20. SSW

20. SSW – Dein Baby in voller Länge

Halbzeit – Du hast die Hälfte deiner aufregenden Reise geschafft und kannst Bergfest feiern. Spätestens jetzt beginnt für viele Schwangere der spannende Countdown bis zur Geburt. Zählen hören kann dein Baby dich dabei noch nicht, aber es nimmt seine Umgebung bereits besser akustisch wahr. Die Entwicklungsfortschritte werden in der 20. SSW in der zweiten großen Ultraschalluntersuchung überprüft.

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Foto: © Lushpix Illustration
In der 20. SSW wird besonderes Augenmerk auf deinen wachsenden Bauch gelegt, denn die gynäkologischen Untersuchungen können in dieser Zeit viele wichtige Informationen über den Entwicklungsstand deines Babys geben. Um das Entwicklungsalter genau zu bestimmen, misst der Arzt den Fötus. In der Regel ist dieser zirka 25 Zentimeter lang und wiegt etwa 300 Gramm. Das Ungeborene kann im Idealfall nun alle Gliedmaßen voll ausstrecken. Das ist auch ein Grund, weswegen sich jetzt das Geschlecht des Kindes feststellen lässt – sobald die Gliedmaßen den Genitalbereich nicht mehr verdecken.

Durch die zunehmende Kraft deines Babys nehmen in der 20. SSW nun auch die meisten Schwangeren die Bewegungen in ihrem Bauch wahr. Das können erste Tritte sein, die beim Handauflegen auch dein Partner und Geschwisterkinder fühlen können oder lediglich zaghaftere Bewegungen. Das Baby entwickelt außerdem ein stärkeres Gefühl in den Fingerspitzen. Das ist ebenfalls ein Grund für die zunehmende Bewegung in deinem Bauch.

Der zweite Ultraschall

Im Laufe der Schwangerschaft werden routinemäßig drei große Ultraschallscreenings durchgeführt. Der zweite große Ultraschall, auch Fein-, Organ- oder Fehlbildungsultraschall genannt, findet zwischen der 19. und 22. Schwangerschaftswoche statt. Die Feinuntersuchung wird mit modernsten Ultraschallgeräten durchgeführt. Erfüllt dein Gynäkologe nicht die erforderlichen Standards, wird er dich an einen geeigneten Kollegen überweisen. Die hohen Qualitätsansprüche dienen dazu, die Bilder so genau wie möglich interpretieren zu können und verlässliche Diagnosen zu stellen.

Dabei soll die Entwicklung der Organe überprüft werden, um Fehlbildungen auszuschließen. Gibt es in der 20. SSW Unklarheiten oder Hinweise auf Fehlbildungen bei der Untersuchung, so kann der Arzt weitere Untersuchungen einleiten. Da sich viele Fehlbildungen und Krankheiten heute gut behandeln lassen, wenn sie früh entdeckt werden, ist die Feinuntersuchung so wichtig. Einige Defekte wie Herzfehler können inzwischen sogar noch im Mutterleib operiert werden.

Schwangerschaftswoche 20: das Herz

Das Herz ist im Doppler sichtbar

 Außerdem wird dein Baby genau vermessen, meist nicht mehr vom Scheitel bis zum Steiß, sondern in voller Länge, vom Scheitel bis zur Ferse. Die Messung wird durch den größeren Bewegungsradius des Ungeborenen vereinfacht. Dadurch können Auffälligkeiten in den Extremitäten und Wachstumsstörungen festgestellt werden. Kurze Beine und ein gedrungener Körperbau können beispielsweise Hinweise auf das Down-Syndrom sein. Bei der Ultraschalluntersuchung überprüft der Arzt:

  • Fruchtwassermenge: Die Menge des Fruchtwassers gibt Aufschluss über verschiedene Störungen im Mutterleib oder bei der Entwicklung des Fötus. Ein Fruchtwassermangel kann auf eine Plazentainsuffizienz hinweisen und zu Lungenproblemen des Ungeborenen führen. Bei zu viel Fruchtwasser in der 20. SSW kann es zum vorzeitigen Blasensprung kommen. Beide Diagnosen lassen sich durch einen medizinischen Eingriff behandeln: der Fruchtwasserauffüllung bzw. -entnahme.
  • Bauchdecke und Magen: In der 20. SSW können am Bauch des Ungeborenen Auffälligkeiten wie Lücken in der Bauchwand und im Zwerchfell festgestellt werden. Diese müssen nach der Geburt durch eine Operation geschlossen werden.
  • Gehirn: Der Arzt untersucht das Gehirn des Kindes auf eine Erweiterung der Hirnkammern, denn eine solche könnte der Hinweis auf eine Infektion sein.
  • Wirbelsäule: Auch der Rücken und die Wirbelsäule deines Babys werden in der 20. SSW untersucht, um Störungen der Nerven in den Gliedmaßen auszuschließen.
  • Oberlippe: Die Untersuchung der Oberlippe zeigt, ob das Ungeborene eine Lippen-Kiefer-Gaumenspalte hat. Diese kann nach der Geburt operativ geschlossen werden.
  • Herz (siehe Bild oben): Der Arzt überprüft hierbei die vier Herzkammern und kann in der 20. SSW schwerwiegende Herzfehler im Idealfall weitestgehend ausschließen.
  • Nieren und Blase: Zeigt der Ultraschall eine gefüllte Blase, kann man davon ausgehen, dass die Nieren richtig arbeiten und der Fötus gut entwickelt ist.

