29.05.2010 Verunsicherung durch ÖKOTEST zu 3-MCPD-Estern

Säuglingsmilch: Neuer Schadstoff?

Zu großer Verunsicherung bei Müttern, die ihr Baby mit Flaschenmilch füttern, führt der aktuelle Test zu Muttermilchersatz im Magazin ÖKOTEST. Die Säuglingsmichnahrungen sollen einen bisher unbekannten Schadstoff enthalten.

Autor: Petra Fleckenstein
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Babyflasche liegend

Kein neuer Stoff, aber neuerdings nachweisbar

Zu großer Verunsicherung bei Müttern, die ihr Baby mit einer Flaschenmilch füttern, hat der Test zu Muttermilchersatz in der aktuellen Ausgabe des Magazins ÖKOTEST geführt. Das Frankfurter Verbraucher-Magazin hatte einigen PreMilch- und 1er-Nahrungen das Qualitätsurteil mangelhaft erteilt, beste Bewertung war die Note befriedigend. Einziger Grund für die schlechten Ergebnisse ist ein Schadstoff, der zwar nicht neu ist, aber erst seit 2007 aufgrund neuer Verfahren im Labor nachgewiesen werden kann: sogenannte 3-MCPD-Ester.

Entstehung bei der Raffination von Ölen

Diese Substanz wurde von der amtlichen Lebensmittelüberwachung im vergangenen Jahr in Speisefetten und fetthaltigen Lebensmitteln, darunter auch Säuglings- und Folgenahrung nachgewiesen. Sie entsteht dann, wenn Öle raffiniert werden - das heißt, wenn Öle, um zum Beispiel bestimmte Geruchs- und Geschmacksstoffe zu entfernen, industriell bei hohen Temperaturen "gereinigt" werden.

Verwirrend: zwei verschiedene Stoffe

Was die Angelegenheit jedoch komplizierter macht: Die 3-MCPD-Ester können zwar nun nachgewiesen werden. Ob und wie schädlich sie sind, ist jedoch noch überhaupt nicht erforscht. Etwas besser erforscht ist das sogenannte freie 3-MCPD. Diese Substanz hat in Tierversuchen zu Veränderungen an den Nierentubuli (das sind dünne Kanäle in den Nieren) und in hoher Dosierung zu gutartigen Tumoren geführt.

Risikobewertung mit einigen Fragezeichen

Grundlage der kritischen Einschätzung und der schlechten ÖKOTEST-Noten für Säuglingsmilch ist nun die Risikobewertung, die das "Bundesinstitut für Risikobewertung" (BfR) zu 3-MCPD-Estern vorgenommen hat. Das Institut hat aufgrund seiner Einschätzung zwar die Industrie aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, um den Gehalt an 3-MCPD-Estern in Fetten und Ölen zu reduzieren. Es ist dabei, um mögliche Risiken auszuschließen, jedoch von einigen Annahmen ausgegangen (und hat dies auch ausdrücklich betont), die wissenschaftlich noch nicht erforscht sind. So hat das BfR - und in der Folge auch das Magazin ÖKOTEST - vorausgesetzt, dass bei der Verdauung aus den 3-MCPD-Fettsäureestern im menschlichen Körper zu 100 Prozent die bereits besser erforschte Substanz freies 3-MCPD entsteht. Die für die ÖKOTEST-Bewertung entscheidende Angabe der - durch die Weltgesundheits- und die Welternährungsorganisation festgelegten - "Täglich tolerierbaren Aufnahmemenge" von 3-MCPD-Estern und der Überschreitung dieser Grenzwerte durch die untersuchten Milchnahrungen beruht daher ebenfalls auf dieser bisher nicht erwiesenen Annahme.

"Mütter sollten sich nicht unnütz sorgen"

In seiner Stellungnahme hat das BfR zum einen betont, es gebe bisher keine Hinweise dafür, dass die bei Tieren nachgewiesene Wirkung auf die Nieren überhaupt bei Menschen auftreten kann. Weiter heißt es darin: "Von einer akuten Gesundheitsgefahr geht das BfR nicht aus." Außerdem empfiehlt das Institut, "Mütter sollten sich nicht unnütz sorgen" und "ihre Säuglinge weiter wie gewohnt füttern". Dr. Irene Lukassowitz, Pressesprecherin des BfR, wertete die ÖKOTEST-Ergebnisse im urbia-Gespräch vorsichtig kritisch: Es sei "hart an der Grenze", Produkte wegen dieser einen, noch dazu derzeit mit noch so vielen Fragezeichen behafteten Komponente, als mangelhaft zu bezeichnen.

Um Antworten auf die bislang offenen Fragen zu 3-MCPD-Estern zu erhalten, wurden gemeinsame Arbeitsgruppen des Verbraucherschutzministeriums, der Hersteller und verschiedener Forschungseinrichtungen gebildet. Unter anderem mit dem Ziel, innerhalb von zwei Jahren Verfahren zu entwickeln, die es ermöglichen, die Entstehung von 3-MCPD-Estern beim Herstellungsprozess von Nahrungsmitteln zu verhindern oder den Stoff nachträglich zu entfernen.

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