Wenn Mädchen leiden

Verliebt in den Lehrer

Verknallt in den Lehrer. Gerade bei Mädchen zwischen 16 und 18 Jahren ist das keine Seltenheit - und damit sind jede Menge Probleme nahezu programmiert.

Autor: Andrea Grüten
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Ein Tabu - aber keine Seltenheit

Schuelerin Lehrer
Foto: © panthermedia/ Monkeybusiness Images

Viele kennen das noch aus der eigenen Jugend: Man geht mit Herzklopfen in die Schule, hängt Bilder von Klassenfahrten im Zimmer auf, schwärmt in den höchsten Tönen und hat Schmetterlinge im Bauch. Kurz. Man war verliebt in den eigenen Lehrer. Sich zu verlieben, ist eine wunderschöne Sache. Geht es aber um seinen Pädagogen, wird es heikel. Denn dieser Wunschpartner ist trotz aller sexueller Freizügigkeit heute, ein gesellschaftliches Tabu. Auch rechtlich ist eine solche Beziehung zwischen Schüler und Lehrer ein großes Problem. "Dass sich Schüler in ihre Lehrer verlieben, ist keine Seltenheit“, meint Lothar Dunkel, Schulpsychologe in Münster. „Meist spricht nur niemand darüber.“ Denn schon vom Teenager werde verlangt, dass er seine Gefühle unter Kontrolle hat.

Besonders Mädchen betroffen

Besonders Mädchen zwischen 16 und 18 Jahren entdecken plötzlich ihre Gefühle für den meist sehr viel älteren Mann an der Tafel. „Mädchen nehmen Veränderungen eher wahr“, sagt Dunkel. Jungen in diesem Alter lehnen solche Emotionen eher ab oder drücken sie manchmal eher durch aggressives Verhalten aus. Schülerinnen sehen im Lehrer plötzlich den Mann. Sie versuchen, ihm so nahe wie möglich zu kommen. „Das kann soweit gehen, dass die Mädchen ihrem Lehrer nachstellen, vor dem Wohnhaus auflauern oder Briefchen schreiben“, berichtet Arno Becker, Vorsitzender des Deutschen Lehrerverbandes in Hamburg. „Aber die Vorstellung, dass sich ein junges Mädchen in ihren alten Lehrer verguckt, entspringt durchaus auch den Köpfen der älteren Generation.“ Dabei haben Schüler heute durch die gemischten Klassen genug Möglichkeiten, das andere Geschlecht kennen zu lernen.

Anrufe beim Jugend-Sorgentelefon

„Während meiner Laufbahn als Gymnasiallehrerin habe ich ein paar Mal mitbekommen, dass sich mehr entwickelte als eine Schwärmerei“, erzählt Lieselotte Völtz-Lohmann, Beratungslehrerin am Johan-Rist-Gymnasium in Wedel (Schleswig-Holstein). Noch längst nicht alle Teenager haben in ihrem Umfeld Vertrauenspersonen. Das beweisen die Anrufe bei den Jugend-Sorgentelefonen. Sie gibt es in jeder größeren Stadt. „Zwölf Prozent aller Anrufe drehen sich um die Schule“, weiß Monika Steiniger, Koordinatorin des Kinder- und Jugendtelefons Hamburg. „Wir klären mit der Anruferin die Gefühle und machen ihr deutlich, dass Verliebtsein zunächst eine schöne Sache ist. Doch wir weisen natürlich auch auf die Probleme hin, wenn es sich um den Lehrer handelt.“ Meistens wüssten die Mädchen auch, dass dieser für sie unerreichbar ist.

Ursache in der Familiengeschichte

„Gerade weil der Pädagoge unerreichbar ist, bauen Mädchen oft diese Beziehung auf“, sagt Dunkel. Durch seine langjährige Berufserfahrung weiß er, dass oft psychologische Gründe Auslöser für diese Liebe sind. „Häufig finden wir Ursachen tief in der Familiengeschichte. So haben diese Mädchen etwa den schmerzlichen Verlust des Vaters erlebt. Sie suchen sich dann Männer aus, die sie nicht bekommen können, um die Trennung nicht noch einmal erleben zu müssen.“ Oder Lehrer werden als Vaterersatz auserkoren. „Sie sind für Teenager wissende Männer, die eine starke Schulter zum Anlehnen bieten.

Lehrer müssen das Gespräch suchen

Spürt ein Lehrer, dass eine Schülerin mehr als nur Sympathie für ihn empfindet, sollte er unbedingt das offene Gespräch suchen, raten die Experten. Außerdem sollte er Kollegen informieren und Rat einholen. „Die Aussprache sollte nur an einem unverfänglichen Ort stattfinden“, rät Becker. Nur so sei gewährleistet, dass die Schülerin dem Lehrer nichts anhängen kann – etwa aus Enttäuschung über die Abfuhr. „Beziehungen mit Abhängigen führen auf jeden Fall zu einem Disziplinarverfahren“, warnt Becker. Damit die emotionale Trennung vom eigenen Lehrer möglichst schmerzfrei vonstatten geht, sollte der Lehrer auch seine eigenen Lebensverhältnisse deutlich machen – etwa auf Ehe und Kinder verweisen. Gleichzeitig sollte er aber betonen, dass das Mädchen auch weiterhin gemocht wird.


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