Stress auf dem Schulweg

Wenn die Angst im Schulbus mitfährt

Wenn Kinder im Schulbus Hänseleien und Angriffen anderer Schüler ausgesetzt sind, kann die Angst vor dem täglichen Schulweg zur großen Belastung werden. Jenaer Forscher haben sich mit dem Schulbus-Phänomen beschäftigt.

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Eine Form der Schulangst

Schulbus Schueler
Foto: © panthermedia.net/ Otto Durst

Für viele Kinder beginnt und endet der Schultag mit der täglichen Busfahrt. Hier treffen sie auf die Mitschüler, vergleichen noch schnell die Lösung der Mathe-Hausaufgaben, auch kleinere Neckerein oder Rauferein kommen vor. Für manche wird die tägliche Fahrt jedoch zum Horrortrip und die Hänseleien der anderen zur Seelenqual. "Das so genannte Schulbus-Phänomen beschreibt ein Störungsbild bei Kindern, die im Schulbus dominanten meist körperlich und verbal aggressiven Schülern ausgesetzt sind", erläutert Prof. Dr. Günther Scholz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Ein Projekt unter der Leitung des Erziehungswissenschaftlers, der am Lehrstuhl für Pädagogische Psychologie arbeitet, hat sich mit dem Phänomen beschäftigt. Es wurde ein Fragebogen entwickelt, mit dem gefährdete Kinder erkannt und die Ausprägung des Phänomens erfasst werden kann.

Dazu wurden Schüler, Eltern und Busfahrer zur Situation in den Thüringer Schulbussen befragt. Ca. 8 - 10 Prozent der Kinder leiden, laut Prof. Scholz, unter dem Schulbus-Phänomen, einer speziellen Art von Schulangst. "Die Störungen treten meist beim Wechsel von der vierten in die fünfte Klassenstufe auf - also zu dem Zeitpunkt, an dem die Kinder von der Grundschule in eine zentrale Regelschule oder auf ein Gymnasium wechseln und erstmals den Schulbus benutzen", sagt er. "Bei Einzelkindern tritt die Störung häufiger auf." Auch die Länge der Fahrzeiten beeinflusse die Angstausprägung.

Forschung über das Schulbus-Phänomen führte zu schülergerechten Modellbussen

Im Rahmen des Projektes erarbeiteten die Wissenschaftler gemeinsam mit den Kindern Vorschläge, was man an der Inneneinrichtung der Schulbusse ändern könnte, damit sie sich wohl darin fühlen. "Denn wenn das Umfeld stimmt, wird auch der Angst der Betroffenen vorgebeugt", weiß der Jenaer Erziehungswissenschaftler aus Erfahrung. "Die jüngeren Schüler möchten möglichst weit vorne in der Nähe der ,respektheischenden' Busfahrer sein", berichtet Scholz. Daher gab es z. B. Vorschläge, die Anzahl der Sitze im vorderen Bereich zu verringern. Auf Bänken könnten mehr Kinder Platz finden. Auch Stehplätze mit der Möglichkeit zum Anlehnen wären eine Alternative zu den Zweiersitzen.

Die Wunschliste der Schüler war lang und reichte von "fröhlicheren Farben", über besser erreichbare Signalknöpfe, bis hin zu extra Behältern für die Taschen, damit sie während der Fahrt nicht weggenommen werden können. Tatsächlich hat sich ein Thüringer Omnibusbetrieb im Rahmen des Kooperationsprojektes mit den Wünschen der Schüler auseinandergesetzt und seinen Fuhrpark um zwei Busse ergänzt, bei deren Bau die Wünsche der Schüler berücksichtigt wurde. Das Unternehmen "Salzatours Lutz König" setzt seit die Modellbusse regelmäßig im Schulbus- und Linienbetrieb ein. "Die schülergerechten Busse sind ein gutes Beispiel dafür, dass die Ergebnisse unserer wissenschaftlichen Arbeit durchaus ihren Weg in die Praxis finden", freut sich Scholz. (idw)

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