Gut informiert vor dem ersten Mal
Verhütung für Teenager
Jugendliche hatten noch nie so aufgeklärte und offene Eltern wie heute. Dennoch werden immer noch knapp 14.000 minderjährige Mädchen pro Jahr schwanger. Was Eltern ihrem Teenager über Verhütung sagen und selbst darüber wissen sollten.
Der erste Sex passiert immer später
Viele Eltern wird es freuen: Mädchen und Jungen in Deutschland werden heute später sexuell aktiv als noch vor wenigen Jahren, so die „Studie zur Jugendsexualität“ der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) von 2010. So hatten im Jahr 2009 sieben Prozent der Mädchen und vier Prozent der Jungen in Deutschland mit 14 Jahren schon den ersten Sex hinter sich (2005 waren es noch zwölf bis 14 von 100 Mädchen und 10 bis zwölf von 100 Jungen). Schon bei den 15-jährigen Mädchen ist es aber jedes Fünfte, das einschlägige Erfahrung hat. Das Gros der Jugendlichen hat zwischen 16 und 17 Jahren das erste Mal Sex, und ein gutes Drittel wartet, bis sie mindestens 17 Jahre oder älter sind.
Für die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) ist dies der Erfolg einer guten Aufklärungskampagne, an der Eltern, Schulen, Beratungsstellen und Institutionen beteiligt sind. So ist zum Beispiel die Einführung von Mädchensprechstunden („Teenie-Talk“) in Frauenarztpraxen, bei denen mit dem Mädchen nur geredet, aber noch nicht untersucht wird, ein wichtiger Erfolgsfaktor. „Mädchen haben Gelegenheit, während der Sprechstunden ohne Angst vor einer obligatorischen gynäkologischen Untersuchung mit ihren Fragen die frauenärztliche Praxis aufzusuchen“, so Dr. Gisela Gille, Vorsitzende der Ärztlichen Gesellschaft zur Gesundheitsförderung der Frau e.V. (ÄGGF).
Der erste Sex des Teenagers – auch für Eltern ein Einschnitt
Doch trotz aller Aufklärung – für Mütter und Väter ist es oft schwer, sich mit dem Gedanken anzufreunden, dass ihre Tochter oder ihr Sohn irgendwann (oder vielleicht längst) Sex hat. Das eigene Kind und Geschlechtsverkehr - das passt so gar nicht zusammen. Doch das Unbehagen der Eltern bei diesem Gedanken sollte nicht dazu führen, dass sie zu lange mit offenen Gesprächen zum Thema Verhütung warten, weil sie glauben, dies habe doch sicher noch Zeit."
Große Wissenslücken in Sachen Verhütung
Keine Generation von Jugendlichen hatte so aufgeklärte Eltern und einen so guten Zugang zu Informationen über Sexualität wie die heutige. „Fast drei Viertel der Eltern von Mädchen bzw. fast zwei Drittel der Eltern von Jungen geben an, dass ihre Kinder über die Themen Sexualität und Verhütung gut informiert sind“, so Frauenärztin Dr. med. Sabine Anthuber. „Diese Einschätzung spiegelt in vielen Fällen aber nicht die Realität wider“, dämpft die Oberärztin an der Frauenklinik im Klinikum München die Zufriedenheit der Eltern. „Oft ist das vermittelte Wissen lückenhaft bzw. es fehlen wichtige Informationen“, erläutert sie in ihrem Fachartikel zum Thema.
Woran liegt es aber ganz konkret, wenn ein Mädchen allzu früh schwanger wird? Nach einer Umfrage der BZgA sind die Hauptgründe hierfür das Vergessen der „Pille“ (25 Prozent) und Schwierigkeiten bei der Kondomanwendung (50 Prozent). Hinzu kommt, dass das „erste Mal“ oft ungeplant stattfindet. Von den knapp 14.000 Teenager-Schwangerschaften wird mehr als die Hälfte ausgetragen, der Rest wird abgebrochen.
Nicht alle frühen Schwangerschaften sind übrigens „Unfälle“. Vor allem Minderjährige mit keinem oder niedrigem Schulabschluss, die zu wenige Perspektiven für ihr Leben sehen, werden oft absichtlich schwanger. Für sie sei eine frühe Schwangerschaft ein Weg, Anerkennung und „etwas Eigenes“ zu bekommen, beobachtete Sabine Wienholz, Soziologin an der Universität Leipzig. Zur Vorbeugung gehört daher nicht nur Information, sondern auch die Förderung einer guten Schulbildung und das Aufzeigen von Lebensperspektiven für Jugendliche.







