30.01.2010 Kinderärzte warnen

Neue amerikanische Studie zur Schweinegrippe

Vor einigen Monaten überall präsent, so ist es in den letzten Wochen ziemlich still um die Schweinegrippe geworden. Doch Kinderärzte warnen nun vor einer weiteren Infektionswelle, und auch eine neue amerikanische Studie gibt noch keinen Grund zur Sorglosigkeit.

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Teenager lachen

Die Schweinegrippe ist für Kinder und Jugendliche offenbar gefährlicher als die saisonale Influenza. Dies zeigen Daten zu Todesfällen bei Kindern und Jugendlichen durch die Schweinegrippe in den USA, die von der amerikanischen Seuchenbehörde CDC vom 30. August bis zum 19. Dezember 2009 registriert wurden. Danach starben bis Mitte Dezember rund 70 Prozent mehr Kinder und Jugendliche an dem neuen H1N1-Virus als in der gesamten Saison 2008/2009 an der jährlichen Grippewelle. Im Vergleich zu den Wintern 2006/2007 und 2007/2008 ist die Zahl der Influenza-Todesfälle sogar annähernd dreimal so hoch. „Diese Zahlen belegen, dass die Schweinegrippe für Kinder und Jugendliche ein ernstes Risiko ist, das nicht verharmlost werden sollte“, warnt die Kinder- und Jugendärztin Dr. Ursel Lindlbauer-Eisenach, Impfexpertin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) in München und Mitglied der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut. „Deshalb empfehlen wir nachdrücklich die Schweinegrippe-Impfung für Kinder und Jugendliche. Zwar gehen die Erkrankungszahlen derzeit bundesweit zurück. Wenn es aber in den kommenden Wochen und Monaten zu einer weiteren Infektionswelle kommt – und damit ist nach den Erfahrungen mit bisherigen Pandemien zu rechnen, sollten nach den ersten Ergebnissen zur Gefährdung jüngerer Altersgruppen in den USA insbesondere Kinder und Jugendliche geschützt sein.“ Nach Angaben des Robert Koch- Instituts (RKI) sind unter den bundesweit derzeit 160 Todesfällen durch die Schweinegrippe 24 Kinder im Alter bis zu 14 Jahren.

Hohes Ansteckungsrisiko bei jüngeren Altersgruppen

Vom 30. August bis 19. Dezember sind nach CDC-Angaben 225 Patienten unter 18 Jahren an der Schweinegrippe gestorben. In der gesamten Grippesaison 2008/2009 wurden in den USA dagegen nur 130, 2007/2008 nur 88 und 2006/2007 nur 78 Todesfälle durch Influenzainfektionen in dieser Altersgruppe gezählt. „Der Grund liegt vermutlich darin, dass sich Kinder und Jugendliche besonders leicht mit dem neuen H1N1-Virus anstecken“, erklärt die Medizinerin. „Bei einer größeren Zahl an Infektionen gibt es auch mehr schwere Krankheitsverläufe, die eine Behandlung in einer Klinik notwendig machen und tödlich enden können. Dabei kann das H1N1-Virus zu schweren Schädigungen der Atemwegsorgane führen oder die durch die Infektion verursachte Schwächung des Immunsystems ermöglicht eine gefährliche bakterielle Superinfektion.“ Daten aus Argentinien, die zwischen Mai und Juli 2009 erhoben und von Forschern der Universität Vanderbilt in den USA im Rahmen einer Studie ausgewertet wurden, bestätigen die erhöhte Gefährdung von Kindern und Jugendlichen durch die Schweinegrippe. Sie ergaben, dass in dem südamerikanischen Land zehnmal mehr Kinder durch die Schweinegrippe starben als durch die saisonale Grippe zwei Jahre zuvor. Von den wegen einer Schweinegrippe-Erkrankung stationär aufgenommenen Kindern mussten 20 Prozent auf der Intensivstation behandelt und jedes sechste künstlich beatmet werden.

Impfung wird gut vertragen

Die Impfung von Kindern und Jugendlichen ist seit Beginn der Impfaktion im Oktober wie erwartet unproblematisch verlaufen. „Die Schweinegrippe-Impfung wird von den jüngeren Altersgruppen gut vertragen“, betont die Impfexpertin. „Wie bei anderen Impfungen auch kann es zu lokalen Impfreaktionen wie beispielsweise einer geröteten Einstichstelle, einer Schwellung oder auch zu einem Ziehen im geimpften Arm kommen. Diese Reaktionen bilden sich in der Regel nach ein bis zwei Tagen wieder zurück. Sie sind völlig harmlos und normal und nur ein Anzeichen für die Immunisierung gegen das Virus.“ Kinder im Alter von 6 Monaten bis zu 9 Jahren erhalten eine halbe Dosis des Impfstoffes. Die Älteren benötigen für ihren Immunschutz wie die Erwachsenen eine Impfdosis.

Weitere Informationen zur Schweinegrippe-Impfung von Kindern und Jugendlichen erhalten Sie auf der Internetseite des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) unter www.kinderaerzte-im-netz.de.


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