Begabt oder besonders fleißig?

Das Geheimnis guter Schüler

Warum sind manche Kinder gute Schüler und andere nicht? Sind sie einfach begabter oder intelligenter? Sind sie Streber, die den ganzen Tag nur lernen? Oder werden sie von Eltern und Lehrern besser unterstützt und ermutigt? Wir haben uns auf die Suche nach dem Geheimnis guter Schüler gemacht.

Autor: Sabine Ostmann
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Wer positiv denkt, lernt besser

Schuelerin Tafel im Hintergrund
Foto: © iStockphoto.com/ J-Elgaard

Bildung ist heute mehr denn je der Schlüssel zum Erfolg. Annette Schavan hat es auf den Punkt gebracht: „Bildungschancen eröffnen Lebenschancen“, sagt die Bundesbildungsministerin. Tatsächlich haben gute Schüler bessere Chancen: Auf Schulerfolge, auf gute Ausbildungsplätze, das Wunsch-Studium an einer angesehen Uni, den Traumjob, Geld und Prestige. Aber was sind eigentlich gute Schüler? Wunderkinder mit Einser-Schnitt? Streber, die immerzu büffeln? Und wie wird ein Kind überhaupt zu einem guten Schüler? Durch fleißiges Lernen? Oder liegt der Schulerfolg in den Genen? Das Geheimnis guter Schüler beschäftigt nicht nur Eltern. Auch Heerscharen von Pädagogen erforschen, was erfolgreiche Schüler anders machen als weniger erfolgreiche.

Reines Pauken ist es schon mal nicht. Das haben Wissenschaftler der Universität Pennsylvania herausgefunden. In einem Langzeitprojekt hat das Forscherteam um den Psychologen Martin Seligmann eine Reihe von Studien zum Erfolg von Lernprogrammen aus den vergangenen 20 Jahren mit Daten von mehr als 2000 Schülern im Alter von acht bis 15 Jahren ausgewertet. Ihre Erkenntnis: Wichtiger als das Einpauken des Lernstoffs, ist die innere Haltung. Kinder, die positiv denken und selbstsicher an neue Aufgaben herangehen, lernen besser als andere. Denn sie können ihre Stärken und Fähigkeiten besser einschätzen. Das hilft ihnen, flexibel auf neue Herausforderungen zu reagieren, Probleme realistisch zu sehen und gelassener mit Stress umzugehen.

Die innere Haltung ist wichtiger als reines Pauken

Doch nicht nur die innere Einstellung, auch die Fähigkeit sich zu konzentrieren ist ein wichtiger Faktor für erfolgreiches Lernen. Aufmerksamkeit und Konzentration stellen entscheidendes Kapital für das Gelingen der Schul- und Berufslaufbahn dar (und werden im Verlaufe der normalen Entwicklung eines Kindes, wenn es in Ruhe spielen darf und keiner übermäßigen Reizüberflutung ausgesetzt ist, ganz von selbst trainiert). Diese Erkenntnis bestätigt der Mediziner Joshua Breslau von der Universität Kalifornien. Er und sein Team haben in einer Langzeitstudie Daten aus Beobachtungen von Erziehungs-Stilen und Lernstandserhebungen von über 700 Kindern von der Kindergartenzeit bis zum 17. Lebensjahr ausgewertet. Das Ergebnis: Kinder, die bereits in frühem Alter Aufmerksamkeitsschwächen zeigten, wurden diese während ihrer gesamten Schullaufbahn nicht mehr los – entsprechend schlecht fielen ihre schulischen Leistungen aus. Guten Schülern dagegen fiel es leicht, sich zu fokussieren und ihre Gedanken zu ordnen. Eltern und Lehrer, so die US-Forscher, sollten daher frühe Anzeichen für Aufmerksamkeits- und Konzentrationsschwächen unbedingt ernst nehmen und der Ursache auf den Grund gehen: Langweilt sich das Kind im Unterricht? Wie ist die Situation zu Hause, gibt es genügend Freiräume, um sich in Ruhe mit einer Sache zu beschäftigen? Wird gelesen? Oder stehen Computer- und TV-Konsum im Vordergrund? Fällt es dem Kind schwer, sich längere Zeit auf eine Aufgabe zu fokussieren? In diesem Fall helfen auch gezielte Trainings und Konzentrationsspiele wie etwa Puzzle.

