finden das angehimmelte Gegenüber plötzlich unsympathisch, ohne genau zu wissen, warum. Der Grund: Die Nase hat nein gesagt. Und die hat das letzte Wort.

Unser Duft ist unverwechselbar

Jeder weiß es: Wir haben individuelle Fingerabdrücke, die sich unter den Milliarden Menschen auf diesem Globus kein einziges Mal wiederholen. Dasselbe gilt jedoch auch für unsere persönliche Duftnote. Sie entsteht durch eine einmalige Kombination der Gewebemerkmale eines Menschen, die für das charakteristische Duftprofil verantwortlich ist. Gebündelt sind diese Gewebemerkmale im sogenannten Haupt-Histokompatibilitätskomplex (HLA). Fast alle Körperzellen sind mit solchen HLA-Molekülen verknüpft. Gleichzeitig sind auch die Empfänger (Rezeptoren) der Geruchsbotschaften in unseren Nasen unterschiedlich: Bestimmte Düfte werden nur von bestimmten Nasen wahrgenommen und als attraktiv empfunden.

Gleich und gleich stößt sich ab

Gleich und gleich gesellt sich gern: In Bezug auf den Dufttyp eines Menschen gilt dies nicht. Untersuchungen an der Universität Bern haben ergeben, dass wir bei der Partnerwahl solche Personen bevorzugen, deren HLA-Moleküle sich von unseren eigenen stark unterscheiden. Zu ähnliche Duftprofile finden wir dagegen abstoßend. All dies ist kein Zufall. Die Forscher vermuten, dass wir uns in Urzeiten auf diese Weise unbewusst vor Inzucht geschützt haben. Was uns zu ähnlich und damit zu verwandt war, wurde abgelehnt. Doch es gibt noch einen Grund: Eindringende Bakterien und Viren verändern die Struktur der HLA-Moleküle. Und das hilft den Immunzellen, den Erreger zu erkennen und abzuwehren. Kinder von HLA-unterschiedlichen Eltern entwickeln ein besonders gutes Immunsystem, weil ihre Bandbreite an Abwehrkörpern größer ist. Und last but not least ist sogar die Gefahr von Fehlgeburten geringer.

Ist eine Frau jedoch schwanger, kehrt sich ihre Duftvorliebe um. Sie steht nun besonders auf Duftprofile, die dem eigenen möglichst ähnlich sehen. Die Ursache: Zu Urzeiten wusste eine Frau unbewusst, dass sie bei der eigenen Sippe (die einen ähnlichen Duft hatte) am besten und sichersten aufgehoben war während der Zeit der Schwangerschaft. Doch was früher sinnvoll war, ist heute ein Problem: Bestimmte Antibaby-Pillen, die dem Körper eine Schwangerschaft vortäuschen, können dazu führen, dass frau ihren Liebsten plötzlich nicht mehr besonders gut riechen kann...

Pheromone – unwiderstehliches Körperparfum

In dem Duftcocktail eines Menschen gibt es eine Gruppe von Stoffen, die die Angehörigen des anderen Geschlechts unbewusst besonders interessiert: Die Pheromone, sexuell stimulierende Botenstoffe. Sie werden vom Empfänger schon in geringsten Verdünnungen über die Luft wahrgenommen und lösen ein zartes Gefühl von Liebesbereitschaft und dem Wunsch nach intimer Nähe aus. So sind im Achselschweiß von Männern zum Beispiel Substanzen vorhanden, die dem männlichen Sexualhormon Testosteron sehr ähnlich sind. Und Frauen senden während des Eisprungs, der fruchtbarsten Zeit des Zyklus’ also, sogenannte Kopuline aus, die auf Männer unwiderstehlich wirken können.

Die sagenumwobenen Pheromone sind aber auch Schuld, wenn von der Liebe oft als einer Krankheit gesprochen wird: Sie verursachen Herzrasen, Schweißhände, Angstvorstellungen, Appetitverlust und sogar sinnlose, zwanghafte Handlungen. Mit einem Wort: Die Symptome der Verliebtheit.

Parfums – kontrollierter Zauber der Verführung

Das Wissen um die Wirkung der Pheromone macht sich natürlich auch die Parfumindustrie zunutze. Sie verwendet unter anderem ätherische Öle, die den körpereigenen Pheromonen ähneln. Die Reihenfolge, in der wir den Duft eines feinen Duftwässerchens wahrnehmen, entspricht dabei absichtlich der Reihenfolge, die eine erotische Begegnung nimmt: Die leichte Kopfnote wird zuerst wahrgenommen, sie verkörpert den ersten Eindruck. Sie ist frisch und soll Interesse und Aufmerksamkeit wecken. Die Herznote, die als nächstes wahrgenommen wird, soll schon verzaubern und betören. Und die Basisnote, die am schwersten ist und am längsten hält, wird durch stimulierende Eigenschaften von duftintensiven Harzen, Essenzen und Balsamen bestimmt.

Als besonders aphrodisierend (zur Liebe anregend) gelten die ätherischen Öle Jasmin, Ylang Ylang, Rose, Vanille, Sandelholz, Vetiver, Patchouly, Zimt, Mandarine und Muskatellersalbei. Einen hohen Anteil an pflanzlichen Pheromonen enthalten die Essenzen Angelica, Anis, Fenchel, Ingwer, Iris, Kalmus, Kumin, Labdanum, Styrax, Muskatnuss, Sandelholz, Sellerie, Zimt. Es werden bei der Parfumherstellung zum Teil auch tierische Duftstoffe verwendet, viele von ihnen aus Tierschutzgründen jedoch in synthetischer Form. Zu den tierischen Liebesboten gehören Moschus (stammt übrigens nicht vom Moschusochsen, sondern vom Moschustier, einem rehähnlichen Paarhufer), Zibet, Bibergail und Ambra.

Dieses Wissen kann man auch zu Hause zur Verführung nutzen, indem man zum Beispiel Duftöle in den entsprechenden Lämpchen verdunsten lässt, um die Raumluft zu parfümieren.

Körpergeruch törnt ab

Wer nun glaubt, man müsse nur der Natur ihren Lauf lassen, um auf das andere Geschlecht unwiderstehlich zu wirken, täuscht sich gewaltig. Die körpereigenen Duftstoffe wirken nur, wenn sie nicht durch den Geruch von Schweiß und Schmutz übertüncht werden. Unangenehme Körpergerüche werden hauptsächlich durch Bakterien verursacht, die auf der Haut leben. Wenn sie den Schweiß zersetzen, rümpft sich jede Nase. Doch auch die Nahrung beeinflusst unser Geruchsprofil: Knoblauch und Zwiebeln, aber auch zu reichlicher Fleischgenuss oder Meeresfrüchte verändern den Duft unserer Haut.

Wer gut riechen möchte, sollte also auf die Ernährung achten, sich aber auch zweimal täglich waschen und Zähne putzen, auf synthetische Unterwäsche und Kleidung verzichten und täglich frische Socken aus natürlichen Materialien anziehen. Auch das Rasieren der Achselhaare – die ein idealer Nährboden für Bakterien sind – vermindert die Geruchsbildung. Deos wirken übrigens nur auf frischer Haut. Den Muff des Ungewaschenen vermögen sie nicht zu überdecken.

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