Wie beim ersten Mal

Sex nach der Geburt

Bei Frauen dauert es nach einer Geburt meist vier bis sechs Monate bis die Lust auf Sex wieder erwacht. Viele Frauen fühlen sich beim ersten Mal nach der Geburt so unsicher als seien sie wieder Jungfrau.

Autor: Petra Fleckenstein
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Frau nach der Geburt: Wo bleibt die Liebe?

Sex nach Geburt
Foto: © Colourbox

Die Schwangerschaft ist vorüber, die Geburt bewältigt und zu Hause dreht sich erst einmal alles um den neuen Erdenbürger. Sehr in Anspruch genommen von ihrer neuen Aufgabe und Rolle, irgendwann zwischen Stillen und Wickeln stellen sich alle jungen Eltern die Frage: Und wo bleiben wir, unsere Liebe, was wird aus unserer Sexualität?

Besonders Frauen benötigen nach einer Geburt meist einige Zeit, bevor sich wieder der Wunsch nach Sex einstellt: "In den ersten Wochen ist Sex für die meisten Frauen kein Thema, erst nach vier bis sechs Monaten kehrt die Lust wieder zurück", so die Erfahrung der Kölner Hebamme Andrea Wehling. Dabei spielen eine ganze Menge von Faktoren eine Rolle.

Von der weiblichen Sexualpartnerin zur Mutter

Während der Schwangerschaft und dann bei dem überwältigenden Ereignis der Geburt erfahren Frauen tiefgreifende körperliche Veränderungen. Zu erleben, wie im eigenen Bauch neues Leben heranwächst und dann schon so perfekt gestaltet das Licht der Welt erblickt, führt zu einem neuen Verhältnis zur eigenen Körperlichkeit. Auch wenn viel Stolz und das Gefühl einer großen weiblichen Potenz damit einhergehen, bringt dieses neue Erleben doch immer auch die Notwendigkeit einer Neufindung mit sich. In der Übergangsphase führt dies wie stets auch zu Gefühlen der Verunsicherung und Irritation.

Zugleich ist die Geburt auch ein Ereignis, das Frauen an ihre körperliche Grenzen bringt und im Bereich des weiblichen Lustzentrums mit erheblichen Schmerzen und körperlicher Verletzung in Zusammenhang steht. Nach der Geburt ist die Scheide gedehnt, das Beckenbodengefühl diffus, meist schmerzt die Naht von einem Dammschnitt oder –riss. Nicht unbedingt ideale Voraussetzungen, um nach dem Liebesakt zu lechzen.

Mythos Wochenfluss

Viel Verunsicherung bringen zudem die widersprüchlichen Informationen rund um das Thema Wochenfluss mit sich. Der Wochenfluss ist das Wundsekret, das von der Wunde in der Gebärmutterwand herrührt, die nach der Ablösung der Plazenta zurück bleibt. Die meisten Frauen werden nach der Geburt von ihrer Gynäkologin oder ihrem Gynäkologen mit der Weisung entlassen, solange der Wochenfluss anhält, nicht zu baden und keinen Geschlechtsverkehr ( außer mit Kondom) zu haben. Im Allgemeinen sind das vier bis sechs Wochen.

Diese Praxis ist eine Vorsichtsmaßnahme, die eine Entzündung der Wunde in der Gebärmutter verhindern soll. An solchen Entzündungen sind, bevor Ärzte entsprechende Hygienemaßnahmen einhielten und bevor es Antibiotika gab, zahlreiche Mütter im Kindbett gestorben. Kommt es heute zu einer Entzündung (die Mutter bekommt Fieber), so ist diese Komplikation durch die Gabe von Antibiotika im Allgemeinen gut in den Griff zu bekommen. Andrea Wehling führt den hierzulande üblichen Umgang mit dem Wochenfluss allerdings auf irreale Hintergründe wie den Mythos von der Unreinheit des Blutes zurück: "Der Wochenfluss ist nicht infektiös", sagt die viel gefragte und erfahrene Kölner Hebamme. "Dahinter steckt die alte Furcht vor Unreinheit. Blut gilt als unrein." Umgekehrt besteht nach Meinung der Hebamme auch durch Baden oder Geschlechtsverkehr kein erhöhtes Infektionsrisiko für die Mutter. Daher lässt Andrea Wehling auch Mütter, die sie betreut, kurz nach der Geburt wieder baden und erlaubt Geschlechtsverkehr, wann immer die Frau wieder Lust dazu empfindet. In diesem Zusammenhang verweist Wehling auf die gängige Praxis in England, wo Mediziner den jungen Müttern das Baden auch schon während des Wochenflusses erlauben – ohne dass dies zu Komplikationen führen würde.

