Nach der Geburt

Kein Sex bitte, wir sind Eltern!

Mehr als sieben Monate lang ohne Sex - für Andrew McKenna war die Zeit nach der Geburt seines Sohnes keine einfache. Doch die Zwangsabstinenz fand ein Ende.

Autor: Andrew McKenna
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Sieben Monate Zwangspause

Fuesse Paar nebeneinander Bett
Foto: © iStockphoto.com/ diephosi

Sieben Monate nach der Geburt meines Sohnes fragte mich ein vorwitzig dreinblickender Freund in meiner Stammkneipe: „Na, wie ist der Sex seit der Geburt?“

Ich dachte lange und gründlich nach, wie es vorher und nachher gewesen war, bevor ich ihm kleinlaut antwortete: „Wir hatten seitdem keinen Sex mehr.“

„Wie bitte? Du meinst...?“. Ich nickte. „Das einzig laute in unserem Schlafzimmer sind die knarrenden Bodendielen.“ „Aber warum?“, wollte er wissen. Ich blickte auf meine Uhr. „Wie viel Zeit hast du?“

Es gibt wichtigere Dinge

Wenn man ein Baby erwartet, dann gehört Sex nicht unbedingt zu den Dingen, die ganz oben stehen auf der Liste der wichtigen Sachen in den Wochen nach der Geburt. Leute, die schon Kinder haben, grinsen Dich an und sagen: „Hol’ dir welchen auf Vorrat, solange du noch kannst, haha.“ Und die einschlägigen Baby-Fachbücher prophezeien einem feierlich, dass es eine Weile dauern würde, bevor die Erde wieder erbebe, geschweige denn, sich überhaupt etwas bewege. Kurz gesagt, dass eine Geburt die Libido oft für einige Wochen lang lahm lege.

In unserem Fall war sie wohl durch eine Autopresse gegangen und als Zauberwürfel wieder heraus gekommen.

Ein wenig konkreter. Während der ersten paar Wochen mit einem neuen Baby sind die meisten Männer viel zu sehr damit beschäftigt, sich aufgeregt, verwirrt, stolz und überwältigt zu fühlen, als dass sie sich überhaupt sexy fühlen könnten...als ob sie Lust verspüren würde auf einen Mann, der sie derartig geschmacklos angrinst.

Schlaf-Störungen statt Sex

Ich habe in den ersten zwei Monaten nicht ein einziges Mal an Sex gedacht. Ich war viel zu beschäftigt damit, mit den Folgen der sexuellen Aktivitäten klar zu kommen, denen wir uns vor neun Monaten hingegeben hatten: Windeln verkehrt herum anzuziehen, den schlecht sitzenden Auto-Kindersitz zu verfluchen, ein Schnarchen vorzutäuschen, wenn er uns beide um drei Uhr morgens aus dem Schlaf reißt und besorgt auf verschiedene Teile seines kleinen Körpers zu deuten und uns zu fragen „Ist das normal?“

Währenddessen ist die Mutter in diesen ersten Wochen wahrscheinlich wund, erschöpft und völlig konzentriert auf das Baby – und möglicherweise muss sie sich erholen von den Folgen eines Kaiserschnitts oder eines Dammrisses. Sex? Eher würde sie sich ihre Ohren mit einem Presslufthammer piercen lassen.

Nach ein oder zwei Monaten beginnen jedoch viele von uns, sich auf das neue Leben einzustellen. Unser Leben wird nicht wirklich normal – das wird es nie mehr sein – aber wir gewöhnen uns zumindest langsam an die tägliche chaotische Unnormalität. Und dann gibt es meist eines von zwei möglichen Szenarien an der Beischlaffront.

Szenario 1

Man liegt im Bett, das Baby döst an der Mutterbrust vor sich hin, plötzlich bekommt einer von beiden Elternteilen einen verklärten Gesichtsausdruck und haucht: „Der große Bär will Bubu machen mit der kleinen Mietzekatze“ oder so ähnlich. Dann nimmt man, langsam und unsicher, sein Liebesleben wieder auf und verbringt den Rest seiner Tage mehr oder weniger zufrieden, denkt aber doch insgeheim: Hm, es ist nicht unbedingt das selbe wie vor der Geburt unseres Kleinen, aber so ist wohl das Leben.

Szenario 2

Alternativszenario: Das Baby liegt wie Moses in seinem Körbchen neben ihrem Bett und macht seltsame rülpsende Geräusche, die wunden Brüste ihrer Partnerin sind heiß wie ein Vulkan und auf dem Nachttisch liegen drei Säcke mit übelriechenden vollen Windeln. So war es bei uns.

„Du, wie wär’s denn wenn wir...?“, hob ich an. „Hau bloß ab“, schnaubte sie verächtlich und sah mich dabei mit ungläubigem Staunen an, als hätte ich vorgeschlagen, dass wir uns Wurzelgemüse in unsere Nasen stecken sollten. Also kein Bubu für den großen Bären. Aber ich war ohnehin nicht in Stimmung.

Erstens waren wir hundemüde davon, dass Timmy uns alle drei Stunden aufweckte – er war halb Junge, halb Milchtanker. Zweitens: diese Windeln.

Übel riechende Geister

Vielleicht geht es nur mir so, aber die Kombination aus Chemie und Plastik und gebrauchten Pampers erfüllt meine Lenden nicht gerade mit purer Lust. Unser Schlafzimmer stank mehr oder weniger ständig nach der Toilette einer Ölraffinerie. Windeln sind wie die Geister von Kinderkacke – man kann sie immer noch riechen, wenn sie weg sind. Gruselig.