Die Nabelschnuruntersuchung

Eine Nabelschnuruntersuchung, in der Fachsprache Chordozentese genannt, kann, falls von den werdenden Eltern und dem Arzt gewünscht, ab der 18. Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, findet aber häufig um die 20. SSW statt. Anhand einer Blutprobe aus der Nabelschnur soll die optimale Versorgung des Ungeborenen gesichert werden. Dabei bestimmt der Facharzt das Blutbild, überprüft die Anzahl der Blutplättchen sowie der weißen Blutkörperchen und untersucht auch die Menge der Antikörper, um bestimmte Infektionen beim Fötus auszuschließen. Andere Gründe für die Nabelschnurpunktion sind Auffälligkeiten bei der Ultraschalluntersuchung, die Behandlung des ungeborenen Kindes oder unklare Befunde bei der Fruchtwasseruntersuchung und Chorionzottenbiopsie, einer Untersuchung, mit der unter anderem Stoffwechselerkrankungen des Fötus diagnostiziert werden können.

Werdende Mütter in der 20. SSW: Bewegung, Kurzatmigkeit

In der 20. SSW bewegst du dich langsam, aber sicher auf die Zielgerade zu – die Geburt. Das Baby wird immer aktiver und bewegungsfreudiger – für viele Schwangere eine tolle Zeit, denn durch die Bewegungen kommuniziert das Baby das erste Mal mit seiner Umwelt, wenn auch unbewusst. Häufig ist allerdings nach einer ersten spürbaren Bewegung erst einmal für paar Tage Ruhe. Aber keine Sorge, das ist ganz normal. Noch handelt es sich bei seiner Aktivität um reine Reaktionsbewegungen. Erst ab der  28. SSW lassen sich die Bewegungen besser interpretieren.

Ungefähr ab der 20. SSW empfinden viele Schwangere das Gewicht des Baby-Bauchs langsam als Belastung. Möglicherweise fühlst du dich öfter unwohl und musst mehr Ruhepausen einlegen. Schwangere sollten in dieser Zeit maximal drei Stunden stehen. Entlaste deinen Körper, indem du ein Bein beispielsweise auf eine Kiste stellst. Besser noch sind sehr regelmäßige Pausen, in denen du die Füße hochlegst. Beschwerden durch eingelagerte Flüssigkeit in den Gliedmaßen kannst du mit Stützstrumpfhosen, Massagen und Sport lindern.

Viele werdende Mütter berichten auch von Kurzatmigkeit. Dieses Gefühl wird sich später noch verstärken, wenn die Gebärmutter auf die Lunge drückt. Diese Entwicklung ist völlig normal. Gönne dir auch dann zusätzliche Ruhepausen. Gegen die häufig ab der 20. SSW einsetzenden Rückenschmerzen gibt es mehrere lindernde Maßnahmen:

  • Warme Bäder
  • Massagen
  • Stärkung durch Yoga und Pilates
  • Aufrechte Sitzhaltung mit beiden Beinen auf dem Boden

Herzstolpern und Taubheitsgefühle

Weniger bekannte Beschwerden in der Schwangerschaft

Kaum eine Schwangere ist sonderlich überrascht, wenn sie unter Übelkeit oder Rückenschmerzen leidet. Etwas anderes ist es jedoch, wenn Beschw ...  mehr

Noch ein kulinarischer Tipp für dich und dein Baby

Ab der 20. SSW kannst du langsam den Geschmack deines Kindes prägen. Das Baby schluckt jetzt mehr vom Fruchtwasser – eine gute Übung, um den Verdauungsapparat zu trainieren. Die Aromen aus deiner Nahrung gehen in das Fruchtwasser über. In Studien konnte nachgewiesen werden, dass Kinder bekannte Geschmäcker in der späteren Beikost besser annehmen als unbekannte.

Du kannst also mit einer  gesunden Ernährung in der Schwangerschaft gleich doppelt punkten: Du und dein Kind bleiben fit und vital und dein Baby kann bereits jetzt Vorlieben für gesunde Nahrungsmittel entwickeln.

Lies hier, wie es in der 21. SSW weitergeht.


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