Wenn ein Kind an der Brust hängt...

Ein unter Eltern kursierendes Sprichwort lautet: "Ein Kind ist das beste Verhütungsmittel." Auf die Situation vieler Paare in den ersten Wochen mit Baby trifft dies voll und ganz zu. Besonders die Mutter fühlt sich oft noch von der Geburt erschöpft und durch das Stillen rund um die Uhr stark beansprucht. Der Aufbau der Beziehung zum Baby fordert ihre ganze Aufmerksamkeit und ist mit viel Körperlichkeit und Zärtlichkeit verbunden. Für Intimitäten oder gar sexuelle Bedürfnisse in Bezug auf den Partner bleibt da oft in der ersten Zeit kein Raum. "Ich kann nicht auch noch einen Kerl ertragen, der mir an der Brust rumfummelt, während ein Baby an meiner Brust hängt", hat es eine Mutter einmal gegenüber Andrea Wehling recht drastisch ausgedrückt.

Dazu kommt manchmal, dass Frauen sich selbst mit ihrem veränderten Körper - mit den zusätzlichen Pfunden und dem schlaffen Bauch - nicht gerade attraktiv finden und auch von daher erotische Gefühle nicht aufkommen können. Männer haben umgekehrt mit der körperlichen Veränderung ihrer Partnerin viel weniger Probleme als gemeinhin angenommen. Meist sind sie es auch, die bereits früher wieder Sex haben wollen als die frisch gebackene Mutter.


Das erste Mal nach der Geburt

Als goldene Regel empfiehlt Andrea Wehling den Wöchnerinnen, die sie betreut: Die Frau bestimmt, wann ein Paar nach der Geburt eines Kindes wieder miteinander schläft! Denn ihr Körper ist es, der sich verändert hat, sie allein kann entscheiden, wann sie wieder bereit ist, sich dem Partner zu öffnen. Männer können ihre Frauen vor allem durch Geduld und Mithilfe bei der Baby-Pflege unterstützen, um der Mutter hie und da ein wenig Raum für sich zu ermöglichen. Ein weiterer wichtiger Punkt, um nach einer Geburt auch bezüglich der sexuellen Bedürfnisse wieder auf einen Nenner zu kommen, ist das offene Gespräch über die eigenen Gefühle, Ängste und Wünsche beider Partner.

Ist es schließlich so weit, dass beide Partner wieder miteinander schlafen wollen, so sollten sie sich darauf einstellen, dass es ein wenig so ist wie beim ersten Mal. Da die Scheide der Frau in den ersten Wochen meist sehr trocken ist, ist viel Vorsicht und Einfühlung des Mannes geboten. Ein Gleitmittel kann in dieser Zeit sehr sinnvoll sein. "Es ist so, als ob man sich wieder neu kennen lernen muss", gibt Andrea Wehling die Erfahrungen vieler Frauen wieder. Auch wenn sich das erste Mal vielleicht vor allem ungewohnt und schmerzhaft anfühlt, so berichten doch die meisten Eltern, dass der Sex nach der Geburt eines Kindes mit der Zeit eine ganz neue Qualität erhielt und noch intensiver erlebt wurde als zuvor. Ein Vater sagte: "Nach der Geburt meines ersten Kindes fand ich den Sex noch schöner, da mir nun viel bewusster war, welch ein Wunder daraus entstehen kann – ein Kind."

Besserer Sex durch Rückbildungsgymnastik

Dass Frauen, die geboren haben, durch entsprechende Übungen ihre Beckenbodenmuskulatur wieder aufbauen müssen, ist bekannt. Dass Beckenbodentraining jedoch auch der Qualität sexuellen Erlebens zugute kommt, machen sich vielleicht zu wenige bewusst. Andrea Wehling weist auf die in England gebräuchliche Wendung vom "Lost penis feeling", wenn durch die erschlaffte Beckenbodenmuskulatur der Penis des Mannes keinen Halt findet und umgekehrt die Frau den Penis weniger fühlen und innerlich packen kann als vor der Geburt.

Und nicht zuletzt kann die Zeit nach der Geburt auch eine gute Gelegenheit sein, um vielleicht zunächst andere erotische Formen zu erproben und gemeinsam zu kultivieren als den Koitus. Für viele Paare kann damit sogar eine Bereicherung ihrer sexuellen Beziehung einher gehen.

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