Gespräch mit einem Schulpsychologen

Schlechte Noten? Trösten statt strafen

Jetzt ist wieder Zeugniszeit. Schlechte Noten bringen viele Eltern auf die Palme und Schüler in Verzweifelung. Ein Schulpsychologe rät zur Besonnenheit.

von Constanze Nieder
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Schulkind Zeugnis panther regine schoettl
Foto: © panthermedia, Regine Schöttl

Zeugnisvergabe: Das Grauen vieler Schüler

An diesem Tag gehen viele Kinder und Jugendliche mit einem beklemmenden Gefühl in die Schule: Die Zeugnisse werden verteilt. Auch wenn sie vorher schon wussten, dass es in diesem Halbjahr nicht so klasse gelaufen ist, spätestens jetzt lassen sich die Noten vor den Eltern nicht mehr verheimlichen. Vor dem, was sich zu Hause angesichts der schlechten Schulleistungen abspielen wird, graut es ihnen - Streit, Ärger, Verbote ... Außerdem sind schwarz auf weiß so manche Hoffnungen zerstört, dass der Lehrer vielleicht doch noch ein Auge zudrückt und eine Vier gibt.

Wir sprachen mit dem Schulpsychologen Klaus Kuhlmann vom Kölner Zentrum für Schülerförderung, Bildungsberatung und Schulpsychologie über Zeugnisse, schlechte Noten und die Reaktion der Eltern.

Kein Kind wünscht sich schlechte Noten

"Eigentlich sind die Zeugnisse schon vorher bekannt. Die Eltern könnten die Noten ihres Kindes wissen. Jede Lehrkraft hat in der Woche eine Sprechstunde, wenn die Eltern wollen, könnten sie sich immer über den Leistungsstand ihres Kindes informieren", meint der Experte. Wenn Eltern dann unvorbereitet aber das schlechte Zeugnis zu sehen bekommen, dann sollten sie vor allem eines tun: Das Kind trösten.

"Ich habe noch kein Kind erlebt, das gerne schlechte Noten haben möchte. Auch wenn manche ganz cool wirken, sie sind alle geknickt", weiß Klaus Kuhlmann. Hausarrest, Taschengeldentzug, Fernsehverbot bringen überhaupt nichts, so der Schulpsychologe: "Strafen sind unangebracht. Kinder sind zum Teil sogar dankbar, wenn sie bestraft werden. Dann richtet sich die Wut und der Ärger gegen die Eltern, die eigenen Schuldgefühle sind aber weg. Das verstellt den Blick auf die Ursachen des Schulversagens." Die Gründe müssen aber erkannt werden, damit die Schulleistungen wieder besser werden können.

Freude der Eltern ist Belohnung genug

Was ist denn eigentlich mit den Schülern, die in vielen Fächern Einser und Zweier haben? Spricht denn keiner über gute Schüler? Sollen sie belohnt werden? "Eigentlich ist es Belohnung genug, wenn die Eltern sich über die guten Noten freuen und ihren Kindern das auch zeigen", meint der Schulpsychologe.

Von Geld und anderen Zuwendungen hält er nicht viel: "Wenn das Kind dann keine guten Noten mehr schreibt, ist es ja doppelt gestraft: Es hat schlechte Noten, über die es traurig ist, und bekommt keine Belohnung mehr."

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