Mehr als ein Modethema
Ist mein Kind hochbegabt?
Woran erkenne ich, dass mein Kind hochbegabt ist und was ist im Umgang mit hochbegabten Kindern wichtig? urbia befragte eine Expertin zu diesem Thema, das sich momentan wachsender Aufmerksamkeit erfreut.
Einfach nur Chancengleichheit
Das Thema Hochbegabung erfreut sich seit einiger Zeit wachsender Beliebtheit. Dennoch ist die Vorstellung eines hochbegabten Kindes noch immer mit zahlreichen Vorurteilen behaftet. Die einen setzen Hochbegabung schlichtweg mit sehr guten schulischen Leistungen gleich, andere vermuten umgekehrt hinter jedem verhaltensauffälligen Kind ein verstecktes Genie. Eltern hochbegabter Kinder werden gerne für Ehrgeizlinge gehalten, die ihren Nachwuchs einer Dressur unterzogen haben. Und Hochbegabung in der Schule gilt bisweilen eher als Makel denn als willkommene Gabe, seit sich herumgesprochen hat, dass sich gerade Hochbegabte zu Schulversagern wandeln können.
Der Umgang mit dem Thema ist nicht einfach. Denn er konfrontiert alle Normalbegabten mit dem nicht unbedingt angenehmen Gefühl, dass da andere besser ausgestattet ins Leben gehen und sich spielerisch zu großartigen Leistungen aufschwingen können, während man selbst sich womöglich stets - auch mit viel Fleiß - nur im Mittelfeld bewegen wird. Vielleicht führt dies zu den versteckten und bisweilen offenen Anfeindungen, mit denen hochbegabte Kinder zum Beispiel in der Schule zu kämpfen haben. Zum anderen sind unser Schulsystem und das pädagogische Personal bislang auf die angemessene Förderung von Kindern des oberen Leistungspektrums nicht ausreichend eingestellt und vorbereitet. Das kann zu Überforderung der Lehrerschaft und bedrückender Unterforderung des hellwachen und lernhungrigen Kindes führen.
Zur Lösung des Problems mag es vielleicht beitragen, dem Thema Hochbegabung den Nimbus des Exotischen zu nehmen und einen möglichst nüchternen Umgang mit dem Phänomen anzustreben. In Deutschland gibt es rund 1,5 Millionen überdurchschnittlich intelligente und etwa 300.000 hochbegabte Schulkinder. Und sie, das betonen Vertreter von Hochbegabten-Institutionen, haben die gleichen Bedürfnisse wie andere Kinder auch. Sie wollen geliebt werden und sich ihren individuellen Anlagen entsprechend entfalten dürfen. Nur darum geht es also - um Chancengleichheit für alle Kinder.
Diesen Ansatz vertritt auch die Kölner Diplom-Psychologin Dr. Ida Fleiß, die nach jahrelanger Beschäftigung mit Hochbegabten nun ein Buch zum Thema veröffentlicht hat. urbia sprach mit ihr über die Bedürfnisse und Probleme hochbegabter Kinder.







