Wenn aus Mädchen Frauen werden

Das erste Mal beim Frauenarzt

Wenn bei der Tochter der erste Besuch beim Gynäkologen ansteht, ist das ein aufregender Moment – häufig auch für die Mutter. Wir sagen dir, wie so ein erster Frauenarzt-Termin abläuft, welche Untersuchungen durchgeführt werden und wie du deinen Teenager dabei unterstützen kannst.

Autor: Nicole Borrasch
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Erster Kontakt: Die Teenager-Sprechstunde

Erstes Mal beim Frauenarzt
Foto: © fotolia.com/ Photographee.eu

Das erste Mal beim Frauenarzt – ist für deine Tochter ein besonderer und manchmal auch ängstlicher Moment. Viele Teenager finden es peinlich, sich vor einem fremden Menschen auszuziehen und stellen es sich sehr unangenehm und vielleicht sogar schmerzhaft vor, im Intimbereich untersucht zu werden. Um den angehenden jungen Frauen die Angst zu nehmen und ihnen zu vermitteln, dass es wichtig ist, ab einem gewissen Alter oder bei Beschwerden zum Gynäkologen zu gehen, hilft es, ihnen schon vor dem ersten Besuch wichtig Fragen zu beantworten.

Soll ich meine Tochter begleiten?

Sprich als Mutter ganz offen über dieses Thema mit deiner Tochter. Sei dabei aber nur die Informantin und dränge dich nicht auf, mit ihr gemeinsam zum Arzt zu gehen. Biete dich an, aber zeige ihr genauso die Möglichkeit auf, eine Freundin mitzunehmen, alleine zu gehen oder den Freund als Begleiter zu wählen. Deine Tochter ist auf dem besten Wege, eine Frau zu werden und sollte alleine entscheiden dürfen, mit wem sie den ersten Besuch beim Frauenarzt teilen möchte.

Wir haben mit der Gynäkologin Dr. Katharina Schultze aus Augsburg gesprochen. Wie viele ihrer Kollegen und Kolleginnen hat sie eine eigene Teenagersprechstunde. Diese bietet jungen Mädchen die Möglichkeit, individuelle Fragen und Probleme zu besprechen und auch eine erste Untersuchung zu vereinbaren und durchführen zu lassen. Dr. Schultze kennt die Fragen und Ängste der jungen Mädchen und stand uns bei folgenden Fragen hilfreich zur Seite.

Tipps einer Frauenärztin

Wann sollten junge Mädchen zum ersten Mal zum Frauenarzt gehen?

„Prinzipiell sollten Mädchen spätestens bei Verhütungsbedarf zum Frauenarzt gehen“, so Dr. Schultze. Und vor allem auch dann, wenn ein Mädchen Beschwerden im Unterleib, also zum Beispiel Menstruationsbeschwerden; im Intimbereich, also z.B. Jucken oder Brennen oder an der Brust hat. Es empfiehlt sich jedoch, spätestens mit 14 Jahren den ersten Termin beim Gynäkologen zu machen, um sich die Möglichkeit der HPV-Impfung offen zu halten. Denn: „Die Mädchen erhalten beim ersten Besuch eine ausführliche Aufklärung zur HPV-Impfung, welche vor der Ansteckung mit Viren, die Genitalwarzen und Gebärmutterhalskrebs bewirken können, schützt. Diese sollte nämlich im Idealfall bis zum 14. Geburtstag stattfinden, erklärt die Frauenärztin.

Welche Ängste haben die Mädchen?

„Die meisten Mädchen haben Angst, dass sie untersucht werden und sich ausziehen müssen. Eine Untersuchung kommt beim ersten Termin allerdings nur ganz selten vor und wenn, dann freiwillig. Meistens bei Problemen mit der Brust. Eine gynäkologische Untersuchung auf dem Untersuchungsstuhl erfolgt in den meisten Praxen fast nie beim ersten Kontakt, nur wenn es wirklich nicht anders geht. Wir versuchen die Ängste bereits im Vorfeld zu nehmen, indem wir die Mütter, die oft schon lange Jahre zu uns in die Praxis kommen, informieren und ihnen Infomaterial zur Teenie-Sprechstunde mitgeben“, erzählt die Augsburger Ärztin.

Tipp: Sprich du als Mutter also ruhig mal deinen Frauenarzt bzw. deine Gynäkologin an, ob es Infomaterial für junge Mädchen gibt. Deine Tochter könnte auch direkt beim Frauenarzt anrufen und sich am Telefon erklären lassen, was beim ersten Termin passiert, so dass kein Mädchen mit unguten Gefühlen in die Praxis kommen muss. Außerdem: Deine Tochter darf natürlich eine Begleitperson mitbringen.

Was passiert bei so einem ersten Besuch?

