Kurse zur Selbstbehauptung

Mädchen schützen sich vor Gewalt

Gewalt gegen Frauen ist weit verbreitet. In Kursen lernen Mädchen und Frauen, wie sie sich wehren können. Dabei beginnt alles mit einem sicheren Auftreten.

von Anne Rodler
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Maedchen Selbstverteidigung iStock bholland
Foto: © iStockphoto.com/ bholland

Mit der Angst umgehen

Welche Frau kennt das nicht? Dunkle Parkhäuser, schlecht ausgeleuchtete Wege durch den Park, schmuddelige, verwinkelte und enge Unterführungen, die schlichtweg abschrecken und beklemmende Gefühle auslösen. Das sind Orte, die Frauen Angst einjagen und sogar Bauchschmerzen bereiten können. Und die Angst ist einfach da, unerwünscht und nicht zu verdrängen, auch wenn nach Angaben der Kriminalpolizei Bonn diese beschriebenen dunklen Ecken in der Stadt gar nicht die typischen Orte sexueller Nötigung oder gar Vergewaltigung sind. Denn der größte Teil (geschätzt mindestens 60 Prozent) der Sexualstraftäter stammt aus dem Bekannten- oder Verwandtenkreis, aus dem Kollegium oder der Nachbarschaft.

Probleme angehen

Asiatische Kampfsportarten wie Aikido und Karate, Wen Do, ein feministisches Programm von Frauen für Frauen und Mädchen, und Kurse zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung haben sehr unterschiedliche Ansätze. Das Wichtigste ist, dass Mädchen wie Frauen überhaupt etwas unternehmen, um ihre Angstgefühle weitgehend in den Griff zu bekommen. Sie müssen ein sicheres Auftreten üben und Möglichkeiten der Gegenwehr kennen. "Denn sexuelle Straftäter," so Anja Reitz, Diplom-Psychologin und Kursleiterin bei der Kripo in Bonn, "suchen Opfer, keine Gegner. Bei einer sexuellen Nötigung oder gar Vergewaltigung steht die sexuelle Befriedigung für einen Mann nicht im Vordergrund, sondern die Machtausübung über untergebene und untätige Opfer." Und genau an diesem Punkt setzen Schulungen in Selbstbehauptung und Selbstverteidigung an.

Die Stärken des "schwachen Geschlechts"

"In Euch schlummern unentdeckte Kräfte!" ist die Ermutigung, die in vielen Kursen zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung gemacht wird. Deren Ziel ist, Frauen und Mädchen zu helfen, in Angstsituationen besser zurecht zu kommen. Wenn Fähigkeiten wie beispielsweise lautstarkes Schreien tatsächlich entdeckt werden, versetzt das so manche Teilnehmerin ins Staunen. "Ich habe noch nie in meinem Leben so richtig laut geschrieen", ist eine sehr häufige Aussage in den Kursen. "Da merken wir dann, wie sehr die Mädchen und Frauen dazu erzogen worden sind, immer schön lieb und nett aufzutreten," berichtet die Psychologin Anja Reitz. "Allerdings entdecken unsere Kursteilnehmerinnen dann auch oft, wie viel Spaß es machen kann, mal so richtig laut zu sein!"

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