Eine romantische Schluckimpfung

Küssen macht süchtig

Wer viel küsst, der lebt länger, fanden Wissenschaftler heraus. Was für andere ein Schmatzer ist, ist bei Gabriele Möller eine "romantische Schluckimpfung.

Autor: Gabriele Möller
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Eine romantische Schluckimpfung

Kuss Mann Frau
Foto: © panthermedia/ Scott Griessel

Haben Sie schon mal einen Liebesfilm ohne Kuss-Szene gesehen? Wohl kaum. Der Kuss gehört eben einfach zur Liebe wie die Butter zum Brot. Ist aber viel gesünder: Wer küsst, lebt länger, fanden die Forscher heraus. Grund: Beim Küssen werden haufenweise Endorphine, die sogenannten Glückshormone, ausgeschüttet, die Stress abbauen und sogar süchtig machen können. Außerdem steigen Herzfrequenz und Blutdruck an, der Atem wird schneller. Fast wie bei leichtem Sport also, aber viel schöner. Auch trainiert der Kuss die Gesichtsmuskeln: Über 30 haben wir davon, und sie alle werden beim Küssen bewegt.
Zwar unken manche miesepetrigen Wissenschaftler, beim Küssen würden kariesfördernde Bakterien übertragen. Betreibt man die übliche gründliche Zahnhygiene, droht aber keine Zahnfäule. Im Gegenteil: Andere Wissenschaftler sind wiederum sicher, dass der Austausch von verschiedenartigen Bakterien beim Küssen das Immunsystem der Verliebten anregt. Das Küssen funktioniert dann wie eine Art romantische Schluckimpfung. All dies gilt natürlich nur für die Küsse der Verliebten: Der Bruderkuss zwischen den früheren kommunistischen Staatschefs oder gar der gefürchtete feuchte Tantenkuss lassen die Glückshormone kaum sprudeln.

Der Kuss war nicht immer erlaubt

"Küssen verboten" singen die "Prinzen" – knurrig und spröde, wie sie nun mal sind. Doch es gab Zeiten, in denen das Küssen tatsächlich verboten war. Wurden im mittelalterlichen Italien Mann und Frau öffentlich beim Kuss erwischt, mussten sie heiraten, ob sie wollten oder nicht. Und im London des 17. Jahrhunderts war das Küssen besonders streng untersagt – weil gerade die Pest grassierte und die Ansteckungsgefahr beim Kuss besonders hoch war. Vielleicht sind die Briten ja deshalb noch bis heute eher unterkühlte Zeitgenossen, die gern auf Distanz gehen. In vielen Teilen der Welt gilt es auch heute noch als äußerst anstößig, sich in der Öffentlichkeit zu küssen, wie zum Beispiel in Teilen Asiens, aber auch in der östlichen Hälfte der USA.

Moral hin und her - soviel Nähe, wie sie beim Kuss zwangsläufig entsteht, löst bei den meisten Menschen unbewusst auch vage Gefühle der Bedrohung aus. Das glauben Sie nicht? Warum sonst aber haben die Macher wohl so suggestive Titel für ihre Filme wie "Der Kuss der schwarzen Witwe" oder "Der Kuss der Spinnenfrau" gewählt, obwohl es in diesen Filmen eigentlich gar nicht so sehr ums Küssen geht? Weil sie unbewusste Ängste ansprechen. Denn wo die Gefühle so tief und die Erwartungen so hoch sind, fühlt man sich auch besonders verletzlich. Ein Kuss kann daher durchaus als etwas Besitzergreifendes oder gar Gefährliches empfunden werden. Und dass man Gefühle beim Küssen nicht zuletzt auch einfach fälschen kann, wusste bereits der Dichter Heinrich Heine: "In den Küssen welche Lüge! Welche Wonne in dem Schein! Ach, wie süß ist das Betrügen, süßer das Betrogensein!"

Ursprünglich nur ein Fütterungsverhalten?

Woher der Kuss eigentlich stammt, ist nicht genau geklärt. Sicher scheint, dass das Küssen nicht angeboren ist. Sonst täten es nämlich alle Menschen. Es gibt aber Völker, die das Küssen ursprünglich nicht kannten, wie zum Beispiel die Eskimos oder viele indianische Gruppen. Manche Verhaltensforscher deuten den Kuss als eine abgeleitete Fütterungshandlung. Sie entstand daraus, dass Mütter früherer Zeiten – in Ermangelung moderner Babykost – ihren Kindern das Essen vorkauten. Und ihnen das Ergebnis der Einfachheit halber auf dem Mund-zu-Mund-Weg überreichten. Liebt man sich, fällt man wieder in solche ursprünglichen "Brutpflege"-Muster zurück, so die Theorie. Andere Kuss-Arten, wie der "Knabberkuss" könnten aber auch von urzeitlichen Fellpflege-Ritualen abstammen oder, wie der "Beißkuss", ein abgeschwächtes und umgeleitetes Aggressionsverhalten zeigen.

Auch die Nase hat ein Wörtchen mitzureden

Wenn man sich den "Nasenkuss" der Eskimos anschaut, die ja bekanntlich nur ihre Riechorgane aneinander reiben, verwundert es eigentlich nicht: Wissenschaftler behaupten, dass beim Küssen auch die Nase eine wichtige Rolle spielt, schließlich ist sie ganz in der Nähe. Die unterschiedlichen Duftreize, die die Partner beim Küssen über den Speichel aussenden, werden verursacht durch die individuellen Gewebemerkmale. Und ob man den Partner riechen kann oder nicht, kann man nicht bewusst beeinflussen. Beim Kuss erweist sich also rasch, ob die Chemie zwischen zwei Menschen stimmt. Und so wird mancher Kuss samt dazugehörendem Partner rasch vergessen. Nur an einen Kuss kann sich jeder Mensch auch noch im Greisenalter erinnern: an den allerersten Kuss, ganz gleich ob der die berühmten Schmetterlinge im Bauch hat unruhig werden lassen, oder ob er ein totaler Flop war.

Auch bei der Kusstechnik scheiden sich die Geschmäcker im wahrsten Sinne des Wortes. Ob nun die Zungenbewegungen schnell oder langsam sind, wie gesaugt wird und ob der Druck sanft oder kräftig ist - auch davon hängt es ab, ob die Beziehung eine Zukunft hat. Und auch hier läuft das Meiste unbewusst ab und ohne dass man darüber nachdenken muss. Und das ist gut so. Denn einen richtig tollen Kuss erkennen Sie nicht zuletzt daran, dass Sie dabei alles, was Sie gerade gelesen haben, sofort vergessen...

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