Drittens wurden unsere Emotionen sehr von Timmy in Anspruch genommen, im Falle meiner Frau beinahe gänzlich. Unser beider Leben wurde - und wird zum Teil nach wie vor - durch ihn bestimmt. Wir hatten zu diesem Zeitpunkt beinahe nichts mehr, was uns füreinander übrig geblieben wäre. Und so vergingen unsere Nächte, von Kinderkacke umgeben aber ohne Körperkontakt.

Reif fürs Guinness Buch der Rekorde

Dann, als sechs Monate ohne Sex vergangen waren, fing ich an, Dinge zu sagen wie „Sechs Monate ohne Sex! Soll ich beim Guinness Buch anrufen, haha.“

Es war weniger so, dass ich mich so sehr danach gesehnt hätte, unser Liebesleben wieder aufzunehmen. Es war vielmehr das Gefühl, dass wir es tun müssten. Unter normalen Umständen wäre ich nach einem halben Jahr des Zölibats wild gackernd wie wahnsinnig durch die Nachbarschaft gehüpft, um schließlich wahrscheinlich von Scharfschützen der Polizei niedergestreckt zu werden.

Aber das Problem ist, je länger man ohne „Es“ auskommt, desto mehr wird es zu einer psychologischen Barriere. Als ich schließlich versuchte, das Eis zu brechen, sagte meine Frau: „Ich bin zu müde, mein Bauch fühlt sich schwabbelig an und ich habe Angst, wieder schwanger zu werden. Oh Mann, stinkt dieses Zimmer!“ Und ich lenkte ein: „Du hast Recht. Lass uns wieder Scrabble spielen.

All dies schien mein Kneipenfreund zu verstehen. „Warum....gehst Du nicht zu jemandem?“, presste er hervor. Ich sah ihn an und nickte gedankenvoll. „Hm, eine Geliebte“, murmelte ich, „hab ich auch schon dran gedacht.“ „Nein, geh zur Sexualberatung“, erwiderte er kurz. Aber er hatte das Ziel verfehlt.

Obwohl das Baby uns zeitweise zölibatär hatte leben lassen, war dies für keinen von uns ein Problem. Hilfe sucht man sich dann, wenn ein Partner will und der andere nicht.


Zeitweise auf der Pirsch

Nachdem die sechsmonatige Blockade vorüber war, begannen auch wieder männliche Hormone in meinen Adern zu fließen. Beinahe über Nacht verwandelte ich mich in Mister Draufgänger und bewegte mich in einem Zustand, den man am besten als „zeitweise auf der Pirsch“ beschreiben könnte.

Ich begann, meine Arme um meine bessere Hälfte zu schlingen, „Mmmmm“ in ihr Ohr zu hauchen und darauf zu hoffen, dass sie auch ohne Worte verstehen würde, dass dies ein liebeshungriger Sexgott ist, der da an ihren Ohrläppchen knabberte. Sie verstand. „Morgen“, sagte sie, „vielleicht. Wenn ich nicht zu müde bin. Glaubst Du, dass dieser rote Hut Timmy wirklich passt oder soll ich ihn lieber in die Altkleidersammlung geben?“

Am nächsten Tag sagte sie dann: „Nein. Morgen. Ich bin dann bestimmt weniger müde. Glaubst Du, dass das Muttermal auf Timmys Bein normal ist?“ Ja. Aber ich nicht nach einem weiteren Monat wie diesem. Ich mutierte zu einem mental Sexbesessenen, mein Hirn verwandelte sich in ein kleines Schmuddelkino, in dem unanständige Filme rund um die Uhr gezeigt wurden.

Endlich. Nach sieben Monaten, zwei Wochen, einem Tag und 14 Stunden – nicht, dass ich etwa mitgezählt hätte – wandte ich eine wesentlich ausgeklügeltere Taktik an, um unserem ehelichen Sexleben auf die Sprünge zu helfen. Als Timmy schlief, zerrte ich meine Frau die Treppen hoch, zog die Bettdecke zurück und bellte: „Rein da!“ - Romantiker wie ich war. Ich hätte sie genauso gut schubsen können.

Und es funktionierte.

Entsetzlicher Sex

Wie unser leidenschaftliches Intermezzo war? Ich würde eine Neun geben. Von Hundert. Aber wir waren erregt... immerhin hatten wir den Schritt gemacht. „Das war armselig, oder?“, schwärmte ich. „Entsetzlich!“, kicherte sie. „War es für dich auch schlimm?“ „Grauenvoll.“ „Bist du glücklich, Schatz?“ „Mmmhh.“

Beweis dafür, wenn man denn einen bräuchte, dass Eltern zu werden erheblich zur Gefährdung ihrer Gesundheit beitragen kann.

Welche Lehren können wir also daraus ziehen? Erstens, dass es keinen allgemein gültigen Zeitpunkt gibt, an dem man sein Sexleben wieder aufnehme sollte. Zweitens, dass es dann der „richtige“ Zeitpunkt ist, wenn sie es beide wollen. Wenn es ein Jahr dauert und für sie beide in Ordnung ist – fein. Drittens, dass es häufig eine Sache ist von tiefem Durchatmen und Losspringen wie ein Fallschirmspringer ohne Fallschirm, in Erwartung und Akzeptanz der Tatsache, dass das Ergebnis weniger Neuneinhalb Wochen als vielmehr Neuneinhalb Sekunden sein könnte.

Und viertens, dass es am besten ist, ein Scrabblespiel zu kaufen.

Aus dem Englischen übersetzt von Martin Schneider

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