Kolumne „Fröhliches Familienleben"

Nie wieder Hausaufgaben!

Mit der Schule beginnt für Kinder der Ernst des Lebens - vor allem am Nachmittag. Jetzt gibt es Hausaufgaben und täglich die Möglichkeit, mit seinen Sprösslingen aneinander zu geraten. urbia-Autorin Felicitas Römer verweigert sich der Hausaufgaben-Quälerei. Wie das gelingt, liest du in ihrer Kolumne.

Autor: Felicitas Römer
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Eine mütterliche Glücksfantasie

Nie wieder Hausaufgaben
Foto: © Fotolia

Wenn es um Hausaufgaben geht, bin ich eine schlechte Mutter. Ich mache nämlich keine. Zumindest nicht mit meinen Kindern. Ich helfe ihnen prinzipiell nicht bei ihren nachmittäglichen Bemühungen, das in der Schule Erlernte „zu vertiefen und zu verinnerlichen“. Im Gegenteil zu vielen Familien in meinem Bekanntenkreis gibt es bei uns daher keinen Kampf um Hausaufgaben. Nie. Das liegt wohl daran, dass zwei meiner Kinder überhaupt keine Hausaufgaben aufbekommen. Meine Tochter macht bald Abi und hat ohnehin keinen Bock, mit Mami Lernstoff zu vertiefen.

Der größere Sohn besucht ein Ganztagsgymnasium. Dort lernen sie direkt vertieft. Und den Rest, der noch nicht so ganz vertieft ist, den vertiefen sie dann vor Ort in der Studienzeit. Das schont den Rücken, da alle Bücher in der Klasse bleiben. Und vor allem schont es unsere Nerven: Filius kann sich ab 16 Uhr direkt seinem PC oder einem Buch oder seiner Gitarre zuwenden. Oder einfach abhängen, was derzeit ja seine Lieblingsbeschäftigung ist.

Ob Kinder ohne Hausaufgaben genug lernen?

Felicitas Roemer

Felicitas Römer

Der Kleinere bummelt jeden Morgen in eine nah gelegene Grundschule. Sein Lehrer gibt nur den Kindern Übungen mit nach Hause, die das ausdrücklich wünschen. Oder deren Eltern das ausdrücklich wünschen. Und das auch höchstens einmal die Woche. Als er diese frohe Botschaft auf dem ersten Elternabend verkündete, wäre ich ihm am liebsten um den Hals gefallen. Andere Mütter hingegen runzelten sorgenvoll die Stirn: Ob die Kinder dann auch genug lernten. Und wie sie dann den Lernfortschritt ihrer Kinder kontrollieren sollten.

Sonst denkt der Lehrer doch, dass alle Kinder alles geschnallt hätten!

Liebe Eltern: Hausaufgaben sind nicht dazu da, damit ihr wisst, was eure Kinder in der Schule lernen. Hausaufgaben dienen laut Aussage einer Diplom-Pädagogin lediglich dazu, „dem Lehrer Rückmeldung über den Leistungsstand des Kindes zu geben“.
Der Lehrer meines Grundschülers braucht offensichtlich keine Hausaufgaben, um dessen Lernfortschritte einzuschätzen. Seine wöchentlichen Kurzberichte deuten jedenfalls schwer darauf hin: „In der letzen Woche hast du viel mit dem Montessori-Material im Zahlenraum von 1-10 gerechnet und wirst dabei immer sicherer.“ Na geht doch! Ganz ohne häusliche Zusatzpaukerei.

Ein sehr geschätzter früherer Lehrer meiner Tochter mahnte auf einem Elternabend, die Schüler sollten unbedingt ihre Hausaufgaben alleine erledigen, und bitteschön unbedingt auch mit Fehlern. Nur so könne er erkennen, welchen Stoff er wiederholen müsse. Ich nehme diesen Appell bis heute ernst. Umso merkwürdiger mutet mir an, wie selbstverständlich bereits zitierte Frau Diplom-Pädagogin davon ausgeht, dass Eltern „natürlich den Wissensstand des Kindes an die zu erbringenden Aufgaben angleichen müssen, wenn es den neuen Stoff in der Schule nicht verstanden hat“.

Bin ich jetzt der Hiwi des Lehrers?

Wie jetzt? Bin ich jetzt der Hiwi des Lehrers? Muss ich meinem Kind zu Hause den Kram verklickern, den der gut dotierte Profi nicht ordentlich vermitteln konnte? Und das, obwohl ich weder Biologie noch Chemie studiert habe und auch keinen blassen Schimmer von kreativen Lehrmethoden habe?

Nicht, dass ich meinen Kindern keine Fragen beantworte. Ich schlage mit ihnen auch schon mal was in einem Lexikon oder einem Atlas nach. Aber ich weigere mich hartnäckig, zu Hause den Job des Paukers zu übernehmen. Da schreibe ich lieber eine entsprechende Nachricht ins Hausaufgabenheft und gehe mit meinen Kindern Eis essen. Sonst denkt der Lehrer womöglich noch, er mache so tollen Unterricht, dass alle Kinder auf Anhieb alles geschnallt hätten!

Ansonsten ist ja längst wissenschaftlich belegt, dass Hausaufgaben niemanden schlauer machen. Gute Drittklässler werden nicht besser, wenn sie zu Hause zum x-ten Mal das Einmaleins durchnudeln. Und Kinder, die schon im Unterricht den Unterschied zwischen Parallel- und Serienschaltung nicht kapiert haben, werden auch am heimischen Schreibtisch nicht zwangsläufig von neuen physikalischen Erkenntnissen heimgesucht.

Meine Idee: Hausaufgabenverbot

Sogar viele Lehrer geben unumwunden zu, dass Hausaufgaben bei den meisten Schülern „überhaupt nichts“ bringen. Professor Hans Gängler von der Technischen Uni Dresden kommt zu dem Ergebnis, dass es sich bei Hausaufgaben „eher um ein pädagogisches Ritual als um eine im schulischen Sinn Erfolg versprechende Maßnahme“ handelt. Wozu dann die ganze Quälerei?

Meine Tochter hat im Gegensatz zu ihren glücklichen Brüdern ziemlich viele Hausaufgaben auf. Als Oberstufenschülerin brütet sie schon mal bis spät in die Nacht über romantischer Lyrik oder den Hauptthesen des „Fiskalismus“. Dass ich ihr in Mathe ohnehin keine adäquate Hilfe sein kann, liegt vielleicht daran, dass ich in meinem Alltag recht selten die Ableitung einer Exponentialfunktion bilden muss.

Solltest du als gute Hausaugaben-Mutti übrigens mit dem Schulstoff deines Kindes kognitiv überfordert sein, rät Frau Diplom-Pädagogin zu einer familieninternen Problemlösung: „Ältere Geschwister können beim Erklären sehr hilfreich sein, weil sie mit der Materie meist vertrauter sind.“

Ich habe da eine viel bessere Idee: Hausaufgabenverbot. Und zwar komplett und flächendeckend. Unsere Burn-out-gefährdeten Lehrer wären schlagartig entlastet, weil sie den zerknickten Hausaufgabenzetteln nicht mehr ständig hinterher rennen müssten. 90 Prozent aller Familienstreitigkeiten würden sich in Luft auflösen. Blöder wären unsere Sprösslinge nicht, höchstens ein bisschen fröhlicher. Und Kinder und Eltern könnten den ganzen Nachmittag gemeinsam chillen. Aber vielleicht gönnen uns das die Pädagogen einfach nicht?


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