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Gedächtnis-Genies: So lernen Kinder
Kinder sind kleine Gedächtnis-Genies, das weiß jeder Erwachsene, der schon einmal versucht hat, gegen ein Kind im Memory zu gewinnen. Warum aber lernen Kinder dann nicht alles ganz leicht, zum Beispiel, wenn sie in die Schule kommen? Erfahren Sie hier, wie das kindliche Gedächtnis gefüttert werden will.
Lernen ist nicht gleich Lernen: Die Neurodidaktik kennt die Gesetze
Kinder sind in vielerlei Hinsicht faszinierende kleine Wesen, die uns Erwachsene immer wieder in Erstaunen versetzen. Ihr Gedächtnis zum Beispiel – phänomenal! Während unsereins verzweifelt versucht, sich daran zu erinnern, wo der Autoschlüssel abgeblieben ist, lernen sie innerhalb von drei, vier Spieldurchgängen das neue Hubschrauber-Quartett auswendig, kennen Rotordurchmesser, maximale Stundenkilometer und vier weitere Vergleichsgrößen von 32 Modellen. Schon Dreijährige merken sich siebensilbige Dinosauriernamen und ordnen sie den richtigen Abbildungen in der entsprechenden "Wieso? Weshalb? Warum?"-Ausgabe zu. Genial, denkt man als Elternteil und reißt schon mal vorsorglich jeden Artikel über Hochbegabung aus der Zeitung. Aber nur so lange, bis der Nachwuchs in die Schule kommt und sich mit dem kleinen Einmaleins und ersten Grammatikregeln oder Vokabeltests konfrontiert sieht. Denn dann scheint bei vielen kleinen Gedächtnisgenies plötzlich ihr Talent zu versagen.
Wieso bleibt der 'Brachiosaurus' hängen und die Lateinvokabel nicht?
Wie kann das sein? Stellt sich das Kind dumm? Ist es einfach nur faul? Oder wurde ein "Zeitfenster" verpasst, um eine vorhandene Fähigkeit ausreichend zu fördern? Dreimal nein. Das (Kinder-)Gedächtnis funktioniert, wenn’s ums Pauken geht, nach eigenen Gesetzen, mit denen sich eine ganze Wissenschaft auseinandersetzt: die Neurodidaktik. Und wer diese Gesetze kennt, versteht erstens, warum manche Informationen besser hängen bleiben als andere, kann seinem Nachwuchs zweitens helfen, sein naturgegebenes Merk- und Lerntalent auch in ungeliebte Schulfächer hinüber zu retten, und nimmt drittens Anregungen für den eigenen Alltag mit – um sich zum Beispiel in Zukunft besser merken zu können, dass der Autoschlüssel auf dem Kühlschrank liegt. Gerade Punkt zwei hat heute oberste Priorität. "Noch nie hat sich eine Elterngeneration derart intensiv um die (Schul-)Bildung ihrer Sprösslinge gekümmert – das gilt jedenfalls für etwa 80 Prozent der Eltern in Deutschland", schreibt Martin Korte, Professor für zelluläre Neurobiologie an der TU Braunschweig, in seinem Buch "Wie Kinder heute lernen" (19,95 Euro, Deutsche Verlags-Anstalt). In Sachen Schulerfolg wird nicht mehr auf die Lehrer vertraut, sondern aktiv begleitet.
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis der Neurodidaktik: Auch wenn der Vergleich unermüdlich herangezogen wird, macht es keinen Sinn, das menschliche Gehirn als Festplatte eines PCs zu beschreiben. "Das Gehirn speichert nicht nur Informationen, wie es ein Computer macht, es interpretiert sie automatisch", erklärt die Journalistin Claudia Tebel-Nagy in ihrem Buch "Gedächtnis: Wie Eltern ihr Kind unterstützen können" (10, 00 Euro, Deutscher Taschenbuch Verlag), "Es soll ‚etwas Gescheites’ dabei herauskommen, wenn die vorhandenen Informationen aus dem Gedächtnis abgerufen werden." Brauche ich diese Information? Bringt sie mir etwas? Belastet sie mich auch nicht? Das sind Fragen, die das Gehirn stellt, bevor es eine neue Information zumindest erstmal ins Kurzzeitgedächtnis aufnimmt. Und wenn es sich dagegen entscheidet, dann ist das kein Lernboykott, sondern reiner Selbstschutz: "Das Gehirn ist ein ökonomisches Organ. Wenn es alle Außenreize und Informationen, jede alltägliche Kleinigkeit speichern würde, würde es vermutlich explodieren", schreibt Claudia Tebel-Nagy, "in jedem Fall wären wir durch solch eine grenzenlose Reizüberflutung handlungsunfähig." Für Kreativität bliebe kein Platz mehr.

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