Essstörungen nehmen zu
Magersucht und Bulimie
Die Zahl der Essstörungen nimmt zu. Vor allem Mädchen sind von Magersucht und Bulimie betroffen. Wie können Eltern und Freunde den Kindern und Jugendlichen helfen?
"Wenn ich dünn bin, gehöre ich dazu"
"Hallo, Pummelchen", auch wenn die Bezeichnung nett gemeint ist, kränkt sie die 15-Jährige zutiefst. Wer ein paar Pfunde zu viel auf die Waage bringt, hat es ganz schön schwer. Ein Blick auf die Teenie-Mode zeigt: Bauchfreie T-Shirts, schmalgeschnittene Hosen und Mini-Röcke bringen "Rettungsringe" und stämmige Beine erst recht zur Geltung. Unzufrieden über das eigene Aussehen beginnt die Jugendliche daher eine Diät, joggt und wiegt sich mindestens einmal am Tag, immer mit der bangen Frage, ob das kalorienreduzierte Essen auch endlich ins Gewicht fällt. Antreibende Kraft ist hierbei die Hoffnung: "Wenn ich erst richtig dünn bin, dann gehöre ich endlich dazu." Doch für viele beginnt hiermit nicht der Erfolgkurs, sondern vielmehr der Weg in eine Ess-Störung. Und die Zahl derjenigen, die sich zu dick fühlen, ist groß: Umfragen zufolge sind etwa 62 Prozent der 13- bis 19-Jährigen unzufrieden mit ihrem Gewicht.
Zahl der Ess-Störungen hat stark zugenommen
In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Essstörungen stark zugenommen. Aber was sind eigentlich Essstörungen? Viele, die den Begriff hören, verbinden ihn sogleich mit Gewichtsproblemen und denken dabei an Übergewicht. Menschen mit Essstörungen können jedoch untergewichtig, normalgewichtig oder übergewichtig sein. Essstörungen sind auch nicht zu verwechseln mit Ernährungsstörungen, den Mangelerscheinungen, die durch eine unzureichende oder falsche Ernährung entstehen. Allerdings ziehen Essstörungen in aller Regel Ernährungsstörungen nach sich. Den Betroffenen ist das jedoch egal. Sie lehnen ihren Körper ab und fühlen sich, unabhängig von ihrem tatsächlichem Körpergewicht, zu dick. Sie bemühen sich ständig darum, Diät zu halten. Unbeschwertes Genießen und gesunder Appetit sind für sie Fremdworte. Vielmehr empfinden sie Schuld- und Schamgefühle, wenn sie essen. Die Angst zuzunehmen sitzt ihnen dabei immer im Nacken. Wenn sie widerstehen können, sind sie stolz, fühlen sich unabhängig und mächtig. Hinter jeder Essstörung stehen große seelische Not und tiefliegende persönliche Probleme – das ist den meisten Erkrankten aber nicht bewusst. Der Beginn einer Essstörung liegt fast immer zwischen dem zehnten und 18. Lebensjahr – in den Jahren der Vorpubertät und Pubertät. Der überwiegende Teil (mindestens 80 Prozent) der Erkrankten sind Mädchen und Frauen im Alter bis zu etwa 35 Jahren. Die Zahl der männlichen Betroffenen (zwischen fünf und 20 Prozent) hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen, beobachteten Experten.
Je nach tatsächlichem Körpergewicht und konkretem Essverhalten werden drei Formen schwerer Essstörungen unterschieden: Magersucht (Anorexia nervosa), Ess-Brechsucht (Bulimia nervosa) und Esssucht mit Übergewicht (Adipositas). Im folgenden geht es um die Krankheiten Magersucht und Ess-Brechsucht.
Experten schätzen, dass etwa zwei bis vier Prozent aller Frauen im Alter von 18 bis 35 Jahren an einer Ess-Brechsucht (Bulimie) erkrankt sind. Nach neueren Untersuchungen in den westlichen Industrieländern erkrankt von 150 bis 200 Mädchen im Jugendalter eines an Magersucht. Zwar kommt die Magersucht auch bei Jungen vor, doch weitaus seltener: Unter 100 Erkrankten sind durchschnittlich etwa 95 Mädchen und nur fünf Jungen.