Liegt also das Geheimnis guter Schüler im positiven Denken und einer guten Konzentrationsfähigkeit? Beides spielt eine wichtige Rolle. Außerdem verfügen gute Schüler auch über eine ausgeprägte kognitive, soziale und emotionale Intelligenz. Das Wichtigste aber ist: Sie sind neugierig und haben Freude am Ausprobieren, Erforschen und Lernen. „Gute Schüler sind an vielen Dingen interessiert. Sie lernen nicht, weil sie müssen, sondern, weil sie wollen. Sie schöpfen ihre Potenziale aus und bringen sie zur Entfaltung. Und wenn sie auf ihrem besonderen Interessensgebiet begeistert lernen, strahlt das auch auf Bereiche aus, die weniger beliebt sind, etwa Grammatik oder Mathe", erklärt der Adolf Timm. Der ehemalige Schulrektor geht davon aus, dass jedes Kind von Natur aus wissbegierig ist: „Alle Kinder wollen lernen. Und Eltern werden überrascht sein, was in ihren Sprösslingen steckt.“ Aufgabe der Eltern sei es, so Timm, „gute Autorität“ auszuüben, ihre Kinder zu motivieren und selbstentdeckendes Lernen zu fördern.

Man kann gut in der Schule sein, ohne den ganzen Tag zu lernen“, findet der neunjährige Erik. Und er hat Recht: „Gute Schüler lernen oft nicht einmal besonders viel, aber dafür effektiver“, hat die Gymnasiallehrerin Ruth Bergner festgestellt. „Sie verfügen über eine hohe Auffassungsgabe und nehmen meist rege am Unterricht teil. Sie arbeiten am liebsten eigenständig und sind oft recht ordentlich, gut organisiert und ehrgeizig“. „Mit Themen, die sie interessieren, beschäftigen sich meine Söhne gerne, auch in ihrer Freizeit. Sie stellen Fragen, machen sich eigene Gedanken und haben Freude daran, diese mit anderen zu teilen. Auswendiglernen dagegen langweilt sie“, ergänzt Angela Dietrich, Mutter zweier recht guter Schüler.

Auch gute Schüler haben mal schlechte Noten

"Wer sich nur auf Schule konzentriert, ist ein Streber“, meint der elfjährige Lukas. „Gute Schüler haben auch noch andere Interessen und lernen nur, wenn es nötig ist.“ Auch Studienrätin Ruth Bergner attestiert guten Schülern ein sehr pragmatisches Verhältnis zum Lernen: „Sie begeistern sich für manche Fächer und finden andere öde. In ihren Glanzfächern laufen sie zur Höchstform auf, in den ungeliebteren erledigen sie das Lernpensum nach einer strammen Aufwand-Nutzen-Kalkulation. Grundsätzlich aber gehen sie gerne zur Schule. Und im Gegensatz zu unmotivierten und völlig desinteressierten Schülern ist es ihnen nicht egal, ob sie Bismarcks Sozialgesetzgebung oder das Telefonbuch lernen. Deshalb bleiben sie auch am Ball, wenn sich nicht gleich der Erfolg einstellt.“

In unserem Schulsystem sind Noten nun einmal die zentralen Parameter zur Messung des Lernerfolgs. „Deshalb kann man erst dann von Schulerfolg sprechen, wenn ein Schüler in der Lage ist, sein Wissen und Können auch zu zeigen. Und er muss in der Lage sein, Wissen, welches er in einem bestimmten Kontext erworben hat, auch auf einen anderen Kontext zu übertragen“, erklärt Professor Nele McElvany, Leiterin des Instituts für Schulentwicklungsforschung an der TU Dortmund. „Mit Intelligenz und Wissen allein ist es nicht getan. Auch Motivation und Einstellung spielen dabei eine wichtige Rolle. Prüfungsangst und Desinteresse etwa können das Lernen behindern, während Motivation und eine positive Haltung zu den eigenen Fähigkeiten lernförderlich sind. All diese Faktoren spielen beim Lernerfolg eine wichtige Rolle.“

Dass Lernerfolg in Noten gemessen wird, bedeutet aber keinesfalls, dass nur Kinder, die gute Noten schreiben, gute Schüler sind. „Auch gute Schüler schreiben mal schlechte Noten, das heißt aber nicht, dass sie deswegen schlecht sind“, findet die neunjährige Dina. Ihre Mutter Ingunn ergänzt: „Schlechte Noten gehören zum Lernen dazu. Sie stacheln den Ehrgeiz an, es beim nächsten Mal besser zu machen“. Übrigens haben gerade besonders begabte Kinder manchmal schlechte Noten. Ihre Begabung wird vielleicht nicht erkannt und sie werden nicht ihren Fähigkeiten entsprechend gefordert und gefördert. Die Folge: Sie langweilen sich, schalten im Unterricht ab und ihre Schulleistungen lassen nach.