Natürlich hat jeder Arzt seine eigene Art und Vorgehensweise. Beim ersten Gynäkologen-Termin handhaben es die meisten allerdings sehr ähnlich. Vor allem nehmen sich die Ärzte für diesen Termin Zeit, um die junge Patientin kennenzulernen, ihr alle Fragen zu beantworten und um selbst Fragen zu stellen. Dr. Schultze beschreibt ein solches Kennenlernen folgendermaßen: „Zuerst wird ein Anamnesegespräch mit den Mädchen geführt. Das heißt, wir stellen Fragen zur Periode, zu vorangegangenen Krankheiten sowie familiären Gesundheitsrisiken und wir überprüfen den kompletten Impfstatus der jungen Dame. Bezugnehmend auf das jeweilige Mädchen erkläre ich die körperliche Entwicklung, den Aufbau und die Funktion der Geschlechtsorgane. Wenn die Mädchen schon reif genug sind, sprechen wir über Verhütung. Ich erkläre die Kondomanwendung, die Wirkung der Pille und mache einen kurzen Schwenk zu anderen Verhütungsmethoden. Zu guter Letzt reden wir darüber, ab wann eine Untersuchung auf dem „Stuhl“ oder mittels Ultraschall notwendig wird. Nämlich erst, wenn es darum geht, bei Beschwerden zu untersuchen oder nach dem Zeitpunkt des ersten Geschlechtsverkehrs. Bei Interesse erkläre ich dem Mädchen noch den Ablauf und zeige die Utensilien. Und natürlich gibt es Infomaterial für Zuhause, denn alles kann man sich nicht merken beim ersten Besuch, man ist ja schließlich aufgeregt!“

Tipp: Nimm deiner Tochter die Angst vor dem Frauenarzttermin, indem du ihr sagst, dass der erste Besuch meist nur ein Kennenlernen und ein vertrautes Gespräch ist. Hilf im Vorhinein deiner Tochter bei ihrem Anamnesebericht. Gibt es Vorerkrankungen, familiäre Gesundheitsrisiken, wo ist der Impfpass deiner Tochter?

Wie findet man den richtigen Frauenarzt, die passende Frauenärztin?

Fast jedes Mädchen hat eine Vertrauensperson, die schon bei einem Gynäkologen war. Das kann die Mutter oder die größere Schwester genauso wie die Tante oder eine Freundin sein. So bekommt man eine Empfehlung und schaut sich diesen Arzt an. Außerdem sollte man sich Gedanken machen, ob man lieber zu einem Arzt oder zu einer Ärztin möchte. Fachlich macht es keinen Unterschied, alleine das bessere Gefühl zählt hier. Hat man niemanden, der einen guten Gynäkologen empfiehlt, kann man im Internet ausführlich auf Suche gehen. Viele Ärzte haben inzwischen eigene Webpräsenzen, auf denen man sich über die Praxis und den Gynäkologen informieren kann. Gerade ein Foto des Arztes zeigt schnell, ob einem jemand schon mal optisch sympathisch ist. Ganz wichtig: Wenn man bei einem Frauenarzt landet, den man nicht mag, kann man sich auch höflich wieder verabschieden. Es ist wichtig, dass man sich gut aufgehoben fühlt und kein Mädchen ist gezwungen, sich von jemandem untersuchen zu lassen, der einem unangenehm erscheint!

Tipp: Bist du mit deinem Gynäkologen zufrieden, schlage ihn deiner Tochter vor. Hast du keine Empfehlung, schaue gemeinsam mit ihr nach Ärzten mit „Teenagersprechstunde“!

Was ist eine Teenagersprechstunde?

Viele Frauenärzte bieten für junge Mädchen die so genannte Teenagersprechstunde an. So wie die Augsburger Gynäkologin Dr. Katharina Schultze: „Die Teenie-Sprechstunde ist für alle Mädchen, die sich informieren wollen. Über Zyklus, Verhütung, Impfung und auch darüber, wie eine erste Untersuchung aussehen würde. Oder einfach, um den richtigen Frauenarzt zu finden. Wenn es nach dem ersten Beschnuppern nicht gleich der oder die Richtige ist, dann versucht man es in der nächsten Praxis und für den Ernstfall hat man dann gleich den Arzt des Vertrauens gefunden. Das Schöne daran: Es geht nicht um Krankheiten, sondern es handelt sich um einen rein informativen Termin. Und dumme Fragen gibt es nicht!“

Wie sieht es mit der Schweigepflicht des Arztes aus?

Die meisten Mütter wären am liebsten dabei, wenn ihre Kleine das erste Mal zum Frauenarzt geht. Aber nimm es ihr nicht übel, wenn sie dich nicht dabei haben möchte. Und überhäufen sie auch nicht mit Fragen, wenn deine Tochter von diesem ersten Termin zurückkommt. Lass sie selbst erzählen, was sie erzählen möchte.

Rein rechtlich gilt: Vor dem 14. Geburtstag der Patientin muss der Arzt den Eltern Auskunft geben, wenn sie ihn danach fragen. Ist deine Tochter im Alter zwischen 14 und 16, kann der Gynäkologe selbst entscheiden, ob er die Eltern in bestimmten Situationen informiert. Ab 16 Jahren gilt die ärztliche Schweigepflicht, was bedeutet, dass du nur mit Zustimmung deiner Tochter Details über den Besuch beim Arzt erfahren kannst.


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