Blockaden brechen, Rituale schaffen, Privatsphäre einhalten

Tipps für Eltern: Pubertätsfalle "Neue Medien"

Längst haben die sogenannten neuen Medien Einzug in unser Familienleben gehalten, Dauer und Art der Nutzung sind allerdings ein häufiges Streitthema zwischen Eltern und Teenagern. Hier gibt es Tipps, damit Eltern nicht in die Pubertätsfalle tappen.

Autor: Jacobs Krönung-Studie
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Tipps neue Medien Pubertät Teaser
Foto: © Jacobs Krönung-Studie

Ein 14-Jähriger ohne Handy und ohne Facebook-Account? Heutzutage nicht mehr vorstellbar. Die Anzahl der Facebook-Freunde als vermeintlicher Beweis für die Beliebtheit in der Klasse oder das permanente Texten mit dem Smartphone sind heute fester Bestandteil der Lebenswelt von Jugendlichen. Sie kapseln sich in ihrer virtuellen, von Technik durchdrungenen Sphäre ab und sind für Erwachsene mitunter kaum noch zu erreichen. 94 Prozent der 14- bis 19-Jährigen haben einen Internetzugang, 81 Prozent sind in sozialen Netzwerken unterwegs, was das Familienleben mitunter auf die Bewährungsprobe stellt: 57 Prozent der Eltern empfinden Facebook zumindest gelegentlich als familiären Störenfried. Zu diesen Ergebnissen kommt die aktuelle Jacobs Krönung-Studie „Chatroom Familie: Die Brücke zwischen den Generationen"*. Was tun? Grundsatzdiskussion starten, einfach den Stecker ziehen oder nur noch mit den Kids über Facebook kommunizieren? Diplom Psychologe Michael Thiel gibt Tipps, wie Eltern wieder Zugang zur Welt ihrer Kinder bekommen, anstatt in die Pubertätsfalle zu tappen.

Kommunikation muss man trainieren

Wenn die 13-jährige Tochter mit der Freundin via WhatsApp chattet, der Vater mit seinem Smartphone auch nach Feierabend noch die E-Mails aus der Firma checkt und Mutter ihre auf dem DVD-Recorder aufgenommene Lieblingsserie sieht, findet eines nicht statt: der Austausch untereinander. „Jeder lebt in seiner eigenen virtuellen Welt. Kommunikation muss man aber lernen und trainieren, sonst wird sie verlernt und der Umgang mit anderen Menschen wird allmählich angstbesetzt", so Thiel. „Die Familie ist der beste Trainingsplatz für zwischenmenschliche Begegnungen, die durch keine Technik ersetzt werden kann." Hier ist allerdings Fingerspitzengefühl gefragt, denn laut Jacobs Krönung-Studie haben Jugendliche ein ambivalentes Verhältnis zu Gesprächen mit den Eltern. Daher gilt es, einige Regeln beim Austausch mit dem Nachwuchs zu beherzigen.

Seien Sie offen

Wenn Sie sich Sorgen um Ihr Kind machen: Sagen Sie es! Wenn Sie selbst Rat benötigen, weil Sie mit Ihrem Handy nicht zurechtkommen: Fragen Sie! Sie sind eben auch nur ein Mensch und nicht allwissend. Mit dieser Haltung öffnen Sie nicht nur die Tür zum Kinderzimmer – sondern auch das Herz Ihres Kindes.

Jeder war mal jung

Erzählen Sie von Ihrem ersten Liebeskummer, wenn Ihre Tochter erstmals darunter leidet. Berichten Sie von Ihrer 5 in Mathe, wenn bei Ihrem Sohn die Versetzung gefährdet ist. Und: Bieten Sie Hilfe und Lösungen an.

Immer auch an die Sonnenseiten denken

Natürlich sind Pubertierende mit ihren Launen immer wieder eine kleine Herausforderung. Aber vergessen Sie dabei niemals die positiven Seiten Ihres Kindes. Sprechen Sie sie darauf an, loben Sie häufiger als dass Sie kritisieren.

Kommunikation auf Augenhöhe

Laut Jacobs Krönung-Studie fühlen sich 39 Prozent der Jugendlichen nicht von ihren Eltern ernst genommen. Doch Pubertierende möchten wie Erwachsene behandelt werden – also tun Sie es. Beratschlagen Sie sich mit Ihrem Kind, wenn ein neuer Computer oder ein neues Handy gekauft werden muss. Auf diese Weise schlagen Sie zwei Fliegen mit einer Klappe: Sie profitieren vom Know-how Ihres Nachwuchses und dieser freut sich über Ihre Wertschätzung.

Privatsphäre einhalten

Was früher das Tagebuch war, ist heute der Facebook-Account: Für Eltern verboten! Natürlich haben Sie das Recht auf Medienkontrolle und Sie sollten mit Ihrem Kind deutlich die lauernden Gefahren im Internet besprechen. Aber lassen Sie Ihrem Nachwuchs die nötige Privatsphäre im sozialen Netzwerk. Hier mitzumischen ist keine gute Idee, denn der familiäre Austausch via Facebook ist nicht gefragt. Drei Viertel der 14- bis 17-Jährigen sind davon alles andere als begeistert.

Familienrituale pflegen

Ob gemeinsame Mahlzeiten oder wöchentlicher Küchen-Chat beim Latte macchiato, bevor die Kids wieder in die virtuelle Welt abtauchen – mindestens dreimal in der Woche sollte ein Familientreff stattfinden. Dabei können Kinder so ganz nebenbei ihre Sorgen ansprechen, die Eltern erfahren, was in deren Leben passiert und alle erleben das gemeinschaftliche Gefühl von Nähe und Geborgenheit. Wichtig: Achten Sie auf eine angenehme Atmosphäre und vergessen Sie in dieser Zeit die verpatzte Deutscharbeit oder Ähnliches. Auch gemeinsame Unternehmungen wie Wochenendausflug, Shopping-Trip mit der Tochter oder Stadionbesuch mit dem Sohn bringen Eltern und Kinder einander näher. Rituale festigen den Zusammenhalt in der Familie und werden nicht selten später an die eigenen Kinder weitergegeben.

Balance zwischen Nähe und Distanz einhalten

Mindestens ebenso wichtig wie die gemeinsame Zeit ist der individuelle Freiraum. Lassen Sie Ihren Kindern genügend Privatzeit für die eigenen Angelegenheiten und Freunde. Dieser Wechsel zwischen Nähe und Distanz hält die Familie lebendig. Denn zu viel Nähe ist genauso destruktiv wie zu viel Distanz.

Fazit: Wertschätzung und Anerkennung machen Kinder stark. Eltern, die ihre Kinder ernst nehmen, sie um Rat fragen, unterstützen deren Selbstvertrauen. Wer seinem Nachwuchs ausreichend Privatsphäre lässt, gleichzeitig aber auch Plattformen und Rituale für Gemeinsamkeiten schafft, erzeugt Nähe und Verbundenheit – und kann der Pubertätsfalle bestmöglich entkommen. Übrigens: Die Eltern sind laut Jacobs Krönung-Studie für fast die Hälfte der Jugendlichen nach wie vor wichtigster Ansprechpartner. Nutzen Sie diese Chance!

Weitere Informationen zur Studienreihe gibt es unter: www.jacobskroenung-studie.de


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