Wie das Elternhaus über den Schulerfolg entscheidet

Bevor Eltern ihre Kinder nun für hochbegabt halten, wenn diese eher schlechte Noten nach Hause bringen, sollten sie sich fragen, wie sie selbst ihre Sprösslinge unterstützen können. Gerade in Deutschland hängt der schulische Erfolg von Kindern in hohem Maße von ihrer sozialen Herkunft und den Verhältnissen im Elternhaus ab. „Viele Studien belegen, dass der Schulerfolg eines Kindes in Deutschland umso geringer ausfällt, je niedriger der sozioökonomische Status und die berufliche oder schulische Bildung seiner Eltern sind. Andererseits gehen positive Wertvorstellungen zum Thema Bildung mit höherem Schulerfolg des Kindes einher," so Bildungsforscherin Nele McElvany. Josef Kraus, Präsident des Lehrerverbandes, bringt es auf den Punkt: „Wenn es zu Hause nicht klappt, klappt es auch in der Schule nicht.“

Laut der Pisa-Studie von 2009 haben Eltern einen größeren Einfluss auf den Schulerfolg ihrer Kinder als Lehrer und Unterricht zusammen. Ex-Schulrektor Adolf Timm sieht deshalb vor allem die Eltern in der Pflicht. Gemeinsam mit dem Jugendforscher Klaus Hurrelmann, Professor für öffentliche Gesundheit und Bildung an der Hertie School of Governance, Berlin, sowie Leiter der Shell Jugendstudie, hat er ein Training entwickelt, das Eltern zu Lerncoachs ihrer Kinder machen soll. Er ist überzeugt: „Die Schule und vor allem das Elternhaus wecken die Lernfreude, wenn sie nicht Fässer befüllen, sondern Flammen entzünden, wie der griechische Philosoph Heraklit es formulierte. Ein Kind braucht Eltern, die sich selbst als Lernende verstehen, die Familie als Lernort verstehen und dem Kind das Signal geben, dass sie ihm etwas zutrauen, aber auch etwas von ihm erwarten. Dadurch wird die ‚positive Selbsteinschätzung’ des Kindes gestärkt – und das ist eine entscheidende Voraussetzung für den Schulerfolg.“

Eltern haben Vorbildfunktion

Kinder brauchen Sicherheit und Stabilität. So vermitteln Eltern ihrem Kind Selbstbewusstsein und eine positive Lebenseinstellung: Zeigen Sie ihm täglich Ihre Liebe und Anerkennung. Nehmen Sie es ernst. Interessieren Sie sich für seine Wünsche, Träume und Sorgen. Zeigen Sie ihm, dass Sie an es glauben und dass es ein wertvoller Mensch ist, unabhängig von seiner Leistung. Vielfältige Anregungen fördern die Neugierde: Bücher, Lesen und Vorlesen, gemeinsame Aktivitäten und Entdeckungstouren. So vermitteln Eltern Bildung als erstrebenswertes Ziel. Kinder orientieren sich am elterlichen Vorbild: Wenn Vater und Mutter vielseitige Interessen pflegen, engagiert sind und Durchhaltevermögen beweisen, wenn es mal schwieriger wird, zeigen sie ihren Kindern den richtigen Weg auf. Kinder sollten ihre Eltern als Lernende erleben, die offen und optimistisch mit Herausforderungen umgehen.

(Selbst-)Motivation fördern: Unterstützen Sie die Interessen Ihres Kindes und selbstentdeckendes Lernen. Ermutigen Sie es, Neues auszuprobieren, Dinge, besser oder anders zu machen – und zwar in seinem Tempo. Kinder brauchen Unterstützung beim Lernen, aber auch Freiräume, um sich selbst auszuprobieren. Deshalb ist es wichtig, dass sie lernen, eigenständig zu arbeiten. Es genügt, wenn Eltern Unterstützung anbieten; aufdrängen müssen sie sie nicht. Eingreifen ist nur nötig, wenn Konzentrationsstörungen oder schulische Probleme auftreten. Interessieren Sie sich für die Schule und das Lernverhalten Ihres Kindes. Finden Sie heraus, wann und wie es am besten lernt. Sie können es dabei unterstützen, effektive Techniken zu entdecken, die die Konzentration fördern und das Lernen erleichtern. Nehmen Sie Schule und Noten nicht zu wichtig. Vermeiden Sie es, übermäßigen Druck auf Ihr Kind auszuüben.

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